Auf dieser Seite werde ich meine Erfahrungen, die ich mit der Analysetherapie gemacht habe schildern.

Meine Therapie begann im Jahre 2001. Sehr lange Zeit hatte ich bereits Stunden bevor ich wusste ich muß zur Therapie, schreckliche Ängste. Spätestens auf dem Weg dorthin bekamm ich regelmässig Panikattacken. So kam es, dass ich jedesmal total aufgelöst u. panisch bei meinem Therapeuten ankam. Normalerweise wird die Analysetherapie im "Liegen" durchgeführt. Der Sinn bestand darin, dass der Therapeut am Kopfende sass und ich ihn somit nicht im Blick hatte. Das sollte es mir möglich machen "frei von der Leber" zu erzählen. Es dauerte bei mir ca. 4 Monate bis ich in der Lage war, die Therapiestunde (teilweise) im Liegen abzuhalten. Der Raum befand sich im Privathaus meines Therapeuten. Ebenerdig mit Blick auf seinen Garten. Ich bestand darauf die Gardinen zur  Tür ( es war eine riesige Glastür) offen zu halten. Es gab mir das Gefühl, mich nicht so "gefangen" zu fühlen. In den ersten Wochen (ich fuhr 3 mal wöchentlich zur Therapie) war mein Therapeut sehr bemüht mich von meiner Panik herunterzuholen, indem er mich immer wieder beruhigte, dass dies oder jenes "normal" wäre. Er gab mir Erklärungen wie meine körperlichen Sympthome zustande kamen. Das beruhigte mich sehr.

Nach einiger Zeit dann änderte er seine "Taktik". Jedesmal wenn ich wieder total panisch bei ihm ankam, stellte er mir die Frage:" worüber haben sie nachgedacht auf dem Weg hierher?" "Wie war es nach der letzten Stunde zu Hause?". Ich begann zu erzählen was mich so quälte. Ständig hatte ich Angst vor den Verspannungen, die mir das Leben zur Hölle machten. Streitigkeiten zu Hause usw.

Irgendwann merkte ich, dass die Angst und Panik die ich hatte mich hindern sollten über die unangenehmen Dinge zu sprechen. Aber mein Therapeut ließ nicht locker. Er setzte mich nicht unter Druck es ergab sich einfach so, daß ich anfing zu sprechen sobald ich auf seinem Sofa lag. Oft hatte ich mich garnicht unter Kontrolle redete u. redete. Ich war erschrocken wie unüberlegt und total unkontrolliert ich im Liegen sprach. Mein Therapeut erklärte mir, dass es genau so sein sollte. Er meinte im "liegen" kämen die Gespräche aus dem tiefsten Inneren.

In den weiteren Monaten kamen auch Gespräche über meine Kindheit auf. Ich tat mich sehr schwer damit über dieses Thema zu sprechen. Ich merkte wie die Fassade die ich mir aufgebaut hatte anfing zu bröckeln. Meine Kindheit war doch gut! Nie hätte ich es auch nur gewagt schlecht über meine Eltern zu denken!  Durch Geschehnisse im Alltag kamen aber auch wieder Gedanken an "früher" hoch. Wovor hatte ich als Kind schon Angst? War ich nicht als Kind schon immer irgendwie traurig und deprimiert?

Ich hatte das Glück einen Therapeuten zu haben der nicht "bohrte". Er ließ mir sehr viel Zeit. Und je nachdem an welchem Thema wir gerade waren, ich verhielt mich wie ein "Steh-auf-Männchen" während der Stunden. Mal lag ich mal sass ich. Auch das nahm mein Therapeut mit Gelassenheit. Während dieser Phase der Therapie ging es mir sehr schlecht. Ich kam von den Stunden nach Hause und fand einfach keine Ruhe. Mir drehten sich die Gedanken im Kreise ich dachte ich drehe durch. Dadurch bekam ich wieder Ängste. Mehr als einmal rief ich meinen Therapeuten nach solchen Stunden privat an um mich zu vergewissern, dass alles normal sei. Ich verfiel in Depressionen, weinte mir die Augen aus dem Kopf. Ich glaube zu dieser Zeit war ich nicht mehr ich selbst. Ich hatte fremdgefühle mir selbst gegenüber, meiner Familie gegenüber. Selbst Gegenstände starrte ich teilweise an, als wenn ich sie noch nie gesehen hätte. Zeitweise verletzte ich mich selbst aus den tiefen Schuldgefühlen heraus. Tja und dann stand der Urlaub meines Therapeuten an, 6 Wochen. Ich dachte, dass überlebe ich nicht. Ich bekam seine Handynummer für den Notfall. Eine Adresse einer Therapeutin zu der ich gehen konnte wenn ich es nicht aushalten. (Diese habe ich einmal aufgesucht und nie wieder)

In den ersten Tagen lag ich nur noch rum. Ich hatte schlimme Depressionen mein Körper schmerzte vom vielen weinen. Ich war wütend auf meinen Therapeuten. Mir ging es so schlecht und dieser macht 6 Wochen Urlaub! Und warum überhaupt gleich 6 Wochen? Die Welt war ungerecht und gemein.Doch im überlebte die 6 Wochen.

