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           Als die Tiere für einen Tag sprechen durften

Britta und ihre kleine Schwester Insa durften wieder einmal in den Ferien zu ihrer Grußmutter fahren. Darauf freuten sich beide, denn sie waren sehr gern bei ihr. Die Großmutter wohnte in einem schönen, großen Bauernhof, weit draußen auf dem Land. Wenn die Schwestern bei ihr gewesen waren, durften sie oft auf der Wiese spielen, wo viele Obstbäume waren und zahlreiche Blumen blühten. Ein schmaler Weg aus Steinplatten, an dem rechts und links Blumen und Sträucher wuchsen, führte von der Straße aus hinauf zu ihrem Haus. Immer duftete es herrlich nach Lavendel und Rosen, wenn man auf ihr Haus zuging.

Großmutter hatte ein gütiges Gesicht und ein Herz voll Liebe für alle Tiere und Menschen. Ihre Haare waren weiß und sie dufteten ebenfalls nach Rosen oder Lavendel.

Am meisten freuten sich Britta und Insa auf die vielen Tiere, die Großmutter lebevoll versorgte und pflegte. Einige von Ihnen waren schon sehr alt und humpelten etwas. Hühner, Enten, Gänse, ein Schaf, ein Schwein und eine schwarz-weiß gefleckte Kuh, die ein weißes und ein schwarzes Ohr hatte, waren immer auf der Wiese. Der Höhepunkt für die Kinder aber war das Reh, das auf dem Hof lebte und eine große Narbe am Bein hatte.

                                                 ********                                              

Kaum hatten sie ihr Gebet fertig gesprochen, kam die Großmutter ins Zimmer. "Ich erzähle euch nun eine Geschichte, die sich in Wirklichkeit zugetragen hat", kündigte sie geheimnisvoll an. Gespannt sahen die Mädchen sie an

           **********

An einem lauen Sommertag hatten plötzlich alle Tiere auf der Erde das Bedrüfnis an einen bestimmten Ort zu wandern. Sie wussten nicht, warum alle dorthin wollten, nur, dass es ein wunderschöner Ort sein musste. Das hatten viele von Ihnen schon oft geträumt. Jetzt wollten sie sehen, ob es diesen Ort wirklich gab.

Aber zuerst berieten sich die obersten Anführer jeder Tierart: "Wir können nicht alle auf einmal losziehen. Unsere jungen, schwachen und kranken Lebensgefährten würden das vielleicht nicht schaffen".

"Hm, hm, das stimmt." Bedächtig wiegten sie ihre Köpfe hin und her. "Dann geht von jeder Tiergruppe nur das stärkste Tier mit", beschlossen sie einstimmig.

Um genügend Kraft für die lange Wanderung zu haben, nahmen sie noch genügend Nahrung zu sich. Einige schwammen noch im Fluss oder See, um frisch für die Reise zu sein. Dann zogen sie los, ohne zu ahnen, wohin der Weg sie führen wird. Doch alle wussten genau, dass sie diesen Ort finden, wenn sie auf ihr Gefühl achten. Die zurückgebliebenen Tiere winkten ihnen noch lange nach, bis sie am Horizont verschwunden waren. "Kommt bald wieder zu uns zurück", riefen einige leise und traurig hinterher. Viele dachten: >Was sie dort wohl erwarten wird?<

                                                                     ************

Plötzlich ging vom Himmel ein dicker, heller Lichtstrahl auf die Erde nieder, der von Tausenden und Abertausenden kleinen Lichtpunkten umringt war. Einige erschraken etwas. Ein leichtes Raunen ging durch die Menge. Mehrere Vögel flatterten hoch und die Tiere, die im Kreis standen, gingen ein paar Schritte zurück.

"Aaah", und "Oooh", hörte man von ihnen, während sie staunend zum Himmel schauten.

