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Premiere

 

Landau 15.05.2013, Max-Slevogt-Gymnasium, Klassen 5, kleine Turnhalle

 

9:40 Uhr am Max-Slevogt-Gymnasium in Landau. Geschäftiges Treiben und fröhlicher Lärm auf dem Schulhof deuten auf die große Pause hin. Dann verkündet eine energische Glocke das Ende der Pause. Deutschunterricht steht auf dem Stundenplan. Auf zur Turnhalle! Wie bitte?

Richtig! Heute ist ein ganz besonderer Tag. Seit einer Stunde schon wird die kleine Turnhalle von Nadine Schmenger und ihrem Orga-Team in einen Hörsaal umgebaut. Podium und Lesepult sind aufgebaut, bequeme Matten auf dem Boden warten auf die 120 Schüler der 5. Klassen.

Jean-Marc und Radost Bokel, in aller Frühe schon aus Frankfurt angereist, proben die letzten Sprech-Szenen und sortieren schnell noch die Dias, die gezeigt werden sollen. Denn neben dem Vorlesen aus Michael Endes "Momo" wird Radost Bokel auch von ihren Erinnerungen an die damaligen Dreharbeiten zum Kinofilm erzählen.

Und dann geht es los. Schon bei Jean-Marcs ersten Worten zur Einleitung kehrt Ruhe ein. Langsam aber sicher wird es mucksmäuschenstill…

 

   

 

 "Draußen am südlichen Rand einer großen Stadt, dort, wo schon die ersten Felder beginnen und die Hütten und Häuser immer armseliger werden, liegt, in einem Pinienwäldchen versteckt, die Ruine eines kleinen Amphitheaters…" Die 10- bis 11-jährigen Schüler sammeln sich und lauschen. Unwillkürlich richten sie ihre Blicke auf den Redner. Kein Lehrer hat um Ruhe gebeten, keine energische Pädagogen-Stimme musste Aufmerksamkeit schaffen… Und trotzdem lauschen die Schüler und lassen sich von der Stimme einfangen, die dort vorne direkt vor ihnen eine Geschichte lebendig werden lässt, welche schon Jahrzehnte alt ist und doch aktuell wie nie zuvor. Die Geschichte von der Zeit und wie man damit umgeht. Jean-Marc begleitet die Schüler durch das Buch und stellt ihnen mit seiner unvergleichlich wandelbaren Stimme die einzelnen Charaktere vor, den Frisör Fusi, die Grauen Herren oder den ehrwürdigen Meister Hora.

 

  

 

Durch Jean-Marcs leichte, schüchterne Darstellung des Frisörs Fusi sehen die Zuhörer diesen klar und deutlich vor ihrem inneren Auge, wie er beim Besuch des Grauen Herren regelrecht auf seinem Frisörstuhl zusammensinkt und zu einem kleinen Häufchen Elend mutiert, während der Graue Herr ihm seine verbleibende Lebenszeit in nüchternen Zahlen vorrechnet.

Ein weiterer Höhepunkt ist die Stelle, an der Momo den Grauen Herrn durchschaut und ihn mit ihrer ehrlichen Art entwaffnet, so dass dieser sein Geheimnis preisgibt. Jean-Marc versteht es einfach, die Panik des Grauen Herren so darzustellen, das man die Kälte regelrecht zu spüren meint, die ihn umgibt. Mit hoher, schneller und fast sich überschlagender Stimme rattert er das Geständnis des Grauen Herren herunter, so dass einem beim Zuhören fast schwindelig wird. Wow!

Aber egal welche Tricks die Grauen Herren auch anwenden oder mit welchen Geschenken sie versuchen, die kleine Momo zu beeinflussen und zu verführen: mit ihrer natürlichen und sehr mutigen Art lässt sie sich nicht von ihrem Weg abbringen, um den Menschen ihre verlorene Zeit zurück zu bringen.

Wie schon damals im Film gelingt es Radost Bokel auch heute beim Lesen, mit ihrer ruhigen Stimme und einem absolut unschuldigen Tonfall den Schülern die Figur der Momo nahezubringen.

 

   

 

Zwischendurch lockern ihre Berichte von den Dreharbeiten, untermalt von einigen Dias, die Lesung auf.

Auch die anwesenden Lehrer waren sehr beeindruckt von der Darbietung der beiden Schauspieler und mussten zum Schluss eingestehen, dass sie diese Lesung regelrecht mitgerissen hatte.

Und als ein Schüler leise wieder zur Tür hereinkam - weil ihn vorher ein dringendes Bedürfnis nach draußen getrieben hatte - und just in dem Moment eintrat, als Jean-Marc gerade Momo in die "Niemals-Gasse" begleitete, wurde der verdutzte Schüler mit den Worten empfangen: "Willkommen im Nirgend-Haus! Lass es dir gut gehen!" - frei nach Jean-Marc Birkholz, nicht nach Michael Ende.

Wie im Fluge verging die Unterrichtszeit und zum Ende der Doppelstunde gab's dann auch noch Autogramme, denn viele Kinder hatten ihre eigenen Momo-Bücher mitgebracht und ließen sich dort eine Widmung eintragen. Und zum guten Schluss nahmen sich Jean-Marc und Radost auch noch die Zeit, geduldig die Fragen der Schüler zu beantworten. Momo hätte ihre wahre Freude an so viel vorhandener Zeit gehabt…

 

   

 

 

Text: Sandra Schnüttgen

Bilder: Sandra Schnüttgen und Jörg Schmenger

 

 

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