"Die Literatur

gibt der Seele Nahrung."

 (Voltaire, 1694-1778)

        

"Poesie ist wie ein Duft,

 der sich verflüchtigt

und dabei in unserer Seele

die Essenz der Schönheit zurücklässt."

(Jean Paul, 1763 - 1825)


      

                    Kunstwerk von Helga Fleisch, copyright



Zu jeder Zeit ein schönes Gedicht,

das Herzen wird erfreut und bereichert... 

Wir erleben Gedicht von ganz unterschiedlichen Lyrikern,

aus Literaturepochen vom Barock bis in die Gegenwart,

wobei ich auch besonders auf Dichterinnen hinweise.

Als Deutschlehrerin liegt es mir sehr am Herzen,

alle drei Gattungen,

die Epik, die Dramatik und die Lyrik zu vermitteln,

 ein besonders offenes Herz habe ich für die Lyrik,

die meine Seele zum Schwingen bringt.


Im Hinblick auf das Urheberrecht verweise ich bei Dichtern,

die noch nicht seit 70 Jahren tot sind,

besonders also bei lebenden Künstlern unsere Zeit, nur auf ihre Werke,

ohne ein Gedicht in meine Homepage zu integrieren.

Einige Dichter habe ich schriftlich um Erlaubnis gebeten,

eines ihren Gedichte hier zitieren zu dürfen.

Auf dieser hilfreichen Seite kann man gut stöbern

und Gedichte finden und neu entdecken.

Auch ich bin dort zu finden unter "Zörner"...

http://gedichte.xbib.de/ 


 

Poesie im Herbst

Stilles Reifen

Alles fügt sich und erfüllt sich,

musst es nur erwarten können

und dem Werden deines Glückes

Jahr und Felder reichlich gönnen.

Bis du eines Tages jenen

reifen Duft der Körner spürest

und dich aufmachst und die Ernte

in die tiefen Speicher führest.

(Christian Morgenstern)

Poesie im Sommer

"Das Leben zeugt

Blumen und Bienen.

Blumen, das sind die

schöpferischen Geister,

und Bienen die anderen,

die daraus Honig sammeln."

(Christian Morgenstern)

Poesie im Frühling

"Es ist ja Frühling.

Und der Garten glänzt vor lauter Licht.

Die Zweige zittern zwar in tiefer Luft,

die Stille selber spricht,

und unser Garten ist wie ein Altar."

(Rainer Maria Rilke)

Poesie im Advent

"Es treibt der Wind im Winterwalde

die Flockenherde wie ein Hirt,

und mache Tanne ahnt, wie balde

sie fromm und lichterheilig wird,

und lauscht hinein. Den weißen Wegen

streckt sie die Zweige hin - bereit,

und wehrt dem Wind und wächst entgegen

der einen Nacht der Herrlichkeit.

(Rainer Maria Rilke)

Poesie im Herbst

"Blüht eine Blume,

zeigt sie uns die Schönheit.

Blüht sie nicht,

lehrt sie uns die Hoffnung."

(Chao-Hsiu Chen)

Poesie im Sommer

"Wenn der Sommer

sich verkündet,

Rosenknospe sich entzündet,

Wer mag solches Glück entbehren!"

(Johann Wolfgang von Goethe)

Poesie im Frühling

"Schön ist eigentlich alles,

was man mit Liebe betrachtet.

Je mehr jemand die Welt liebt,

desto schöner wird er sie finden."

(Christian Morgenstern)

 

Poesie im Winter

Es ist ein Ros entsprungen

Aus einer Wurzel zart,

Wie uns die alten sungen,

Von Jesse kam die Art

Und hat ein Blümlein bracht

Mitten im kalten Winter

Wohl zu der halben Nacht....

(aus einem alten Kirchenlied)

Poesie im Herbst

"Im Herbst sammelte ich all meine Sorgen

und vergrub sie in meinem Garten.

Als der Frühling wiederkehrte,

um die Erde zu heiraten,

da wuchsen in meinem Garten

schöne Blumen."

(Khalil Gibran, 1883 - 1931)

 

"Der Herbst ist ein zweiter Frühling,

in dem jedes Blatt wie eine Blume ist."

(Alber Camus)

 

Poesie im Sommer

Der Sommerfaden

Da fliegt, als wir im Felde gehen,

Ein Sommerfaden über Land,

Ein leicht und licht Gespinst der Feen,

Und knüpft von mir zu dir ein Band.

Ich nehm ihn für ein günstig Zeichen,

Ein Zeichen, wie die Lieb es braucht.

O Hoffen der Hoffnungsreichen,

Aus Duft gewebt, vom Licht zerhaucht!

(Ludwig Uhland 1787-1862)

 

 

Vers im Juni

Blumen sind die schönsten Worte

und Hieroglyphen der Natur,

mit denen sie uns andeutet,

wie lieb sie uns hat.

(Johann Wolfgang von Goethe)

 

Vers in der Vorfreude

auf den Frühling

"Die Blumen des Frühlings

sind die Träume des Winters."

(Khalil Gibran)

 

Neujahresgedicht

Wir wollen glauben

an ein langes Jahr,

das uns gegeben ist,

neu, unberührt,

voll nie gewesener Dinge,

voll nie getaner Arbeit,

voll Aufgaben,

Anspruch und Zumutung.

Wir wollen sehen,

dass wir`s nehmen lernen,

ohne allzu viel fallen zu lassen,

von dem, was es zu vergeben hat,

an die, die Notwendiges,

Ernstes und Großes von ihm verlangen.

(Rainer Maria Rilke)

 

Liedvers zum Weihnachtsfest

aus dem Lied "Maria durch ein Dornwald ging"

.....Da haben die Dornen Rosen getragen,

Kyrie Eleison!

Als das Kindlein durch den Wald getragen.

Da haben die Dornen Rosen getragen

Jesus und Maria

(Volkslied)

Gedicht in der Adventszeit

In der Adventszeit begleitet uns ein Gedicht

von Rainer Maria Rilke.

Der Abend kommt von weit gegangen

durch den verschneiten, leisen Tann.

Dann presst er seine Winterwangen

an alle Fenster lauschend an.

Und stille wird ein jedes Haus:

die Alten in den Sesseln sinnen,

die Mütter sind wie Königinnen,

die Kinder wollen nicht beginnen

mit ihrem Spiel. Die Mägde spinnen

nicht mehr. Der Abend horcht nach innen

und innen horchen sie hinaus.

 

Gedanken für die Herbstzeit

Im Herbst begleiten uns Gedanken von

Sören Kierkegaard (1813-1855).

"Ich ziehe deshalb den Herbst dem Frühling vor,

weil das Auge im Herbst den Himmel,

im Frühling aber die Erde sucht."

