Die Eisenbahn auf der Halbinsel Eiderstedt


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Beschreibung des Streckenabschnittes von Tönning nach Bad St. Peter-Ording

Der Anlass für den Bau der Bahn nach Tönning war der Güter- und Viehtransport. So existiert im hinteren (aber heute nicht mehr genutzten) Teil des Bahnhofes der Güterschuppen aus dem Eröffnungsjahr 1854. Im Jahr 1913 führte das Gleis 12 durch den Güterschuppen, der dadurch sehr beengt war. Der Fußboden lag nur 75 Zentimeter über der Schienenoberkante, was das Be- und Entladen schwerer Güter sehr erschwerte. Außerdem lag das Gleis etwa 30 Zentimeter unter dem Niveau der anderen Bahnhofsgleise und war deshalb bei starkem Regen oft überschwemmt. Daher beantragte der Bahnhof Tönning die Herausnahme des Gleises und den Umbau des Schuppens, so daß Gleis 13 das neue Schuppengleis wird. Dieser gewünschte Umbau erfolgte aber erst nach dem Jahre 1924. Einer Statistik zufolge, wurden im Jahr 1918 in diesem Güterschuppen 1516 Tonnen Stückgut empfangen und 881 Tonnen Stückgut versandt.


Auszug aus einem Lageplan der Tönninger Hafenbahn aus dem Jahre 1904.


Das Bahnhofsgebäude des Bahnhofs Tönning (Quelle: Kreisarchiv Nordfriesland)

Ebenso war von Beginn an ein Anschlussgleis zum Hafen vorhanden. Anfangs führte das Hafengleis noch durch den Deich und auf eine Wagendrehscheibe, von wo aus die einzelnen Anschlussgleise erreicht werden konnten. Im Jahre 1904 erfolgte ein Umbau des Bahnhofes und die Inbetriebnahme der beiden Stellwerke. Wahrscheinlich wurde seit diesem Zeitpunkt auch das Hafengleis über den Deich geführt. Die einzelnen Anschlüsse erreichte man nun über Weichenverbindungen. Neben dem Güterumschlag auf die Schiffe an der Eiderkaje (Außenhafen) war auch die frühere Eider-Werft angeschlossen, auf deren Gelände sich später der Seefliegerhorst befand. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges siedelten sich in dessen Gebäuden erst die Eternit-Werke (Herstellung von Asbestplatten) und die Nissen-Elektrobau als Güterkunden an. Der Hafen Tönning wurde im Verzeichnis der Gütertarifpunkte vom 01. Juni 1970  sogar noch als eigener Gütertarifpunkt geführt. Seit 1972 wurden die Anlagen des Fliegerhorstes von einer Firma für Anlagentechnik zur Herstellung von Pumpen genutzt. Zuletzt wurde noch der Tonnenhof des Wasser- und Schifffahrtsamtes über das Hafengleis bedient. Heutzutage sind von diesen Anschlussgleisen am Hafen kaum noch Spuren zu entdecken. Der Bahnhof besteht aus zwei Bahnsteiggleisen, die stumpf an Schutzhalt-Tafeln enden. Eine Umfahrungsmöglichkeit für Triebfahrzeuge ist dadurch nicht mehr gegeben.


Bf. Tönning im Jahr 1994: Vorne das Gleis der Hafenbahn und hinten die Gleise des Kopfbahnhofes mit Güterschuppen

Das Gleis nach Garding verlässt Tönning in nordwestlicher Richtung. Rechts ist nochmals der Kanal der Norderbootfahrt zu erkennen. Nun führt die Bahnlinie wieder durch weite Marschflächen. Nach wenigen Minuten ist rechterhand in einiger Entfernung die Kirche von Kotzenbüll zu erkennen, welche in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts errichtet wurde. Es wird der Haltepunkt Kating erreicht, welcher sich in einer Entfernung von 1,8 Kilometern zur Gemeinde befindet. Dieser Haltepunkt verfügte in früherer Zeit über ein Empfangsgebäude mit Fahrkartenausgabe. Auch die Kirche dieser Gemeinde, welche auf einer kleinen Warft steht, dient linkerhand als Landmarke. Mit ihrer Errichtung wurde im 12. Jahrhundert begonnen. In ihrem Turm findet sich die älteste Glocke von Schleswig-Holstein. Sie wurde um 1300 gegossen.


