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Die Legende der
Weissen - Büffel - Kalb - Frau


Es gibt eine Geschichte, die erzählt, wie die heilige Pfeife zu uns gekommen ist.
Vor sehr langer Zeit waren zwei Lakota auf der Jagd. Als eben die Sonne aufging, sahen sie von einem Hügel aus, wie auf wunderbare Weise, eine Frau aus einer Wolke herabstieg und auf sie zukam. Sie war in weisses Hirschleder gekleidet und trug ein Bündel auf dem Rücken.

Einer der beiden Männer verspottete die Frau und hegte böse Gedanken. Die Frau winkte ihn zu sich und beide wurden in eine grosse Wolke gehüllt. Als die Wolke sich lichtete, stand die heilige Frau allein da, zu ihren Füssen lag der böse Mann; er bestand nur noch aus Knochen und Schlangen frassen ihn.

Die heilige Frau sagte zum guten Mann : "Ich komme zu eurem Volk und wünsche mit eurem Häuptling Hächloketscha Nadschin zu sprechen. Geh zu ihm und sage ihm, er solle ein grosses Tipi aufstellen und sich mit seinem Volk auf mein Kommen vorbereiten." Der junge Mann eilte zu seinem Häuptling und dieser liess ein grosses Tipi errichten. Das Volk zog seine besten Kleider an und wartete im Tipi auf die heilige Frau.

Plötzlich stand die heilige Frau mitten unter ihnen, nahm das Bündel von ihrem Rücken, hielt es dem Häuptling entgegen und sagte : "Behandle dieses Bündel immer ehrfürchtig, denn es ist hochheilig. Kein unreiner Mensch darf es sehen, denn in diesem Bündel befindet sich die Tschannunpa, die heilige Pfeife. Damit sollt ihr in den kommenden Wintern eure Stimme zu Wakan Tanka, eurem Altvater und Vater senden. Mit dieser heiligen Pfeife sollt ihr auf der Erde leben; die Erde ist eure Altmutter und Mutter und heilig. Jeder Schritt, der auf ihr getan wird, sollte ein Gebet sein. Der Pfeifenkopf aus rotem Stein stellt die Erde dar. Der Pfeifenstiel ist aus Holz und stellt all das dar, was auf der Erde wächst. Und diese zwölf Adlerfedern, die am Stiel hängen, vertreten den Adler und alle Geflügelten in der Luft. Alle diese Völker und Dinge des Weltalls gesellen sich zu dem, der die Pfeife raucht - alle senden sie ihre Stimme zu Wakan Tanka, dem Grossen Geist. Wenn ihr mit dieser Pfeife betet, so betet ihr für alle und mit allen. "Betrachtet diese Pfeife! Denkt stets daran, wie heilig sie ist und behandelt sie danach, denn sie soll euch bis zum Ende des Zeitalters mitnehmen. Denkt daran, in mir sind vier Alter. Ich gehe jetzt, aber ich werde während allen kommenden Zeitaltern über euer Volk wachen, und am Ende will ich wieder kommen."

Nachdem die heilige Frau das Zelt umschritten hatte, ging sie; schaute aber bald zu den Menschen zurück und setzte sich nieder. Als sie sich wieder erhob, sahen die Leute zu ihrem Erstaunen, dass sie zu einem schwarzes Büffelkalb geworden war. Dieses Kalb ging ein Stück weiter, setzte sich und schaute zu den Leuten zurück, doch als es aufstand, war es ein rotbraunes Büffelkalb geworden. Es ging weiter, setzte sich auf die Erde und wurde nun zu einem weissen Büffelkalb. Dieses entfernte sich noch weiter, hielt an, verneigte sich nach allen vier Richtungen des Weltalls und verschwand über den Hügeln in einer Wolke.

