Licht in dunkler Winternacht

Ich bin das Lichtlein, das erwacht
in der dunklen Winternacht.

Die Menschen gingen so gebückt,
doch als das Lichtlein sie erblickt,
da wussten sie, es kommt die Zeit,
da alle Herzen werden weit,
und alle Augen werden hell,
und alle Füsse laufen schnell;
denn mitten aus dem Winterleid
ersteht die liebe Weihnachtszeit!

Autor unbekannt


Beim Schneefall

Wie die weißen Flocken fallen,
Ach, so schön, in wilder Hast,
Und der Schöpfung weite Hallen
Zaubern zum Kristallpalast!

Ja, sie haben es sehr eilig,
Bis das schöne Leichenkleid
Deckt die Gotteserde heilig,
Als ein fröhlich`Grabgeschmeid`!

Wie im Lenz- und Sommerkranze
Bist du auch im Tode schön,
Wenn dein Sterbekleid im Glanze
Leuchtet über Tal und Höhn!

Karl Friedrich Mezger

 

 

Weihnachtsmarkt

Wenn Anfang Dezember, wie jedes Jahr
in der Breitenstraße Weihnachtsmarkt war,
dann kamen die Leute aus Stadt und Land -
so war unser Weihnachtsmarkt bekannt.

Von Kilians- bis Klostergasse
ging der Betrieb die ganze Straße.
Von einem bis zum anderen Ende
standen die Buden und Stände.

Da gab es Nüsse und Apfelsinen,
Mannabrot, Mandeln und Rosinen,
Hampelmänner ohne lange Scharniere,
die lauter Kunststücke vollführen…

Verlockende Düfte erfüllten die Luft
Türkischer Honig und Salzbrezelduft.
Thüringer Rostbratwurst duftete lecker -
daneben roch es nach Zuckerbäcker.

Vor der Bude vom Zuckerbäcker stand
ein Opa mit dem Enkelkind an der Hand,
und Fritz erwählte nach langem Suchen
ein großes Herz aus Honigkuchen.

Für dieses große Kinderglück
zahlte der Opa ein Groschenstück.
Nun gingen Opa und Fritz die Runde
und es dauerte fast eine ganze Stunde.

Vor jeder Bude blieb der kleine Fritz steh`n
denn überall gab es was Neues zu seh`n…
Dann sagte er ganz leise “Opilein,
Opa, ich muss mal, aber nur klein.”

Tatkräftig sagte Opa, der Gute
“Komm, geh hinter diese Bude -
ich bleib ganz dicht vor Dir steh`n
dann kannste, und keiner kann es seh`n.”

Fest in der Hand seinen Honigkuchen
tat Fritzchen nun die Knöpfe suchen -
der kalte Wind pfiff ihm um die Ohren,
die Fingerchen waren blaugefroren.

und deshalb traf er auch einige Mal
den Honigkuchen mit seinem Strahl.
Der kleine Fritz, der merkte es gleich -
sein Honigkuchen, der wurde ganz weich.

Nun heulte er ohne Unterlass :
“Opa, mein schönes Herz ist ganz nass! ”
Da ging dann der Opa, der einzig Gute
mit Fritz zurück zur Zuckerbude

>und stillte dessen großen Schmerz
mit einem zweiten Kuchenherz.
Nun hatte er zwei Herzen, das war ihm klar,
von denen eines nicht in Ordnung war…

Er wollte den Opa entscheiden lassen
“Sag, was machen wir mit dem nassen?”
Der Opa wusste auch hier in der Tat
gleich wieder einen guten Rat:

“Weißt Du, mein Junge, das machen wir so -
das Nasse bekommt Oma, die stippt sowieso!”

Autor unbekannt

 

Jagd im Winter

Der Himmel grau, die Erde weiß,
Die Bäume kahl, die Büsche Gereis,
Ihr Lächeln den Fluren genommen.
Mag zagen, wer will, mir wallet es heiß,
Ich nenne willkommen dich, blinkendes Eis,
Dich, starrender Winter, willkommen.

Als noch die Menschheit im Lenze lag,
Da stand ihr wohl ein Frühlingstag,
Nun mag sie sich anders erweisen.
Willkommen, ihr Felder, erstarrt und beschneit,
Wir leben ja doch in eiserner Zeit,
Wohl paaret sich Eis zu dem Eisen.

Des Dichters Leier verklingt, verstummt,
Kaum daß noch die Klage wie Heimchen summt,
Kein Spiel, kein Preis, kein Sieger.
Drum fort ins Freie, die Waffe zur Hand,
Das Rohr gehoben, den Hahn gespannt,
Als Jäger, wenn nicht als Krieger!

Und wenn es knallt und wenn es trifft,
So denkt, es seien, die kochten das Gift,
Im Finstern horchen und harren.
O Winter der Fluren! stürme nur zu,
Der Geister Winter ist kälter als du,
Er tötet, du machest nur starren!

Nur abends, daheim am Feuerherd,
Da sei euch ein einziger Seufzer gewährt
Nach Lenz und Blüten und Früchten;
Des Morgens aber von neuem hinaus,
In Jagdgetos und Sturmgebraus,
Die Zwietracht des Innern zu schlichten.

Franz Grillparzer



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