Der Bahnhof Kating im Jahr 1940 mit Empfangsgebäude und Beamtenwohnhaus

Die Strecke
beschreibt vor dem nächsten Haltepunkt einen Linksbogen und schwenkt somit in westliche Richtung. Auf der linken Seite kann man nun den ehemaligen Kühl'schen Haubarg sehen. Der Ziegelbau mit dem reetgedeckten Satteldach wurde laut Zahlenanker im Jahre 1693 errichtet. Nun ist Katharinenheerd erreicht. Hier befindet sich ein zweigeschossiges ehemaliges Empfangsgebäude, welches für diese Bahnstation reichlich überdimensioniert wirkt. Ein Grund hierfür könnte der ehemals hohe landwirtschaftliche Güterumschlag sein. Das "Amtliche Bahnhofsverzeichnis von 1938" weist Katharinenheerd als Haltestelle ohne Kopframpe, aber mit vollem Güterverkehr aus. Für die Abfertigung geschlossener Wagenladungen (Viehtransport) wurde die Station bis etwa Mitte der 1960-er Jahre genutzt. Zu diesem Zweck war auch eine Viehrampe vorhanden. In unmittelbarer Nähe des Haltepunktes befindet sich die Kirche St. Katharina mit dem einzeln stehenden hölzernen Glockenturm, welche im Jahre 1113 erstmals erwähnt wurde.

Weiter führt die Strecke durch die Südermarsch bis zum Haltepunkt Garding. Dieser ehemalige Bahnhof büßte als letzte Station der Eiderstedter Strecke den Güterverkehr im Jahre 1992 ein. Im Anschluss wurden alle Gleisanlagen zurückgebaut. Das Empfangsgebäude war schon im Jahre 1981 abgerissen worden. Der Bahnhof verfügte ab dem Jahr 1932 (Weiterführung der Strecke bis Bad St. Peter-Ording) über das Stellwerk "Gd". Hierbei handelte es sich um ein mechanisches Stellwerk der Bauart Einheit. Die Außerbetriebsetzung des Stellwerkes erfolgte gleichzeitig mit dem Abriss des Empfangsgebäudes. Als Bahnanlagen existieren heute neben dem durchgehenden Hauptgleis nur noch der Bahnsteig und eine Wartehalle. Der Haltepunkt findet sich am südlichen Stadtrand, aber unweit des Zentrums der Kleinstadt. Dieses wird durch die Kirche mit dem imposanten Turm geprägt, deren Entstehung bis in das Jahr 1109 zurückreicht. Der Bau steht auf der höchsten Erhebung der Halbinsel, auf einer elf Meter hohen Warft. Die ursprünglich romanische Anlage wurde später gotisch überformt. Garding war in früherer Zeit der Hauptort der Harde Everschop.



Die Gleisseite des Empfangsgebäudes vom Bahnhof Garding in der Frontalansicht im Jahre 1899.

Im Jahre 1926 musste am Bahnhof Garding eine Bahnsteigsperre errichtet werden. Ankommende Bahnreisende wurden durch Autokutscher zwecks Gewinnung von Fahrgästen massiv belästigt. Ortsansässige Personen und Schuljugend stürmten mitunter ankommende Reisezüge uberfallartig und rissen den Reisenden das Handgepäck aus den Händen. Die Sperre war in den Monaten Juli und August von 11.35 Uhr bis 16.05 Uhr mit einem Aushilfsschaffner besetzt, in der übrigen Zeit vom Weichenwärter. In einem Bericht aus dem Jahr 1926 wird berichtet, dass sich die Bahnsteigsperre bewährt hat.