 

Für den Juli und August habe ich  "Sommerfrische"

von Joachim Ringelnatz ausgesucht:

Sommerfrische

Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiß,

das durch den sonnigen Himmel schreitet.

Und schmücke den Hut, der dich begleitet

mit einem grünen Reis.

Verstecke dich faul in der Fülle der Gräser,

weil`s wohl tut, weil`s frommt.

Und bist du ein Mundharmonikabläser

und hast eine bei dir,

das spiel, was dir kommt.

Und lass deine Melodie lenken

von dem freigegebenen Wolkengezupf.

Vergiss dich. Es soll dein Denken

nicht weiter reichen als ein Grashüpferhupf

(Joachim Ringelnatz 1883 - 1934)

 

Junigedicht

Im Juni begleiten uns Verse von Angelus Silesius,

sehr passend zum Pfingstfest:

Die Gottheit ist mein Saft:

was aus mir grünt und blüht,

Das ist sein heilger Geist,

durch den der Trieb geschieht.

(Angelus Silesius 1624 - 1677)

 

Maigedicht

Für den Maienmonat habe ich ein kleines "Mailied"

ausgesucht, das etwas anders ist als

die Mailieder sonst...

Mailied

Wenig hab ich noch empfunden

Von der werten Frühlingszeit;

All die Lust und Lieblichkeit

Hat zu mir nicht Bahn gefunden.

Ach! was soll ein Herz dabei,

das sich so zerrissen fühlet?

Jetzt empfind ich erst den Mai,

Seit der Sturm in Blüten wühlet.

(Ludwig Uhland 1787-1862)

Aprilgedicht

Im April soll uns ein kleines Gedicht von Matthias Claudius begleiten:

Ex tempore

In dichtverwachsenem Laub verborgen,

Sang eine Nachtigall einst einen  Frühlingsmorgen;

Bald tönten Lieder überall,

Sie sangen ihm aus vollem Halse Lieder,

Und Tal und Hügel hallten wider,-

Da schwied die Nachtigall.

(Matthias Claudius 1740-1815)

Märzgedicht

Auch im März sprechen einige Verse Rilkes zu uns:

"Es ist ja Frühling.

Und der Garten glänzt vor lauter Licht,

Die Zweige zittern zwar in tiefer Luft,

die Stille selber spricht,

und unser Garten ist wie ein Altar...

(Rainer Maria Rilke)

Februargedicht

In der Vorfreude auf den Frühling

habe ich jetzt das Gedicht "Vorfrühling"

von Rainer Maria Rilke ausgesucht:

Vorfrühling

Härte schwand. Auf einmal legt sich Schonung

an der Wiese aufgedecktes Grau.

Kleine Wasser ändern die Betonung,

Zärtlichkeiten, ungenau,

greifen nach der Erde aus dem Raum.

Wege gehen weit ins Land und zeigens.

Unvermutet siehst du seines Steigens

Ausdruck in den leeren Baum.

(Rainer Maria Rilke 1875 - 1926)

Januargedicht

Zum neuen Jahr ein neues Herze

Zum neuen Jahr ein neues Herze,

Ein frisches Blatt im Lebensbuch.

Die alte Schuld sei ausgestrichen.

Der alte Zwist sei ausgeglichen

Und ausgetilgt der  alte Fluch.

Zum neuen Jahr ein neues Herze,

Ein frisches Blatt im Lebensbuch !

Zum neuen Jahr ein neues Hoffen !

Die Erde wird noch immer grün.

Auch dieser März bringt Lerchenlieder,

Auch dieser Mai bringt Rosen wieder.

Auch dieses Jahr lässt Freuden blühn.

Zum neuen Jahr ein neues Hoffen.

Die Erde wird noch immer grün.

(Karl Gebok 1813 - 1890)

Dezembergedicht

Weihnachten

Markt und Straßen stehn verlassen,

Still erleuchtet jedes Haus,

Sinnend geh ich durch die Gassen,

Alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen

Buntes Spielzeig fromm geschmückt,

Tausend Kindlein stehn und schauen,

Sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern

Bis hinaus ins freie Feld,

Hehres Glänzen, heilges Schauern !

Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,

Aus des Schnees Einsamkeit

Steigts wie wunderbares Singen -

O du gnadenreiche Zeit.

Joseph von Eichendorff 1788 - 1857

Novembergedicht

Der "Novembertag" von Christian Morgenstern bringt uns zum Nachdenken:

Novembertag

Nebel hängt wie Rauch ums Haus,

Drängt die Welt nach Innen;

Ohne Not geht niemand aus,

Alles fällt in Sinnen.

Leiser wird die Hand, der Mund,

Stiller die Gebärde,

Heimlich, wie auf Meeresgrund

Träumen Mensch und Erde.


Der Dichter lebte von 1871 bis 1914.

Oktobergedicht

Im Oktober begleitet uns ein Gedicht von Detlef von Liliencron:

Herbst

Astern blühen schon im Garten;

Schwächer trifft der Sonnenpfeil

Blumen, die den Tod erwarten

Durch des Frostes Henkerbeil.


Brauner dunkelt längst die Heide,

Blätter zittern durch die Luft.

Und es liegen Wald und Weide

Unbewegt im blauen Duft.


Pfirsich an der Gartenmauer,

Kranich auf der Winterflucht,

Herbstes Freuden, Herbstes Trauer,

Welke Rosen, reife Frucht.


(Detlef Liliencron 1844 - 1909)

Septembergedicht

Für den Monat September  habe ich "Verklärter Herbst" von Georg Trakl ausgesucht:

Verklärter Herbst

Gewaltig endet so das Jahr

mit goldenem Wein und Frucht der Gärten.

Rund schweigen Wälder wunderbar

Und sind des Einsamen Gefährten

 

Da sagt der Landmann:  Es ist gut.

Ihr Abendglocken lang und leise

Gebt noch zum Ende frohen Mut.

Ein Vogelzug grüßt auf der Reise.

 

Es ist der Liebe milde Zeit,

Im Kahn den blauen Fluss hinunter

Wie schön sich Bild an Bildchen reiht -

Das geht in Ruh und Schweigen unter

(Georg Trakl 1887 . 1914, Expressionismus)

 

 

Augustgedicht

Für den Monat August habe ich ein kleines Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe ausgesucht:

     Erinnerung

Willst du immer weiter schweifen ?

Sieh, das Gute liegt so nah.

Lerne nur das Glück ergreifen,

denn das Glück ist immer da.

Juligedicht

Im Garten blühen so wundervoll die Rosen, so habe ich ein kleines Gedicht von

Justinus Kerner (1786 bis 1862) ausgesucht:

Im Garten im Mondlicht

Im Garten im Mondlicht

Vernehm ich ein leises

Flüstern und Streiten.

