Die spirituelle Kraft des Bear Butte

Seit Jahrhunderten besuchen die Menschen der Lakota, Nakota, Dakota und Cheyenne den Paha Mato (Bear Butte), um hier zu beten und Visionen zu erhalten. Im Jahre 1840 ging Worm, ein spirituelle Führer und Vater von Crazy Horse mit verschiedenen Lakota-Gruppen zum Paha Mato. Während der Nacht erklomm er die Spitze des Berges um dort zu beten. Er betete für sein Volk, das sich Sorgen machte über das Vordringen der Weißen, Soldaten wie auch Goldsucher, die das Land überfluteten und sich die heiligen Black Hills, in deren Nähe der Paha Mato liegt, unter den Nagel reißen wollten. Worm erhielt hier eine Vision, welche ihm große Kraft gab, einschließlich der, die weißen Eindringlinge zurückzuschlagen. Nachdem er nach einer Ratssitzung die Pfeife mit anderen Führern geraucht hat, sagte er, er würde aufgrund seines Alters diese Kraft an seinen Sohn Crazy Horse weitergeben. Red Cloud, Sitting Bull, Touch The Clouds und unzählige andere erkannten die Kraft des Paha Mato, die ihre Vorfahren schon lange Zeit erhielten. Sie kamen dorthin in großer Demut, mit Respekt und oft auch, wenn sie in Not waren.

Am 21. Juni 1994 gingen mehr als 200 Lakota zum Paha Mato um auf die Entweihung dieser heiligen Stätte durch New Age-Enthusiasten aufmerksam zu machen. Sie beklagten, daß Indianer für sich in Anspruch nehmen, spirituelle Führer oder Medizinmänner zu sein und die Nicht-Indianer an heiligen Zeremonien teilnehmen und die sich von anderen Indianern die Durchführung von eben diesen Zeremonien bezahlen lassen.

Der heilige Bear Butte (Paha Mato) in South Dakota

Der Paha Mato (Bear Butte) –
der heilige Berg der Lakota in Süddakota

Die besorgten spirituellen Graswurzel-Führer, Sonnentänzer, Ältesten und ihre Unterstützer, welche größtenteils aus der Pine Ridge Reservation angereist waren, wanderten bis zum ersten Level des Bear Butte, wo sich das Touristencenter befindet. Dort trafen sie auf Royal Bull Bear aus Kyle, welcher dort während der Nacht fastete. Er sprach ein Gebet und dankte denen die gekommen waren um das Gebiet zu schützen. "Schaut auf den Paha Mato," sagte Bull Bear, "dieser Berg ist uns heilig. Unsere Großväter waren schon hier und wir stehen heute hier für unsere Großväter und ihren Glauben." Traditionelle Sänger ermutigten die Menge dann mit einem Lied, welches sagt: "Lakota sind tapfer. Es kommen harte Zeiten, aber wir werden auch diese überstehen."

Bevor von einigen Älteren die Notwendigkeit des Schutzes dieses Berges und die Bedeutung für das Wohlergehen der Lakotas hervorgehoben wurde, bat Wilmer Mesteth, der diesen Marsch organisierte, den Parkmanager, aufmerksam dem Gesagten zuzuhören. Er sagte, die Gruppe würde am Ende dieser Rede ihre Wünsche vorbringen und sie würden darauf eine Antwort des Managers erwarten. Die Befürchtungen der Indianer schienen aber auf taube Ohren zu stoßen. Der Parkmanager Tony Gulett erklärte in einem Interwiew, daß es ihn nicht beunruhige, wenn Nicht-Indianer den Bear Butte zur Durchführung ihrer Zeremonien nutzen. In diesen Zeremonien vermischen sie ihre Symbole und Praktiken mit eingeborenen religiösen Traditionen und nennen das ganze "Indianische Zeremonien". "Ich weiß nicht, warum ich besorgt sein sollte darüber." sagte Gullet. "Das hier ist Amerika und hier ist religiöse Freiheit garantiert. Und ein Einmischen in die religiösen Praktiken der Nicht-Indianer würde eine Einmischung in ihre religiöse Rechte sein. Es gab nie ein Gebiet zur Visionssuche und das wird auch immer so bleiben."

Der Staat betreibt den Bear Butte als ein für jedermann zugänglichen State Park, aber in den 70er Jahren kam man überein, ein kleines Gebiet für den Besucherverkehr zu sperren, um Indianer, die fasteten und auf Visionssuche waren, nicht zu stören.