Ein kleines Detail am Rande bildet die Historie des Kastens eines örtlichen Fernsprechers in Garding: Dieser Fernsprecher war schon lange Zeit vor dem Rückbau des Bahnhofs Garding zum Haltepunkt nicht mehr in Betrieb. Seit seiner Außerdienststellung wurde er auf Grund seiner prädestinierten Lage an einer Weiche als Aufbewahrungsschrank für das Weichenschmierfett genutzt, weshalb er auch noch so lange überlebte, während bereits alle anderen F-Kästen des Bahnhofs verschwunden waren. Bei der Bergung im Herbst 2011 befanden sich die originalen Behälter mit Schmierfett samt Pinsel noch im Kasten!


Hier sieht man den Fernsprechkasten vor seiner Bergung im Jahr 2011 mit Blickrichtung Tating. (Tim Janiak)

Kurz nach Verlassen des Haltepunktes erreicht die Bahnlinie jene Stelle, wo der schon beschriebene Kanal der Süderbootfahrt die zukünftige Trasse kreuzte. Die Hafenstadt Garding war über diesen 6,5 Kilometer langen Wasserlauf mit Katingsiel an der Nordsee verbunden. Auch auf diesem Kanal wurden die Boote getreidelt. Eine Fahrt von Garding nach Katingsiel dauerte dabei etwa 3 Stunden. Im Winter ruhte der Bootsverkehr. Seit 1905 wurde die Süderbootfahrt nicht mehr als Wasserstraße genutzt. Der Gardinger Hafen, der südlich der Süderstraße lag und sich bis zur heutigen Bahnstrecke erstreckte, wurde 1896 teilweise und 1920 endgültig zugeschüttet. Durch den Straßenbau von Garding nach Tönning (1848/49) und die Eisenbahnanbindung (1892) verlor er seine Bedeutung. Beim Weiterbau der Bahnlinie nach Bad St. Peter-Ording ab März des Jahres 1932 musste somit keinerlei Rücksicht auf den ehemaligen Verkehrsweg der Süderbootfahrt genommen werden.


Das Jahr 1904 mit der Süderbootfahrt und Teilen des Bahnhofs (Lokschuppen, Wasserturm, re. angeschnitten das EG)

Bald wird der Haltepunkt Sandwehle im Kirchspiel Garding erreicht. Dieser Ort ist nach einer Deichbruchstelle benannt. Das einbrechende Wasser hinterließ ein tiefes und großflächiges Loch. Diese Wehle wurde erst nach dem 2. Weltkrieg aufgeschüttet und zur Bebauung freigegeben. Folgerichtig wurde der zugehörige Haltepunkt auch erst am 03. Juni 1956 seiner Bestimmung übergeben. Unmittelbar hinter dem Bedarfshaltepunkt quert die Trasse den Alten Gardinger Deich.

Nach Durchquerung des Wattkooges und des Mittelkooges wird am Süderdeich der zum 31. Mai 1980 aufgelassene Haltepunkt Heisternest erreicht, welcher direkt an einem Bahnübergang gelegen war. Der Bahnsteig befand sich östlich der Straße und nördlich des Streckengleises. Der Name Heisternest bezieht sich auf ein einzelstehendes Haus, welches heute als "Osterende 19" im Stadtplan zu finden ist.


Die baulichen Anlagen des Haltepunktes Heisternest genügten im Jahre 1966 den einfachsten Ansprüchen.


Eine topographische Karte aus dem Jahr 1943, auf der die Bahnstationen Heisternest und Tating eingezeichnet sind.