Lilien und Rosen

Streiten, wer schöner

Von ihnen blühe;

Wenden die Häupter

Nach mir hin, - ich gehe,

Der Mond sieht euch blühen,

Der solls entscheiden !

Junigedicht

Im Juni habe ich ein kleines Gedicht von Theodor Storm ausgesucht,

weil auch ich solch "grüne Blätter" mitnehme und ins Herz aufnehme...

Ein grünes Blatt

Ein Blatt aus sommerlichen Tagen,

Ich nahm es so beim Wandern mit,

Damit es einst mir möge sagen,

Wie laut die Nachtigall geschlagen,

Wie grün der Wald, den ich durchschritt.

Der Dichter  Theodor Fontane lebte von 1817 bis 1888.

Maigedicht

Im Mai habe ich ein Gedicht von Annette von Droste-Hülshoff ausgesucht,

weil der "Feldblumenstrauß mir wichtig ist, auch in der Wirklichkeit...

Mit einem Feldblumenstrauß

Und ob der Maien stürmen will

Mit Regenguß und Hagelschlag

Wie ein verspäteter April:

Er hat doch einen schönen Tag.

Hat einen Tag, der schlimme Mai,

Viel lieber als das ganze Jahr,

Und wo es schien mir einerlei,

Ob trüb der Himmel oder klar.

Und ist er trübe auch, ich fand

Mein Sträußlein doch in Wald und Ried

Und kann doch küssen deine Hand

Und sagen dir ein schlichtes Lied.

Dieses Gedicht stammt von Annette von Droste-Hülshoff (1797 - 1848).

Aprilgedicht

Für den April habe ich ein kleines Gedicht von Eduard Mörike ausgesucht:

Er ists

Frühling lässt sein blaues Band

Wieder flattern durch die Lüfte;

Süße, wohlbekannte Düfte

Streifen ahnungsvoll das Land.

Veilchen träumen schon,

Wollen balde kommen.

- Horch, von fern ein leiser Harfenton !

Frühling, ja du bists !

Dich habe ich vernommen !

Der Dichter Eduard Mörike lebte von 1804 bis 1875.

Märzgedicht

Der Winter war lang und grau und wir freuen uns auf den Frühling.

Im März betrachten wir ein Gedicht von Rainer Maria Rilke:

Vorfrühling

Härte schwand. Auf einmal legt sich Schonung

an der Wiese aufgedecktes Grau.

Kleine Wasser ändern die Betonung.

Zärtlichkeiten, ungenau,

greifen nach der Erde aus dem Raum.

Wege gehen weit ins Land und zeigens.

Unvermutet siehst du seines Steigens

Ausdruck in dem leeren Baum.

Der Dichter Rainer Maria Rilke lebte von 1875 bis 1926.

Wintergedicht

Im Januar begleitet uns  Joseph von Eichendorff mit seinem Gedicht "Winternacht":

Winternacht

Verschneit liegt rings die ganze Welt,

Ich habe nichts, was mich freuet,

Verlassen steht der Baum im Feld,

Hat längst sein Laub verstreuet.

 

Der Wind nur geht bei stiller Nacht

Und rüttelt an dem Baume,

Da rührt er seine Wipfel sacht

Und redet wie im Traume.

 

Er träumt von künftger Frühlingszeit,

Von Grün und Quellenrauschen,

Wo er im neuen Frühlingskleid

Zu Gottes Lob wird rauschen.

Der Romatinker Joseph von Eichendorff lebte von 1788 bis 1877

Gedicht zum Neujahresbeginn

Neujahrslied

Mit der Freude, zieht der Schmerz

Traulich durch die Zeiten.

Schwere Stürme, milde Weste,

Bange Sorgen, frohe Feste

Wandeln sich zur Seiten.

 

Und wo eine Träne fällt,

Blüht auch eine Rose.

Schon gemischt, noch eh wirs bitten,

Ist für Thronen und für Hütten

Schmerz und Lust im Lose.

 

Wars nicht so im alten Jahr ?

Wirds im neuen enden ?

Sonnen wallen auf und nieder,

Wolken gehen und kommen wieder,

Und kein Wunsch wirds wenden.

 

Gebe denn, der über uns

Wägt mit rechter Waage,

Jedem Sinn für seine Freuden,

Jedem Mut für deine Leiden

In die neuen Tage.

 

Jedem auf des Lebens Pfad

Einen Freund zur Seite,

Ein zufriedenes Gemüte

Und zu stiller Herzensgüte

Hoffnung ins Geleite.

von Johann Peter Hebbel (1760 - 1826)

Gedicht zur Weihnachtszeit

Auf dem Weg zum Weihnachtsfest sprechen Verse von Theodor Storm zu uns:

Vom Himmel in die tiefsten Klüfte

ein milder Stern hernieder lacht;

vom Tannenwalde steigen Düfte

und hauchen durch die Winterlüfte

und kerzenhelle wird die Nacht.

Der Dichter Theodor Storm lebte von 1817 bis 1888.

 

Ein Gedichte meines Lieblingslyrikers Rainer Maria Rilke begleitet uns im Advent.

          Advent

Es treibt der Wind im Winterwalde

die Flockenherde wie ein Hirt,

und manche Tanne ahnt, wie balde

sie  fromm und lichterheilig wird;

und lauscht hinaus. Den weißen Wegen

streckt sie die Zweige hin - bereit,

und wehrt dem Wind und wächst entgegen

der einen Nacht in Herrlichkeit.

Der Dichter Rainer Maria Rilke lebte von 1875 bis 1926.

 

Gedicht im November

Im November begegnen wir einem Gedicht von Christian Morgenstern.

Novembertag

Nebel hängt wie Rauch ums Haus

drängt die Welt nach innen;

ohne Not geht niemand aus;

alles fällt in Sinnen.

Leiser wird die Hand, der Mund,

stiller die Gebärde.

Heimlich, wie auf Meeresgrund

träumen Mensch und Erde.

Der Dichter Christian Morgenstern lebte von 1871 bis 1914.

 

Gedicht in der zweiten Oktoberhälfte

Für die zweite Oktoberhälfte habe ich kein Herbstgedicht, sondern ein kleinen Text

 von Hermann Hesse

aus seinem Werk "Siddharta" ausgesucht:

Wenn jemand sucht,

dann geschieht es leicht,

dass sein Auge

nur noch das Ding sieht,

das er sucht,

dass er nichts zu finden,

nichts in sich einzulassen vermag,

weil er nur immer

an das Gesuchte denkt,

weil er ein Ziel hat,

weil er vom Ziel besessen ist.

Suchen heißt: ein Ziel haben.