Nach Black Elk

Ahewáuwen und das Mädchen

Einstmals hatte Ahewáuwen, der Seelöwe, ein Mädchen am Ufer stehen sehen, das ihm über die Maßen schön und begehrenswert schien.  Seitdem streifte er ruhelos um die Kaps des Süd- und Südostufers der Großen Insel herum in der Hoffnung, es einmal wiederzusehen. Eines Tages bemerkte er vom Meer aus, dass Weiber den Strand entlanggingen, um Muscheln zu sammeln und Fische zu fangen.  Zu seiner Freude entdeckte Ahewáuwen unter ihnen die Angebetete.  Das war in Yáiuwa am Kap San Diego, der äußersten Südspitze der Insel. Lange beobachtete der Seelöwe die Frauen und wartete auf eine günstige Gelegenheit, sich der Geliebten zu nähern.  Diese Gelegenheit kam, als das Mädchen beim Fischen hinter den anderen zurückblieb.
Ahewáuwen sah, wie es den Angelhaken mit einem Fleischköder spickte und die Angel auswarf. Da tauchte er und schwamm in weitem Bogen auf das Mädchen zu, erreichte die Stelle, an der es stand, und biss den Köder ab, ohne von dem Mädchen gesehen zu werden. Es nahm ein anderes Fleischstück und warf wiederum die Angel aus.  Und der Seelöwe biss auch den neuen Köder von der Angel ab. Da befestigte das Mädchen noch ein Stück Fleisch sorgsam am Haken und warf ihn aus.  Es ereignete sich genau das gleiche.  Wiederum schwamm der Seelöwe unter Wasser und vom Mädchen ungesehen heran, zerrte an der Angel und verzehrte das Fleisch. Das Mädchen wurde nun ungeduldig. "Das ist merkwürdig", sagte es vor sich hin.  Es war aber nun so von der Jagdleidenschaft besessen, dass es die anderen Frauen vergaß, die weitergewandert waren.
Als es nun ein neues und noch größeres Stück Fleisch abschnitt, kam der Seelöwe ans Ufer.  Er fasste das Mädchen und zog es mit sich ins Wasser.  Erschreckt und vor Angst schrie sie auf und rief um Hilfe.  Doch die anderen Frauen konnten sie nicht mehr hören, sie waren schon zu weit entfernt.  Ahewáuwen, der Seelöwe, aber verschwand mit ihr im Meer.
Ahewáuwen nahm das Mädchen mit sich fort.  Behutsam trug er es auf seinem breiten Rücken durch die Wellen.  Die Entführte konnte nicht schwimmen, fürchtete sich aber nicht, weil der Seelöwe sie mit aller Zuvorkommenheit behandelte und sehr auf ihr Wohl bedacht war.
Von diesem starken Mann so sanft durch die Wellen getragen, legte sich ihre anfängliche Scheu vor ihm.
Weit nach Südosten, um die Spitze der Insel herum, führte die Reise.  In der Bahia Buen Suceso gingen sie an Land, nachdem sie sich überzeugt hatten, dass dort keine Menschen waren.  Sie erklommen das Ufer, sonnten sich auf den flachen Steinen und ruhten sich aus.  Hin und wieder, wenn der Hunger es trieb, sammelte das Mädchen am Ufer eßbare Algen.
Inzwischen bemerkten die anderen Frauen den Verlust ihrer Kameradin.  Sie suchten den Strand ab und riefen nach ihr, aber sie bekamen keine Antwort.  Das Mädchen war auf eine für sie unerklärliche Art verschwunden.
Da eilten die Frauen aufgeregt zum Lager zurück und berichteten den Brüdern des Mädchens das wenige, was sie wussten.  Diese machten sich sogleich auf die Suche nach ihrer Schwester.  Gewissenhaft durchforschten sie den ganzen Strand, lange ohne Ergebnis. Schließlich entdeckten sie die Schwester an der Küste der Bahia Buen Suceso.  Sie winkten ihr zu, und sie winkte auch zurück, aber sie dachte nicht mehr daran, ihn zu verlassen, denn in der Zwischenzeit hatte sie Ahewáuwen liebgewonnen.  Als die Brüder dann nach Überwindung einer Klippe, die ihnen lange die Sicht nahm, diese Stelle erreichten, fanden sie ihre Schwester nicht mehr auf den Steinen am Ufer.  Sie schwamm bereits weit draußen auf dem Meer, auf dem Rücken des Seelöwen sitzend.  Da gingen die Brüder traurig in ihre Hütte zurück.
Der Seelöwe aber und das Mädchen blieben seitdem zusammen als Mann und Frau.  Auch das Mädchen wurde zu einem Seelöwen, und beide bekamen viele Kinder.

 