Nun ist bald der ehemalige Bahnhof Tating erreicht. Auf der topografischen Karte ist gut das Vorhandensein von mehreren Gleisen dokumentiert. Heutzutage findet sich auch hier nur noch ein Haltepunkt. Von der einstigen Existenz des Güterverkehrs zeugt noch eine kleine Rampe neben den Gleisen. Der alte Bahnhof Tating wurde im Jahre 1963 geschlossen und in eine Haltestelle umgewandelt. Bald darauf wurden die Viehrampe und die Viehboxen zurückgebaut. Das Gleis zum Lagerschuppen des Tümlauer Kooges wurde im Jahre 1974 entfernt, nachdem der Güterverkehr eingestellt worden war. Das Empfangsgebäude wurde schließlich 1982 von der Deutschen Bundesbahn veräußert und stand über mehrere Jahre leer. Nach Bränden im Gebäude in den Jahren 1991 und 1994 wurde das Gelände im Jahr 1996 von der Gemeinde Tating erworben. Daraufhin erfolgte der Abriss der Bauruine und die Einebnung des Geländes. Die Pflastersteine der Ladestraße wurden zum Teil für die Pflasterung des Dorfplatzes verwendet.




Die Gleisseite des ehemaligen Empfangsgebäudes von Tating im Jahre 1986


Fünf Jahre später präsentiert sich die Straßenseite des Gebäude in diesem Zustand (Tating, 30.07.1991)

Tating war einst Hauptort der Harde Utholm und besitzt mit der St. Magnus-Kirche das älteste Gotteshaus Eiderstedts. Die Kirche wurde ab dem Jahr 1103 errichtet. Als weitere bedeutende Sehenswürdigkeit muss der Hochdorfer Garten mit seinem Haubarg genannt werden. Er gilt als Dokument der wenigen erhaltenen Gärten eines Großbauern des 18. Jahrhunderts und wurde ab dem Jahr 1764 angelegt.

Ab Tating wendet sich die Streckenführung wieder in südwestliche Richtung. Es folgt die Überquerung des Ehster Hauptsielzuges, welcher in Ehstensiel gemeinsam mit dem Olsdorfer Sielzug in die Nordsee mündet. Linkerhand befindet sich nun der seit April 1968 bestehende Flugplatz. An der Gemeindegrenze zwischen Tating und Bad St. Peter-Ording überquert die Bahnlinie die Stelle, wo zum Ende des Zweiten Weltkrieges ein Sielzug zum Panzergraben des Friesenwalls ausgebaut war. Dieser Panzergraben führte vom Brösumsiel im Norden in südöstlicher Richtung zum Ehsterkoog und teilte somit die alte Insel Utholm. Bald darauf ist der Haltepunkt St. Peter Süd erreicht. Dieser befindet sich in der Nähe des Ortszentrums von St. Peter Dorf mit seinen Einkaufsmöglichkeiten. Das ehemalige Empfangsgebäude befand sich Mitte der 1980-er Jahre in einem ungenutzten und desolaten Zustand, wird aber nun schon seit längerer Zeit zu Wohnzwecken genutzt.


Der Bahnhof St. Peter Süd im Jahre 1939, also sieben Jahre nach Eröffnung der Strecke. (Sammlung René Kokert)

Der eigentliche Grund für die Erbauung des dritten Abschnittes der Bahnlinie ab Garding war der aufstrebende Tourismus in St. Peter Bad. Deshalb wendet sich die Strecke nun wieder nach Nordwesten und führt durch das Deichgatt (Deichdurchlass). Immer parallel zur Straße wird nach wenigen Kilometern die Endstation Bad St. Peter-Ording erreicht. Von hier aus sind es nur einige Minuten Fußweg durch den Dünenwald bis zu den Badeanlagen und zur Seebrücke.



Der ehemalige Bahnhof wurde zum Haltepunkt mit Stumpfgleis umgewandelt. Die Weichen des Umfahrungsgleises und das Ladegleis wurden zurückgebaut. Das ehemalige Empfangsgebäude wurde veräußert, aber beherbergt noch immer eine Agentur zum Erwerb von Fahrkarten.


Das Empfangsgebäude von Bad St. Peter-Ording am 28. November 2013
 
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Letzte Änderung auf dieser Unterseite am 04. September 2017