Finden aber heißt: frei sein,

offen stehen...

Hermann Hesse aus "Siddharta"

Gedicht in der ersten Oktoberhälfte

Für die erste Oktoberhälfte habe ich ein Gedicht von Goethe aus dem "West-östlichen Divan" ausgesucht:

An vollen Büschelzweigen,

Geliebte, sieh nur hin !

Lass dir die Früchte zeigen

Umschalet stachlig grün.

Sie hängen längst geballet,

Still, unbekannt mit sich,

Ein Ast, der schaukelnd wallet,

Wiegt sie geduldiglich.

Doch immer reifer von innen

Und schwillt der braune Kern,

Er möchte Luft gewinnen

Und säh die Sonne gern.

Die Schale platzt und nieder

Macht er sich freudig los;

So fallen meine Lieder

Gehäuft in deinen Schoß

von Johann Wolfgang von Goethe (1749 bis 1832)

 

Gedicht im September

Im September begleitet uns ein Gedicht von Georg Trakl :

Sonniger Nachmittag

Ein Ast wiegt mich im tiefen Blau.

Im tollen, herbstlichen Blattgewirr

Flimmern Falter, berauscht und irr.

Axtschläge hallen in der Au.

In roten Beeren verbeißt sich mein Mund

Und Licht und Schatten schwanken im Laub.

Stundenlang fällt goldener Staub

Knisternd in dem braunen Grund.

Die Drossel lacht aus dem Büschen her

Und toll und laut schlägt über mir

Zusammen das herbstliche Blattgewirr -

Früchte lösen sich leuchtend und schwer.

Der Lyriker Georg Trakl lebte von 1887 bis 1914 (Expressionismus).

Gedicht zum Septemberbeginn

Für die erste Septemberhälfte  habe ich ein Gedicht von Friedrich Hebbel ausgesucht:

Sommerbild

Ich sah des Sommers letzte Rose stehn,

Sie war, als ob sie bluten könne, rot;

Da sprach ich schauernd im Vorübergehn:

So weit im Leben ist zu nah am Tod !

Es regte sich kein Hauch am heißen Tag,

Nur leise strich ein weißer Schmetterling;

Doch ob auch kaum die Luft sein Flügelschlag

Bewegte, sie empfand es und verging !

Der Dichter Friedrich Hebbel lebte von 1813 bis 1863.

Rosengedicht im August

In der ersten Augusthälfte begleitet uns ein "Rosengedicht" von Rainer Maria Rilke:

Wilder Rosenbusch

Wie steht er da vor den Verdunkelungen

des Regenabends, jung und rein;

in seinen Ranken schenkend ausgeschwungen

und doch versunken in sein Rose-sein;

die flachen Blütem, da und dort schon offen

jegliche ungewollt und ungepflegt:

so, von sich selbst unendlich übertroffen

und unbeschreiblich aus sich selbst erregt,

ruft er dem Wanderer, der in abendlicher

Nachdenklichkeit den Weg vorüberkommt:

Oh sieh mich steht, sieh her, was bih ich sicher

und unbeschützt und habe was mir frommt.

(Rilke, Werke II)

Der Dichter Rilke gehört zu meinen Lieblingslirikern und lebte von 1875 bis 1926.

Sommergedicht im Juli

Im Juli begleitet uns ein schönes Gedicht von Theodor Storm:

Ein grünes Blatt

Ein Blatt aus sommerlichen Tagen,

Ich nahm es so beim Wandern mit,

Damit es einst mir möge sagen,

Wie laut die Nachtigall geschlagen,

Wie grün der Wald, den ich durchschritt.

Der Dichter Theodor Storm lebte von 1817 bis 1888.

10 Juni bis zum Ende des Monats

In dieser Zeit spricht ein kleines Sommergedicht zu uns:

Der Sommerfaden

Da fliegt, als wir im Felde gehn,

Ein Sommerfaden über Land,

Ein leicht und licht Gespinst der Feen,

Und knüft von mir zu ihr ein Band.

Ich nehm ihn für ein günstig Zeichen,

Ein Zeichen, wid die Lieb es braucht.

O Hoffnung der Hoffnungsreichen,

Aus Duft gewebt, von Luft zerhaucht.

Dieses Gedicht stammt von Ludwig Uhland (1787 - 1862).

Gedicht vom 27. Mai bis zum 10. Juni

Zum Pfingstfest spricht ein kleines Gedicht von Angelus Silesius (1624 bis 1677) zu uns:

Die Gottheit ist das Grüne

Die Gottheit ist mein Saft: was aus mir grünt und blüht.

Das ist sein heiliger Geist, durch den der Trieb geschieht.

Gedicht vom 12. Mai bis zum 27.Mai

Diese Woche spricht ein kleines Gedicht mit dem Titel "Ans Ziel" zu uns:

Ans Ziel

Gestern ein Rieseln

Im weichen Eise,

Heute ein Bach

Auf der Frühlingsreise,

Gestern ein Kind

Mit Schleif und Band,

Heute Jungfrau

Im Festgewand, -

Wohin? Wer weiß?

Und wem der Preis ?

Frage die Biene,

Wohin sie fliegt,

Frage die Hoffnung,

Wo Eden liegt !

Dieses Gedicht stammt von Johann Georg Fischer (1816 - 1897)

Gedicht vom 29. April bis zum 12. Mai

Ein kleines Gedicht zum Monat Mai erfreut uns diese Wochen:

Mai

Die Kinder haben die Veilchen gepflückt,

All, all, die da blühten am Mühlengraben.

Der Lenz ist da; sie wollten ihn fest

In ihren kleinen Fäusten haben.

Diese Verse stammen von Theodor Strom (1817 - 1888).

Gedicht vom 15. April bis zum 29. April

Für diese zwei Wochen habe ich ein kleines Gedicht von Theodor Storm ausgesucht:

April

Das ist die Drossel, die da schlägt,

Der Frühling, der mein Herz bewegt;

Ich fühle, die sich hold bezeigen,

Die Geister aus der Erde steigen.

Das Leben fließet wie ein Traum -

Mir ist wie Blume, Blatt und Baum.

Der Dichter lebte von 1817 bis 1888.

Gedicht vom 8. April bis zum 15. April

Natürlich habe ich für deise Woche ein Ostergedicht ausgesucht :

Ostern

Vom Erdenstaub zu reinen, blauen Lüften

Dringt weit der Blick in ersten Frühlingstagen,

Und höher steigt der mächtge Sonnenwagen,

Die Erde sehnt nach Blättern sich und Düften,

Und heilige Geschichten uns dann sagen

Was sich geahnet in des Herzens Klüften.