In den folgenden Stunden sprang mein Thema immer hin und her. Mal war es mein zu Hause was so schlimm war, mal war es meine Kindheit und mal war es der Therapeut. Mein Therapeut fing an mein Verhalten IHM gegenüber genauer unter die Lupe zu nehmen. (oder sagen wir mal ab da merkte ich es) Hatte ich Wut auf ihn und er war aber wieder nett beim nächstenmal ,war meine Wut verraucht. Ich musste doch dankbar sein, dass ich ihn habe. Ich hatte überhaupt ein Problem ihm zu sagen was mich an ihm wütend machte. Er fing an mir zu erzählen: ich müsste ja die gute Tochter meines Vaters sein. Er wurde im Alter von 37 Jahren krank also musste ich ja auch krank werden. Er meinte ich würde Rauchen um mir selbst zu schaden usw. Mit meinen Ängsten wäre ich nicht nur Opfer sondern auch Täter. Ich kam mir so langsam richtig verrückt vor. Irendwann hatte ich die Nase voll davon. Es dauerte aber Wochen bis ich meinem Therapeuten endlich sagte, er solle aufhören damit. Es würde mich niedermachen, fertigmachen. Gespannt sass ich da und wartete auf seine Reaktion. Er lächelte und meinte: " na endlich lassen sie ihre Wut einmal raus."

Ungefähr in dieser Zeit legten wir uns einen Internet Anschluß zu. Von meiner Tochter bekam ich den Link für einen PA-Chat. Sie hatte ihn in einer ihrer Zeitschriften entdeckt. Ich meldete mich dort an und nach und nach lernte ich Menschen kennen, denen es ähnlich ging wie mir. Mein Therapeut fand diese Art der Selbsthilfe in Ordnung. Allmählich merkte ich immer mehr WO meine Probleme lagen. Ich konnte meine Erfahrungen in der Therapie in der virtuellen Selbsthilfegruppe austauschen aber auch ebenso meine Erfahrungen von dort mit in die Therapie einbringen.

Nach und nach spürte ich, wie ich mich veränderte. Mir wurde bewusster WANN die Ängste auftraten. Ein grosser Teil der Ängste kam, weil ich nie gelernt hatte mit Meinungsverschiedenheiten oder auch Streit umzugehen. Wie gesagt es ist EIN Teil meiner Ängste. Hinzu kamen ( u. kommen immer noch) die Verlustängste. Diese machten sich immer mehr bemerkbar. In Bezug auf die Menschen die ich im Chat kennenlernte und die ich mochte, auf meine Familie und auch auf meinen Therapeuten.

Nach ca. 3 Jahren Therapie stellte sich eine wesentliche Besserung der Ängste ein. Ich hatte gelernt, dass meine Ängste viele Funktionen haben oder auch nur eine Reaktion auf bestimmte Situationen im Umgang mit meinen Mitmenschen waren. Man spricht ja von Ursachen und Auslösern. Wo die Ursachen liegen, habe ich durch die Therapie erfahren. Mir persönlich hat es sehr geholfen mit meinen Ängsten besser umzugehen. Inzwischen war ich so gestärkt, dass auch die vielen Wochen Urlaub die mein Therapeut sich nahm, mir nichts mehr ausmachten. Ich habe gelernt "NEIN" zu sagen. Ich brauchte die Angst nicht mehr vorzuschieben um etwas nicht zu tun. Ich lernte, dass ich mich streiten kann und Meinungsverschiedenheiten haben kann, ohne den Menschen zu "verlieren". Ich fing an wieder Einkaufen zu gehen. Stück für Stück. Erst schlich ich mich wochenlang in der Nähe der Kassen herum. Ich  übte u. übte. Alleine Einkaufen zu gehen war ein riesiger Erfolg für mich. Eine Freiheit die ich nie mehr verlieren möchte.