Mesteth sagte, daß sich Stammesoffizielle sowie spirituelle Führer seit zwei Jahren mit staatlichen Stellen trafen, um über ihre Befürchtungen zu sprechen, aber nichts passierte. Er und andere besorgte Menschen wollen versuchen, sich mit staatlichen Stellen in Pierre (South Dakota) zu treffen und die Wünsche der Indianer nach besseren Schutz der heiligen Stätte nochmals vorzubringen. Er beschreibt weitere Probleme im Zusammenhang mit dem Bear Butte. So sah er 200 Weiße in dem Gebiet, welches den Visionssuchern vorbehalten ist. "Manche von ihnen hatten Adlerfedern, was eine totale Mißachtung unserer heiligen Pfeife bedeutet. Meine Verwandten kamen zu mir nach Hause und erzählten, daß sie hierher kamen um zu beten, aber alles ist voller weißer Menschen und für sie war kein Platz mehr übrig." sagte Mesteth. Er sagte, er habe in den weißen Lagern heilige Pfeifen und Adlerfedern auf den Boden gesehen, und die Leute liefen darüber hinweg.

Desweiteren brachte ein New Age Führer aus Rapid City weiße Frauen zum Gebet, während sie menstruierten. In den Augen traditioneller Lakota ist dies überaus verabscheuenswürdig. Eine andere weiße Frau sah man nackt auf dem Berg stehen. Er und andere haben auch etwas dagegen, wenn New Agers ihre Kristalle über alle Bäume und Sträucher hängen und gleichzeitig die indianischen Gebetsfahnen und Tabakgaben nicht verstehen und mißbrauchen.

John LaValle, ein Santee Dakota und Sprecher des Center for the Spirit in San Francisco, nennt die New Age Aktivitäten eine intellektuelle Form des geistigen Genozids gegen die Indianer. "Wir haben so viel verloren und jetzt wird noch das letzte, was die Lakota zusammenhält zerstört." Das Center for the Spirit dokumentiert den Mißbrauch der indianischen religiösen Freiheit in den gesamten USA. LaValle sagte, daß der Bear Butte ein Mekka für Leute wurde, die die Lakotareligion nutzen wollten, dies aber ohne Respekt und Verständnis täten. "Der Bear Butte ist das Zentrum der Lakota-Religion und nun wird er seines Geistes beraubt, besonders im Sommer, der wichtigsten Zeit für Zeremonien. Alte und spirituelle Indianer können keinen ruhigen Platz zum beten finden. Wir müssen an unserer Lebensweise als Lakota festhalten," sagt Richard Broken Nose, "und wir müssen aufpassen, daß solche Dinge nicht passieren, die nicht den heiligen Wegen entsprechen. Unsere Erholung vom Genozid ist ein Schritt und wir werden dem falschen Spiel nicht trauen. Wir werden uns nicht mit unseren Feinden treffen." Dies erklärte LaValle in einem Interwiew, in welchem er erläuterte, warum sich Center for the Spirit-Mitglieder niemals mit New Age Leuten treffen werden.

Viele Redner, die meisten bedienten sich der Lakotasprache, brachten ihre Befürchtungen zum Ausdruck, die der Mißbrauch des Bear Butte auf ihre Kinder hätte. Außer den Gruppen aus Pine Ridge und dem Park Manager nahmen an dem Treffen noch Vertreter aus der Rosebud-Reservation, ein Mitglied des Oglala-Stammesrates, ein Indianer, der andere in der Abhaltung von Zeremonien unterrichtet sowie zwei US-Marschälle teil. Die beiden Marschälle kamen auf Wunsch von Robert Ecoffey, eines Oglala, der Haupt-US-Marschall für South Dakota ist.

Das Stammesratsmitglied Pete Richards sagte, er komme, um seinen Befürchtungen über die Entweihung dieses Gebietes Ausdruck zu verleihen. Ein Ojibway aus Kanada schloß sich an. Er erzählte, daß er jedesmal, wenn er von Kanada nach Minnesota reist, am Bear Butte Station macht, um zu beten. Als er von dem Protest hörte und ein weißes Camp erblickte, und sah, was man dort unter Zeremonien verstand, beschloß er, an dem Protest teilzunehmen.

In der Nacht vor dem Marsch traf sich der Stammesvizepräsident Mel Lone Hill mit Mesteth und anderen besorgten Unterstützern. Er verabschiedete die Teilnehmer des Marsches und sagte ihnen, sie sollten mit guten Herzen zum Bear Butte gehen, aber sie sollten sorgfältige Worte und Aktionen wählen an solch einem heiligen Ort. Er ist der Enkel des früheren Häuptlings und spirituellen Führers (wicasa wakan) Frank Fools Crow, eines respektierten und hochverehrten Oglalaführers. Stammesälteste und spirituelle Führer sprachen bedacht über den Schaden, den der Mißbrauch des heiligen Mato Paha für die Lakota und ihre Kultur bedeutet. Einige ältere Frauen saßen im Schatten einiger Bäume und andere Ältere nutzen den Schatten eines Busses.