Er ist erstanden aus den Todesgrüften,

Und wie vergebens war der Menschen Zagen,

Ja, so ersteht die Welt der Himmelsgaben

Mit jedem Jahre neu, die Knospen brechen,

Und nichts ist unserer Liebe zu erhaben,

Sie gibt uns alles in den Wonnebächen,

Die nach dem Eisgang Flur und Aug durchgraben,

Das Unsichtbarste will zum Lichte sprechen.

Dieses Gedicht stammt von Ludwig Achim von Armin (1781 - 1831).

Gedicht vom 1. April bis zum 8. April

Die Karwoche soll begleitet werden mit den Gedicht "Karwoche"von Eduard Mörike:

O Woche, Zeugin heiliger Beschwerde!

Du stimmst so ernst zu dieser Frühlingswonne,

Du bereitest im verjüngten Strahl der Sonne

Des Kreuzes Schatten auf die lichte Erde...

Eduard Mörike lebte von 1804 bis 1875.

Gedicht vom 25. März bis zum 1. April

Da ich sehr gerne Waldspaziergänge unternehme, habe ich  in dieser Woche ein Gedicht mit dem Titel

"In dem Walde sprießt und grünt es"  ausgesucht:

In dem Walde sprießt und grünt es

Fast jungfräulich lustbeklommen;

Doch die Sonne lacht herunter.

Junger Frühling, sei willkommen !

Nachtigall, auch dich schon hör ich,

Wie du flötest seligtrübe

Schluchzend langerzogne Töne,

Und dein Lied ist lauter Liebe !

Dieses Gedicht stammt von Heinrich Heine (1797 bis 1856).

Woche vom 18. März bis zum 25. März

Ein schöner Frühlingssamstag liegt hinter uns und eine hoffentlich sonnige Frühlinszeit liegt vor uns,

Rainer Maria Rilke spricht mir aus der Seele:

Es ist der Fühling. Und der Garten glänzt

vor lauter Licht.

Die Zweige zittern zwar

in tiefer Luft, die Stille selber spricht,

und unser Garten ist wie ein Altar.

Der Abend atmet wie ein Angesicht,

und seine Lieblingswinde liegen dicht

wie deine Hände mir im Haar:

Ich bin begränzt.

Du aber siehst es nicht.

Und da sind alle Feste nicht mehr wahr.

Rainer Maria Rike lebte von 1875 bis 1926.

Rilke gehört zu meinen Lieblingslyrikern, deshalb befinden sich hier Gedichte von ihm.

Woche vom 11. März bis zum 18. März

Im März spricht in dieser Woche das Gedicht "Märztag" zu uns:

Wolkenschatten fliehen über Felder,

Blau umdunstet stehen ferne Wälder.

Kraniche, die hoch die Luft durchpflügen,

Kommen schreiend an in Wanderzügen.

Lerchen steigen schon in lauten Schwärmen,

Überall ein erstes Frühlingslärmen.

Lustig flattern, Mädchen, deine Bänder,

Kurzes Glück träumt durch die weiten Länder.

Kurzes Glück schwamm mit den Wolkenmassen,

Wollt es halten, musst es schwimmen lassen.

Diese Gedicht stammt von Detlev von Liliencron (1844 - 1909).

Woche vom 4. März bis zum 11. März

Ein kleines, ganz bekanntes Frühlingsgedicht erfreuet uns diese Woche.

Er ists

Frühling, lässt sein blaues Band

Wieder flattern durch die Lüfte;

Süße, wohlbekannte Düfte

Streifen ahnungsvoll das Land.

Veilchen träumen schon,

Wollen balde kommen.

- Horch, von fern ein leiser Harfenton !

Frühling, ja du bists !

Dich hab ich vernommen.

Der Dichter Eduard Mörike lebte von 1804 bis 1875.

Woche vom 26. Februar bis zum 4. März

In Vorfreude auf den Frühling begleitet uns diese Woche ein Frühlingsgedicht:

Erste Frühlingsahnung

Rose Wölkchen überm  Wald

Wissen noch vom Abendrot dahinter -

Überwunden ist der Winter,

Frühling kommt nun bald.

Überm Monde silberweiß,

Zwischen Wipfeln schwarz und kraus

Flügelt eine Fledermaus

Ihren ersten Kreis..

Rose Wölkchen überm Wald

Wissen noch vom Abendrot dahinter -

Überwunden  ist der Winter,

Frühling kommt nun bald.

Christian Morgenstern (1871 - 1914) hat dieses Gedicht verfasst.

Woche vom 19. Februar bis zum 26. Februar

Für diese Woche habe ich ein kleines Gedicht von Heinrich Hoffmann ausgesucht:

Februar

Fastnachtdienstag, Aschermittwoch !

Scherz und Ernst liegt dicht beisammen.

Wie sie auch gar eng verschlungen

Aus dem Menschenherzen stammen.

Der Dichter lebte von 1809 bis 1894.

Woche vom 12. Februar bis zum 19. Februar

Für diese Woche habe ich ein kleines "Liebesgedicht" ausgewählt,das unser Herz erwärmen möge:

Selig durch die Liebe

Selig durch die Liebe

Götter  - durch die Liebe

Menschen Göttern gleich !

Liebe macht den Himmel

himmlischer - die Erde

zu dem Himmelreich

Diese Verse stammen von Friedrich von Schiller (1759 -1805).

Woche vom 5. Februar bis zum 12. Februar

In der Kälte des Winters ist "Ein kleines Lied" schön, ein "wenig Wohllaut und Gesang"...

Ein kleines Lied

Ein kleines Lied, wie geht`s nur an,

Dass man so lieb es haben kann,

Was liegt darin? Erzähle !

Es liegt darin ein wenig Klang.

Ein wenig Wohllaut und Gesang

Und eine ganze Seele.

Die Dichterin Marie von Ebner-Eschenbach (1830 bis 1916) hat dieses Gedicht geschrieben.

Woche vom 29.Januar  bis zum 5. Februar

Jetzt ist der Winter doch noch einmal eingekehrt und es ist so richtig kalt geworden, so dass für diese Woche ein "Wintergedicht" passend ist:

Winternacht

Vor Kälte ist die Luft erstarrt.

Es kracht der Schnee von meinen Tritten,

Es dampft mein Hauch, es klirrt mein Bart;

Nur fort, nur immer fortgeschritten !

Wie feierlich die Gegend schweigt !

Der Mond bescheint die alten Fichten,

Die, sehnsuchtsvoll zum Tod geneigt,

Den Zweig zurück zur Erde richten.

Frost, friere mir ins Herz hinein,

Tief in das heißbewegte, wilde !

Dass einmal Ruhe mag drinnen sein,

Wie hier im nächtlichen Gefilde !