Soweit war ich mit dem Erfolg der Therapie erst einmal zufrieden. Mein Therapeut aber lange noch nicht. Er wollte unbedingt, dass ich mit dem Auto alleine zur Therapie fahre. Diese Vorstellung war für mich unmöglich! Durch die Fibromyalgie hatte ich ständig starke Schmerzen und Schwindel. Ich getraute mich einfach nicht mit dem Auto zu fahren. Da begann mein Therapeut ( aus meiner Sicht) einen riesigen Fehler. Er fing an mich unter Druck zu setzen. Entweder ich komme alleine mit dem Auto oder er beantragt die letzte Verlängerung nicht. Ich war fassungslos. Wir stritten und stritten um dieses für mich so leidige Thema. Er wollte einfach nicht verstehen, dass es mir körperlich inzwischen so schlecht ging, dass ich mir das Autofahren einfach zu zutraute. Wochenlang gab es nur noch dieses Thema während der Stunden. Ich fand, er wurde sogar gemein. Ich erschrak, wie konnte mein Therapeut sich nur so verändern? Irgendwann platzte mir der "Kragen". Ich sagte ihm er könne sich seine Verlängerung sonstwohin packen ich verzichte unter diesen Umständen darauf. Er bezeichnete mich als bockig, kleines Kind usw. Das machte mich sehr wütend! Er kapierte einfach nicht das mir meine körperlichen Sympthome so sehr zu schaffen machten. Zu dieser Zeit litt ich hin u. wieder immer noch unter Sehstörungen. Dass diese von der Fibromyalgie kamen war ihm natürlich egal. Wenn ich diese Sehstörungen bekam, konnte ich für ca 20 Min. nichts mehr sehen. Ich hatte flackern und Blitze vor den Augen. Ich bekam jedesmal Panik. Mit war es einfach zu gefährlich weitere Strecken mit dem Auto alleine zu fahren. Nun gut. Dieses Gespräch fand auf einem Mittwoch, dem letzten Therapietag in der Woche statt. Also hatte er, sowie auch ich Zeit bis zum Montag sich alles durch den Kopf gehen zu lassen.

Ich unterhielt mich mit mehreren Leuten darüber, wie sie diese Situation einschätzten und fanden. Niemand verstand meinen Therapeuten. Und ich schon garnicht. Ich blieb jedenfalls hart und sagte ihm dann in der nächsten Stunde, dass ich nicht mit dem Auto fahren werde. Er hatte sich das ganze noch einmal durch den Kopf gehen lassen und meinte: nun gut ich hätte ja Gründe, zwar nicht die, die ich angeben würde (er ging von einem Widerstand in MIR aus) und das wäre ja auch ein Grund die Therapie weiter laufen zu lassen. Also beantragte er die restlichen Stunden.

Ich war die letzte Zeit der Therapie ständig hin u. her gerissen zwischen Enttäuschung über die Entwicklung meines Therpeuten und Dankbarkeit. Dankbar dafür, weil ich genau wusste ohne ihn und die Therapie wäre ich so weit nie gekommen. Aber von dem einst so liebevollen und verständnisvollen Therapeuten war nicht mehr viel übrig. Irgendwann nachdem er merkte, dass sich meine Fibromyalgie einfach nicht besserte, stand plötzlich diese Diagnose wieder im Raum. Vorher war es eher so, dass er so wie auch ich die Schmerzen auf die Ängste und Depressionen schob. Die Therapie neigte sich immer mehr dem Ende zu. Ich fühlte mich wie ein unfertiger Vogel, der nun alleine fliegen sollte. Mit Grauen dachte ich daran, die nächsten Jahre ohne Therapeuten auskommen zu müssen. Ich nahm noch einige Stunden, die ich privat bezahlen musste aber irgendwann wurde mir das alles zu viel. Ein Honorar von 60 Euro konnte ich mir auf die Dauer einfach nicht leisten. Ich beschloss einen Schlusstrich zu ziehen. Ich wollte versuchen alleine klar zu kommen.

Es lief besser als ich je gedacht hätte. Ich war plötzlich ganz stark. Wenn die Ängste mich wieder überfielen, holte ich mir immer wieder die guten Gespräche der Therapie ins Gedächtnis zurück. Ich hatte das was mir mein Therapeut an Erklärungen gegeben hatte und das was wir gemeinsam zusammen erarbeitet hatten so tief verinnerlicht, dass es mir half mein eigener Therapeut zu sein. Ich zehrte ca. 1 Jahr davon.

Zwischendurch machte es mir auch wieder Angst zu wissen, ich mußte nun alleine klarkommen. Irgendwie brauchte ich immer die Gewissheit, da ist jemand der mich versteht und mich beruhigen kann. Aber durch die guten Kontakte die ich knüpfen konnte habe ich immer Ansprechpartner mit denen ich mich austauschen kann.

Ich bin heute froh, diese Therapie bei diesem Therapeuten gemacht zu haben auch wenn es schreckliche Zeiten für mich gab. Aber eines weiss ich, ich hätte es niemals alleine geschafft.

 

 

 



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