Sie sahen, wie in dem Lichtstrahl eine große, goldene Lichtkugel auf einer weißen Wolke herunterschwebte. Die Tiere fühlten eine große Wärme und Liebe in ihren Herzen. Die Kugel näherte sich immer mehr der Erde. Die Augen der Tiere glänzten vor Freude und Glück. Plötzlich hielt sie ein paar Zentimeter über dem Erdboden an und man konnte eine schöne Gestalt erkennen. Auch die vielen Lichtpunkte nahmen Formen an. Jetzt sah man, dass es kleine Engel waren.

************

"Darum bin ich Heute zu euch gekommen, meine lieben Geschwister, weil ich sehr traurig bin, dass ihr so leiden müsst", antwortete Jesus. "Ich möchte euch ein Geschenk machen. Alle Tiere dürfen bei Sonnenaufgang für einen Tag die Sprache der Menschen sprechen. Erzählt ihnen von eurem Kummer und wie ihr leidet, damit sie begreifen, dass in eurer Brust genauso ein Herz schlägt, wie bei ihnen auch, dass ihr wie sie blutet und Schmerzen habt, wenn man euch schlägt und verletzt. Und dass ihr genauso viel Freude empfindet, wie die Menschen, wenn man gut und liebevoll zu euch ist. Vergesst nicht ihnen zu sagen, dass alles, was auf der Erde wächst, für sie gedacht ist, aber nicht das, was neben ihnen herläuft und über ihnen fliegt. Geht bei Sonnenaufgang wieder zurück und erzählt den Menschen, was ich euch aufgetragen habe."

                                                                             *********

Am nächsten Morgen, auf einem Bauernhof... Der Hahn, der sonst die Bäuerin immer mit seinem Kikeriki weckte, rief heute: "Guten Morgen, guten Morgen." Die Bäuerin lag noch im Bett und rieb sich die Augen. >Wer um Himmelswillen ist denn jetzt schon auf dem Hof?< fragte sie sich. >Es ist doch sehr früh am Morgen und der Hahn hat noch nicht gekräht.<

Sie stand auf, ging zum Fenster und schaute neugierig hinunter. "Wer das sein mag?", murmelte sie. Aber sie konnte niemanden sehen. "Guten Morgen, Bäuerin, guten Morgen", rief es wieder. Auch diesmal konnte die Bäuerin niemand entdecken. >Ich muss wohl noch träumen. Am besten leg ich mich wieder ins Bett<, dachte sie kopfschüttelnd. Doch immer wieder hörte sie: `Guten Morgen, Bäuerin, guten Morgen.`Jetzt wurde es ihr zu bunt. Ärgerlich über die Störung ging sie hinaus auf den Hof, wo sie sich überall suchend umsah. Doch sie sah keine Menschenseele. "Guten Morgen, Bäuerin, hast du gut geschlafen?" rief der Hahn aufs Neue laut. "Ja, liebe Bäuerin, alle Tiere hier und auf der ganzen Welt dürfen heute eure Sprache sprechen, damit wir euch berichten können, was wir erlebt und zu sagen haben."

                                                                      **********

"Ja, so war das", beendete die Großmutter ihre Geschichte. "Ich möchte ab jetzt kein Fleisch mehr essen, damit kein Tier mehr wegen uns sterben muss", sagte Britta. "Ich auch nicht, Oma", flüsterte Insa. Die Großmutter lächelte und gab beiden noch einen Gute-Nacht-Kuss. "Jetzt schlaft gut, es ist schon spät. Und träumt was Schönes." Daraufhin verließ sie das Zimmer und schloss die Tür. Kaum waren die Schwestern allein, schlichen sie auf Zehenspitzen ans Fenster und sahen noch ein Weilchen hinaus. "Du, Britta, meinst du, dass die Geschichte echt wahr ist?" Verstehen uns die Tiere wirklich?", fragte die kleine Insa zweifelnd. "Vielleicht", antwortete Britta. "Sie hat ja gesagt, dass das tatsächlich passiert ist. Und warum sollte Oma uns was vormachen?" "Ich weiß nicht", antwortete Insa, noch nicht überzeugt. Plötzlich.......

                                                                   ***********

 



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