Dieses Gedicht stammt von Nikolaus Lenau, der von 1802 bis 1850 lebte.

Woche vom 22. Januar bis zum 29.Januar

Obwohl der Frühling noch etwas auf sich warten lässt, soll in dieser Woche schon einmal

ein "Frühlingsgedicht"  erscheinen:

Erste Frühlingsahnung

Rosa Wölkchen überm Wald

Wissen noch vom Abendrot dahinter -

Überwunden ist der Winter,

Frühling kommt nun bald.

Unterm Monde silberweiß,

Zwischen Wipfeln schwarz und kraus

Flügelt eine Fledemaus

Ihren ersten Kreis...

Rosa Wölkchen überm Wald

Wissen noch vom Abendrot dahinter -

Überwunden ist der Winter,

Frühling kommt nun bald.

Dieses Gedicht hat Christian Morgenstern geschrieben (1871 - 1914).

Weitere Gedichte dieses Lyrikers finden sich auf dieser Seite....

Woche vom 15. Januar bis zum 22. Januar

Diese Woche spricht ein kleines Gedicht mit dem Titel "Lenz" zu uns:

Wie ich mich auf den Frühling freue !

Wie mir das Alte und doch so Neue

Schon im tiefsten Winter die Seele bewegt !

Noch ist`s (ich ergänze war`s) erst Weihnacht ! Noch atmet der Winter

Aus vollen Lungen !

Und doch ist`s mir, als ob schon dahinter

Sehnsuchtsbezwungen

Leise, ganz leise der Lenz sich regt...

Dieses Gedicht stammt von Hermann Conradi, der von 1862 bis 1890 lebte.

Woche vom 8. Januar bis zum 15. Januar

In dieser Woche lässt uns ein Gedicht mit dem Titel "Gefrorene Tränen" nachdenken:

Gefrorne Tropfen fallen

Von meinen Wangen ab;

Ob es mir denn entgangen,

Dass ich geweinet hab ?

Ei Tränen, meine Tränen,

Und seid ihr gar so lau,

Dass ihr erstarrt zu Eise

Wie kühler Morgentau ?

Und dringt doch aus der Quelle

Der Brust so glühend heiß,

Als wolltet ihr zerschmelzen

Des  ganzen Winters Eis !

Dieses "Winter - Seelen-Gedicht" hat der Dichter Wilhelm Müller verfasst (1794 - 1827).

Woche vom 1. Januar bis zum 8. Januar 2012

Zu Beginn der neuen Jahres habe ich ein Gedicht mit dem Titel ""Zun neuen Jahr ein neues Herze" ausgesucht:

Zum neuen Jahr ein neues Herze,

Ein frisches Blatt im Lebensbuch.

Die alte Schuld sei ausgestrichen.

Der alte Zwist sei ausgeglichen

Und ausgetilgt der alte Fluch.

Zum neuen Jahr ein neues Herze,

Ein frisches Blatt im Lebensbuch!

Zum neuen Jahr ein neues Hoffen!

Die Erde wird noch immer grün.

Auch dieser März bringt Lerchenlieder.

Auch dieser Mai bringt Rosen wieder.

Auch dieses Jahr lässt Freuden blühn.

Zum neuen Jahr ein neues Hoffen.

Die Erde wird noch immer grün.

Dieses Gedicht stammt von Karl Gerok (1815 bis 1890).

Woche vom 25. Dezember bis zum 31. Dezember

Noch einmal erleben wir ein Weihnachtsgedich von Joseph von Eichendorff:

Weihnachten

Markt und Straßen steh verlassen,

Still erleuchtet jedes Haus,

Sinnend geht ich durc die Gassen,

Alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen

Buntes Spielzeig fromm geschmückt,

Tausend Kindlein stehn und schaun,

Sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern

Bis hinaus ins freie Feld,

Hehres Glänzen, heilges Schauern!

Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,

Aus des Schneees Einsamkeit

Steigts wie wunderbares Singen -

O du gnadenreiche Zeit.

Joseph Freiherr von Eichendorff  (1788 - 1857) habe ich hier auf diese Seite schon mehrmals

mit seinem lyrischen Werk sprechen lassen, weil mir seine Gedichte sehr am Herzen liegen...

Woche vom 18. Dezember bis zum 25. Dezember

In dieser Weihnachtswoche begleitet uns das "Weihnachtslied" von Theodor Storm:

Weihnachtslied

Vom Himmel in die tiefsten Klüfte

Ein milder Stern herniederlacht;

Vom Tannenwalde steigen Düfte

Un hauchen durch die Winterlüfte,

Und kerzenhelle wird die Nacht.

Mir ist das Herz so froh erschrocken,

Das ist die liebe Weihnachtszeit!

Ich höre fernher Kirchenglocken

Mich lieblich heimatlich verlocken

In märchenstille Herrlichkeit.

Ein frommer Zauber hält mich wieder,

Anbetend, staunend muss ich stehn;

Es sinkt auf meine Augenlider

Ein goldner Kindertraum hernieder,

Ich fühl`s, ein Wunder ist geschehn.

Der Dichter Theodor Storm lebte von 1817 bis 1888. Neben vielen Gedichten sind vor allem seine Novellen bekannt: "Immensee", "Der Schimmelreiter" und "Pole Poppenspäler"...

Woche vom 11. Dezember bis zum 18. Dezember

Für die Woche vom 3. zum 4. Advent habe ich ein Wintergedicht von Christian Morgenstern ausgesucht:

Winternacht

Er war einmal eine Glocke,

die machte baum, baum.

Und es war einma eine Flocke,

die fiel dazu wie im Traum.

Die fiel dazu wie im Traum...

Die sank, so leis hernieder

wie ein Stück Engleingefieder

aus dem silbernen Sternenraum.

Es war einmal eine Glocke,

die machte baum, baum.

Und dazu fiel eine Flocke,

so leis als wie ein Traum.

So leis als wie ein Traum.

Und als vieltausend gefallen leis,

da war die ganze Erde weiß,

als wie von Engleinflaum.

Da war die ganze Erde weiß,

als wie von Engleinflaum.

Christian Morgenstern lebte von 1871 bis 1914.

Woche vom 4. Dezember bis zum 11. Dezember

In der Woche vom 2. zum 3. Advent erleben wir ein Gedicht von Theodor Fontane:

Noch ist der Herbst nicht ganz entflohn

Noch ist der Herbst nicht ganz entflohn,

Aber als Knecht Ruprecht schon

Kommt der Winter herangeschritten,

Und alsbald aus Schnees Mitten

Klingt des Schlittenglöckleins Ton.

 

Und was jüngst noch, fern und nah,

Bunt auf uns herniedersah,

Weiß sind Türme, Dächer, Zweige,

Und das Jahr geht auf die Neige,

Und das schönste Fest ist da.

