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Wenn meine letzte Stunde schlägt, tragt mich ans Meer, ans blaue,  
Dass ich eh man ins Grab mich legt, das Meer noch einmal schaue.  
 
Dass vor des Todes Dunkelheit mit sterbendmattem Auge  
 
Den Glanz der Unendlichkeit ich noch einmal in mir sauge.  

Mihai Eminescu

 

 

 

Gedanken...

 

 

 

Wir alle wissen, dass wir – wenn wir Glück haben – auch einmal älter werden. Trotzdem trifft es uns immer wie ein  Blitz aus heiterem Himmel, wenn wir dann an uns die ersten Anzeichen entdecken. Kurios, aber wahr.

Die Muskeln erschlaffen, das Zahnfleisch geht zurück, die Kondition war auch schon besser, die ersten grauen Haare sind schon lange her und die Interessen für das weibliche Geschlecht weichen denen, für bequeme Autos und andere nützliche und auch schönen Dinge. Die Tage vergehen immer schneller, in Folge dessen werden auch die Abstände zwischen den Sommern immer kürzer aber wir leben, trinken , rauchen, als gäbe es unermessliche Ressourcen unserer Gesundheit und ganz plötzlich schauen wir an uns herunter, sehen Krampfadern und welkes Gewebe, einen Bauchansatz (oder mehr!), leiden unter Atemnot schon im dritten Stock und betrachten weinerlich unser faltendurchzogenes Gesicht im Badezimmerspiegel, bevor wir voller Selbstmitleid geradezu zerfließend  erkennen: Wir sind im Spätherbst unseres Leben bereits angekommen!

Na ja – Männer sind ja bekanntlich Weicheier, wenn’s darum geht und suchen sich gerne einen zweiten, dritten, ja manchmal auch vierten Frühling bevor sie die Tatsachen respektieren und sich in das unvermeidliche fügen. Welch armseliges Geschlecht wir doch sind.

Gut – letztlich sind die Frauen auch nicht besser. Vielleicht sogar schlimmer – sie bemerken ja auch die Anzeichen noch gar nicht vorhandenen Alterns bereits in aller Regel zwanzig Jahre früher und verhalten sich mit dreißig so, wie wir Männer um die fünfzig. Aber egal, wie dem auch sei: Wir leiden schon sehr darunter und manchmal lassen wir dann Dinge passieren, die wir später sehr bereuen.

 

Jetzt bin ich schon fast am Ende meines Weges angekommen und  hoffe darauf, dass mein eigentliches ich, meine Seele,  wie einst die Lucie mit c, also per Lichtgeschwindigkeit oder dem mehrfachen davon, durch das All sausen wird.  Auf zu fernen Ufern, um ein neues, anderes Leben beginnen zu dürfen.

Ich bereue vieles und doch wiederum auch  nichts - alles, was ich erleben durfte war auf eine Art schön. Selbst Langweiliges, Grausames, Brutales, Schlechtes - denn es war Bestandteil  meines Daseins. Oft hab ich mir überlegt: Wirst du dich am Ende deines Weges nicht fragen müssen, was du aus deinem Leben gemacht hast - um dann heulend und zähneknirschend (falls noch welche vorhanden sind) festzustellen, dass eigentlich doch alles sinnlos war und ich mein Leben irgendwie hätte anders, besser leben  können?

Fragen, die sich jeder stellt. Ich weiß.

Selbstverständlichkeiten, über die es sich nicht lohnt, ein weiteres Wort zu verlieren. Schließlich ist jedem von uns klar: wir kommen aus dem Nichts, und dort gehen wir auch wieder hin.

Schlecht kann es dort also nicht sein - oder wollen wir deshalb nicht zurück und haben Angst vor dem Tod, weil es NICHT so ist?

So richtig wahrhaben will niemand, dass wir dorthin zurück müssen - ob es uns nun paßt oder auch nicht.

..."denn das Leben ist ein verloren Gut, wenn man es nicht gelebt hat, wie man es hätte leben wollen" hat Mihai Eminescu einmal gesagt - allerdings zu einer Zeit, die noch nicht so hektisch und schnelllebig war, wie die heutige. Recht hat er trotzdem doch irgendwie gehabt, oder?

 

John Gilman

2007

 

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