Nachdem alle Sprecher ihre Befürchtungen vorgebracht hatten, faßte ein jüngerer Mann seine Empfindungen in einem Satz zusammen: "Irgendwas läuft verkehrt," und schüttelte seinen Kopf vor Abscheu.

Candy Hamilton

Forderungen der Lakota zum Stop der Entweihung
und Ausbeutung des Bear Butte

  1. Der Bear Butte State Park und der Staat South Dakota müssen sofort beginnen, den Zugang zum Bear Butte strikt zu regulieren. Dies soll in verbindlicher und ausschließlicher Zusammenarbeit mit den Stämmen, die den Bear Butte historisch als heilige Stätte nutzten, geschehen. Mehr noch, der Staat muß sicherstellen, daß jede Person, die den Zugang zu den ausgewiesenen heiligen Gebieten am Bear Butte wünscht, ein eingeschriebenes Mitglied eines Indianerstammes sein muß und die Ermächtigung zum Zugang von einem traditionellen indianischen spirituellen Führers erhalten hat, der als solcher von den folgenden historischen Bear Butte-Stämmen anerkannt ist. Es handelt sich um die folgenden Stämme: LAKOTA, DAKOTA und NAKOTA, CHEYENNE, ARAPAHO, KIOWA, CROW, ARIKARA, MANDAN, HIDATSA

  2. Der Bear Butte State Park und der Staat South Dakota müssen erlauben, daß die entweihten und verunreinigten heiligen Gebiete am Bear Butte mit der Zustimmung der Lakotas sowie unter Leitung und Aufsicht traditioneller Lakotaältester von Unrat sowie zeremoniell gereinigt werden. Während der Zeit der Reinigung muß der Park für jeglichen Besucherverkehr gesperrt werden.

  3. Der Bear Butte State Park und der Staat South Dakota müssen sich den Bedürfnissen der Bear Butte-Stämme anpassen und den Park für den Besucherverkehr sperren, wenn dort bestimmte sensible Zeremonien stattfinden bzw. für bestimmte Zeiten des Jahres. Diese Zeiten werden von den o.g. Stämmen festgelegt.

  4. Der Bear Butte State Park und der Staat South Dakota müssen es strikt untersagen, daß aus dem Park natürliche Bestandteile wie Pflanzen und Gesteine entnommen werden. Gleichfalls muß es untersagt werden, ortsfremde Gegenstände wie z.B. Kristalle im Park zu hinterlassen. Diese Verbote sollten ständig durchgesetzt werden und Überschreitungen müssen adäquat bestraft werden.

  5. Der Bear Butte State Park und der Staat South Dakota müssen es allen Personen und Organisationen verbieten, Eintrittsgelder für die Benutzung des Bear Butte zu erheben. Dieses Verbot muß mit strengen Strafen manifestiert werden.

  6. Der Bear Butte State Park und der Staat South Dakota müssen Literatur zur Verfügung stellen, in denen die Touristen auf die Bedeutung des Bear Butte für die Indianer aufmerksam gemacht werden, und welche Konsequenzen eine Störung zur Folge hätte. Außerdem sollte auf die zu erwartenden Strafen aufmerksam gemacht werden, die beim Betreten der gekennzeichneten Gebiete drohen. Diese Literatur sollte wiederum in enger Zusammenarbeit mit den historischen Bear Butte-Stämmen entstehen. Und nicht zuletzt sollten an den Wegen im Bear Butte-Gebiet Schilder aufgestellt werden, die die heiligen Gebiete kennzeichnen und deren Betreten verbieten. Auch sollte dort auf zu erwartende Strafen bei Nichtbefolgung aufmerksam gemacht werden.

  7. Der Bear Butte State Park und der Staat South Dakota müssen sofort beginnen, die bereits bestehenden bundesstaatlichen Sanktionen zur unautorisierten Entnahme von Adlerfedern und sonstigen tierischen Teilen durchzusetzen. Diese Sanktionen sollten auch in der o.g. Literatur bzw. den Wegschildern verankert werden.

  8. Der Bear Butte State Park und der Staat South Dakota müssen einen oder mehrere vom Stamm autorisierte Lakotas beschäftigen, die als Vollzeitberater die kulturellen Aktivitäten im Park erklären. Desweiteren müssen der Bear Butte State Park und der Staat South Dakota die Weiterbildung der Parkranger übernehmen, um sie für die Befindlichkeiten der traditionellen Indianer zu sensibilisieren und sie über Rechte und Pflichten beim Schutz des Bear Butte vor Ausbeutung und Entweihung zu informieren.

 

 



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