 

Tag du der Geburt des Herrn,

Heute bist du uns noch fern.

Aber Tannen, Enge, l Fahnen

Lassen uns den Tag schon ahnen,

Und wir sehn schon den Stern.

Thedor Fontane lebte von 19819 bis 1898, er gehört zu den bedeutendsten deutschen Vertretern des poetischen Realismus. Seine Romane "Effi Briest" und "Irrungen Wirrungen" gehören zum Literaturkanon der gymnasialen Oberstufe.

Woche vom 27. November bis zum 4.Dezember

In der Woche vom 1. zum 2. Advent spricht ein Gedicht von Rilke zu uns,

der zu meinen Lieblingslyrikern gehört:

Advent

Es treibt der Wind im Winterwalde

die Flockenherde wie ein Hirt,

und manche Tanne ahnt, wie balde

sie fromm und lichterheilig wird;

und lauscht hinaus. Den weißen Wegen

streckt sie die Zweige hin - bereit,

und wehrt dem Wind und wächst entgegen

der einen Nacht der Herrlichkeit.

Rainer Maria Rilke lebte von 1875 bis 1926.

aus: Die schönsten Weihnachtsgedichte, ausgewählt von Gesine Dammel. Frankfurt am Main - Leipzig 2006.

Woche vom 20. November bis zum 27. November

Die Woche vor dem 1. Advent möge uns ein Gedicht von Christian Morgenstern begleiten:

Stilles Reifen

Alles fügt sich und erfüllt sich,

musst es nur erwarten können

und dem Werden deines Glückes

Jahr und Felder reichlich gönnen.

Bis du eines Tages  jenen

reifen Duft der Körner spürest

und dich aufmachst und die Ernte

in die tiefen Speicher führest.

Der Dichter lebte von 1871 bis 1914. Sehr empfehlen möchte ich ein kleines Büchlein mit dem Titel "Farben für die Seele. Das Lesebuch für stille Herbststunden. Benno-Verlag. Leibzig 2011.

Woche vom 13. November bis zum 20. November

In dieser Woche bleiben wir bei den "Liebesgedichten", diesmal von Matthias Claudius:

Die Liebe hemmet nichts

Die Liebe hemmet nichts;

sie kennt nicht Tor noch Riegel

und dringt durch alles sich;

sie ist ohn`Anbeginn, schlug ewig die Flügel

und schlägt sie ewiglich.

Der Dichter lebte von 1740 bis 1815.

Sein Streben nach natürlicher Schlichtheit verbindet sich in seinen lyrischen Werken zu einem

tiefen Empfindungsausdruck (z.B. "Der Mond ist aufgegangen" 1779).

Woche vom 6. November bis zum 13. November

In dieser Novemberwoche soll ein Gedicht von Hugo von Hofmannsthal zu uns sprechen:

Ich weiß ein Wort

und hör es fort:

Beschertes Glück

nimm nie zurück!

Höre, was ich sag:

Denk jeden Tag:

Beschertes Glück

nimm nie zurück!

Und ist die Zeit

dir einmal weit:

Beschertes Glück

nimm nie zurück.

Hugo von Hofmannsthal lebte von 1874 bis 1929.

Woche vom 30. Oktober zum 6. November

In dieser, in der wir Alleheiligen und Allerseelen begehen, möge uns ein Gedicht mit dem Titel

"Letzte Worte" begleiten:

Letzte Worte

Geliebte, wenn mein Geist geschieden,

So weint mir keine Träne nach;

Denn, wo ich weile, dort ist Frieden,

Dort leuchtet mir ein ewger Tag!

 

Wo aller Erdengram verschwunden,

Soll euer Bild mir nicht vergehn,

Und Linderung für euer Wunden,

Für euren Schmerz will ich erflehn.

 

Weht nächtlich seiner Seraphsflügel

Der Friede übers Wolkenreich,

So denk ich nicht mehr an meinen Hügel,

Denn von den Sternen grüß ich euch.

Die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff (eigentlich Anna Elisabeth Freiin Droste von Hülshoff)

lebte von 1797 bis 1848. Neben Lyrik ist die Novelle "Die Judenbuche" eines ihrer bekanntesten Werke.

http://www.droste-gesellschaft.de/

Woche vom 23. Oktober zum 30. Oktober

Und in diese Woche bleiben wir also bei Liebesgedichten, diesmal ein kurzes Gedicht

von Marie von Ebner-Eschenbach:

Wie geht`nur an

Wie geht`s nur an,

das man so lieb es haben kann,

was liegt darin ? Erzähle !

Es liegt darin ein wenig Klang,

ein wenig Wohlaut und Gesang

und eine ganze Seele.

Die Dichterin wurde 1830 auf Schloss Zdislawitz in Mähren geboren und sarb 1916 in Wien.

Sie entwickelte eine vom sozialen Ethos des Mitgefühls und von sittlichen Normen geprägte Erzählweise.

Aber gleichzeitig möge uns noch ein kurzes Gedicht vonJoseph Freiherr von Eichendorff erfreuen.

Eichendorff wurde 1788 auf Schloss Lubowitz bei Ratibor geboren und starb 1857 in Neisse,

hier auf meiner "LYrik"-Seite habe ich schon mehrmals auf diesen Romatiker verweisen, dessen Gedichte

meinen "Literatur-Lebens-"Weg" begleiten.... Das Gedichtbild hat mir Ruthilde geschickt, vielen Dank:

Woche vom 16. Oktober zum 23. Oktober

Die letzten Wochen standen einige Herbstgedichte im Mittelpunkt. Jetzt sollen einige Liebesgedichte zu uns sprechen, diese Woche ein kurzes Gedicht von Adalbert von Chamisso:

Liebe ist kein Solo

Liebe ist kein Solo.

Liebe ist ein Duett.

Schwindet sie bei einem,

verstummt das Lied.

Adalbert von Chamisso lebte von 1781 bis 1838. Seine 1831 erschienene Sammlung von Gedichten

enthält den "Zyklus Frauen - Liebe und Leben", den Robert Schumann 1840 vertont hat.

Woche vom 9. Oktober zum 16. Oktober

Ein Herbstgedicht von Georg Trakl begleitet durch diesmal durch die Woche.

Sonniger Nachmittag

Ein Ast wiegt mich im tiefen Blau.

Im tollen, herbstlichen Blattgwirr

Flimmernde Falter, berauscht und irr.

Axtschläge hallen in der Au.

In roten Beeren verbeißt sich mein Mund

Und Licht und Schatten schwanken im Laub.

Stundenlang fällt goldener Staub

Knisternd in den braunen Grund.

Die Drossel lacht aus den Büschen her

Und toll und laut schlägt über mir

Zusammen das herbstliche Blattgewirr -

Früchte lösen sich leuchtend und schwer.

Georg Trakl lebte von 1887 bis 1914 und gehört zum EXPRESSIONSMUS...(vg. Seite "Kunst")


Hier habe ich einiges gelöscht, dass die Seite nicht zu lang wird...


Woche vom 14. August bis zum 21. August

In dieser Woche soll uns ein ganz kurzer lyrischer Vers von Angelus Silesius begleiten:

Die Rose, welche hier dein äußres Auge sieht,

Die hat von Ewigkeit in Gott also geblüht.

Angelus Silesius (eigentlich Johannes Scheffler) lebte von 1624 bis 1677.

Der deutsche Barockdichter nannte sich nach seiner Konversion zum kath. Glauben Angelus Silesius.

Woche vom 7. August bis zum 14. August

Ein "Sommergedicht" möge uns etwas über das wenig sommerliche Wetter hinwegtrösten:

Der Sommerfaden

Da fliegt, als wir im Felde gehen,

Ein Sommerfaden über Land,

Ein leicht und licht Gespinst der Feen,

Und knüpft von mir zu dir ein Band.

Ich nehm ihn für ein günstig Zeichen,

Ein Zeichen, wie die Lieb es braucht.

O Hoffnungen der Hoffnungsreichen,

Aus Duft gewebt, von Luft zerhaucht!

Ludwig Uhland lebte von 1787 bis 1862.

http://www.autoren-gedichte.de/uhland/

(Uhland, Ludwig, aus:Reschke, Rudolf (Hrsg), Sommergedichte aus vier Jahrhunderten.München 1986.S.126)

Woche ab dem 31. Juli bis zum 7.August

Die Lyrikerin Else Lasker-Schüler  (geboren 1889 in Elberfeld, heute Wuppertal, gestorben 1945

 in Jersusalem) gehört zu den bedeutenden Vertretern der avantgardistischen Moderne

und des Expressionismus.

Das Gedicht "In deinen Augen" wird hier mit Musik von Chopin untermalt:

http://www.youtube.com/embed/chhfQOQvmQc

Woche vom 24 Juli zum 31.Juli

In dieser Woche verweise ich erneut auf Mascha Kaleko, eine ganz besondere

Künstlerin, die von 1907 bis 1975 lebte (vgl. mein Eintrag am 5. Juni).

Gerne hätte ich hier eines ihrer Gedichte zitiert, was mir aber leider nicht erlaubt

wurde - mit der Begründung, es sei Mascha Kalekos großer Wunsch gewesen, dass

ihre Bücher verkauft und auch gelesen werden.

Natürlich ist es auch mir hier ein Anliegen, auf Dichter/Dichterinnen aufmerksam

zu machen, dass ihre Werke gelesen und über die Gedichte und Verse nachgedacht

wird...damit sie "weiter leben" und ihre "Wirkung" hinausstrahlt...

Hier erlebt man das Gedicht "Blatt im Wind":

http://www.youtube.com/embed/vRdoF8AY6H0

Woche vom 17 Juli bis zum 24. Juli

Diese Woche möchte ich Erich Fried in den Mittelpunkt stellen, der von

1921 bis 1988 lebte (österreichischer Lyriker, Übersetzter und Essayist).

Seit Beginn der 6oer Jahre zählt Friede zu den Vertretern des "Kampfes"

mit literarischen Mitteln gegen staatliche Gewalt...

Bekannt sind seine nachdenkenswerte Gedichte wie zum Beispiel "Was es ist"

http://www.youtube.com/embed/W9z-fL9n8t8

Woche vom 10. Juli bis zum 17. Juli    

Auf Hermann Hesse (1877 - 1962)  habe ich schon einmal am 24. Mai hingewiesen,

weil mich auch dieser Dichter begleitet.

In dieser Woche möchte ich anregen, sein Gedicht "Stufen" zu betrachten,

das man hier meditativ verfolgen kann:

http://www.youtube.com/embed/isd1JDL3s-c

Woche vom 3.Juli bis zum 10.Juli

Auch in dieser Woche soll noch einmal Rainer Maria Rilke der Lyrik-Begleiter sein -

mit seinem Gedicht  "Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort". Dieses Gedicht ist

im Rahmen des Rilke-Projektes als Lied umgesetzt worden.

Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort

Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.

Sie sprechen alles so deutlich aus:

Und dies heißt Hund und jenes heißt Haus

und hier ist Beginn und das Ende ist dort.

 

Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott,

sie wissen alles, was wird und war;

kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;

ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.

 

Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.

Die Dinge singen hör ich so gern.

Ihr rührt sie an: Sie sind starr und stumm.

Ihr bringt mir alle die Dinge um.

Diese Gedicht ist 1899 entstanden und auch heute so aktuell...

Rilkes Gedicht "Der Panther" kann hier mit Musik untermalt gelesen werden:

http://www.youtube.com/embed/muah_Njo5vE

Woche vom 26.Juni zum 3.Juli

Da Rainer Maria Rilke zu meinen Lieblingslyrikern gehört, soll für diese Woche wieder

eines seiner Gedichte hier stehen. Am 23. Mai und am 1. Juni habe ich schon zwei seiner

Gedichte sprechen lassen.

Gerne verweise ich auch auf das Rilke-Projekt, auf das ich auf meiner Seite "Musik" kurz eingehe.

http://www.rilke.de/

Das Rosen-Innere

Wo ist zu diesem Innen

ein Außen? Auf welches Weh

legt man solches Linnen?

Welche Himmel spiegeln sich drinnen

in dem Binnensee

dieser offenen Rosen,

dieser sorglosen, sieh:

wie sie lose im Losen

liegen, als könnte nie

eine zitternde Hand sie verschütten.

Sie können sich selber kaum

halten; viele ließen

sich überfüllen und fließen

über von Innenraum

in die Tage, die immer

voller und voller sich schließen,

bis der ganze Sommer ein Zimmer

wird, ein Zimmer in einem Traum.

(aus: Rainer Maria Rilke, Gesammelte Werke. Gedichte III. Frankfurt - Leipzig 2003. S. 150f.)

Rainer Maria Rilke lebte von 1875 bis 1926.


 


---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Auf die Inhalte der gelinkten Seiten habe ich keinerlei Einfluss, deren Autoren tragen dafür Verantwortung.

.......................................................................................................................................................................

Im Hinblick auf das Urheberrecht verweise ich bei Dichtern, die noch nicht seit 70 Jahren tot sind,

besonders also bei noch lebenden Künstlern, nur auf ihre Werke, ohne Gedichte auf meiner Homepage

zu zitieren.