Ein teuflischer Tanzmeister

´Es war gerade nicht der Teufel selbst, aber mindestens ein ebenso gesinnter und verschmitzter Geist, der sich zur Lebensaufgabe gesetzt hatte, andere Leute stets zu schikanieren und allenthalben Unglück anzurichten.
Er ging einst am freundlichen Ufer des Huronsees spazieren und sah eine Menge lustiger Enten vor sich auf dem Wasser herumsegeln und sich köstlich nach Entenart amüsieren. »Ach«, rief er ihnen zu, »das freut mich doch übermenschlich, dass ihr lieben Enten so schön vergnügt und heiter seid; kommt doch auch einmal mit mir in meine Hütte, damit ich euch einen neuen schönen Tanz lehren kann, den jetzt die Seelen im Himmel tanzen.«
Einige bejahrtere Schnatterer schüttelten bedenklich die Köpfe dazu und wisperten: »Lasst uns nicht hingehen; denn das ist Menabuscho, der Übeltäter.« Doch die jüngeren waren anderer Meinung; der schöne Mann sprach ja so freundlich und liebevoll, dass es eine wahre Ungezogenheit gewesen wäre, wenn sie sich so kalt gegen ihn benommen hätten. Sie steuerten also dem Land zu und die anderen folgten dann auch. Als sie sich nun alle in der Hütte befanden, nahm Menabuscho einen großen Sack, hängte ihn sich um und ließ die Enten einen Kreis um sich bilden. »Jetzt«, rief er, »müsst ihr alle eure Augen schließen und sie ja nicht eher öffnen, als bis ich’s sage, denn sonst könnte euch leicht etwas Schreckliches passieren.  Ich nehme jetzt also meine Flöte und spiele; sobald ich euch das betreffende Kommando gebe, macht ihr die Augen auf und tanzt mir nach!« Die Enten gehorchten auch recht schön und verhielten sich ganz ruhig, doch hob jede schon ungeduldig das linke Bein auf, um gleich losstürzen zu können.  Aber das erwartete Zeichen kam nicht und kam nicht; nur hörte man dann und wann ein geheimnisvolles Quaken das Flötenspiel übertönen, das war alles.  Da ging denn endlich der kleinsten Ente die Geduld aus, und sie schielte unbemerkt zu Menabuscho hinüber, der in der linken Hand seine Flöte hielt und in der rechten einen dicken Knüppel, womit er jedesmal die nächste Ente niederschlug und in seinen Sack steckte.  Langsam schlich sie sich darauf zur halboffenen Tür und schrie: »Macht die Augen auf, denn Menabuscho bringt euch um und steckt euch in seinen Sack!« Dann flog sie fort.
Menabuscho eilte ihr schnell nach und schlug nach ihr, traf sie aber nicht tödlich; doch ihr Körper erhielt dadurch jene breite, flache Gestalt, die wir heute noch beim ganzen Entengeschlecht wahrnehmen.

Von dem Knaben, der die Sonne in einer Schlinge fing

Zur Zeit, als noch die Tiere auf der Welt die Oberhand hatten waren sie sehr grausam gegen die Menschen und töteten sie alle mit Ausnahme eines Mädchens und eines Knaben. Dieser Knabe war ein Zwerg und nahm wohl täglich zu an Alter, aber nie an Kraft und Größe.  Deshalb musste die Schwester alle Arbeiten allein verrichten; sie musste Holz holen, die nötigen Kleider anfertigen und den Wigwam rein halten.  Wenn sie ausging, nahm sie ihren schwächlichen Bruder jedesmal mit, damit ihn nicht etwa während ihrer Abwesenheit ein großer Vogel wegschleppe oder ihm ein sonstiges Unglück passiere. Eines Tages machte sie ihm Pfeil und Bogen und sagte ihm, er solle damit die Guanadsch-Binessiwag oder die schönen großen Vögel schießen, die bald herbeikommen würden, um die Würmer aufzupicken, die sie aus dem dürren Holz gezogen habe. Er versuchte es, konnte aber am ersten Tag mit seinen Waffen nichts ausrichten.  Die Schwester ermahnte ihn darauf, nicht gleich zu verzagen und den Mut zu verlieren, sondern am folgenden Tag sein Glück abermals zu probieren. Da schoss er denn auch einen mächtigen Vogel und sagte zu seiner Schwester: »Höre, ich wünsche, dass du mir die Haut davon aufhebst, um mir, wenn ich deren mehrere habe, ein stolzes Kleid daraus zu machen.«
»Aber was sollen wir mit dem Fleisch tun?« fragte sie darauf; denn die Menschen jener Zeit aßen noch kein Fleisch, sondern:

Schmausten lauter Pflanzenkost
Und tranken würz'gen Blütenrnost.

»Vermische es mit unserer Suppe; ich denke, das wird sie nahrhafter und schmackhafter machen«, meinte der Zwerg, und sie folgte ihm auch.
Als er zwölf Vögel geschossen hatte, machte sie ihm auch ein stattliches Röcklein ganz nach seinem Geschmack. »Schwester«, fragte eines Tages darauf der Kleine, »sind wir denn so ganz allein in der Welt, und lebt außer uns kein menschliches Wesen mehr?« Die Schwester erzählte ihm von einigen bösen Verwandten, die sich in einer entfernten Gegend aufhielten, wohin er um keinen Preis gehen sollte. Aber er kümmerte sich wenig um die Entfernung, nahm Pfeil und Bogen und ging. Als er eine Weile gegangen war, wurde er müde, legte sich nieder und schlief ein.  Die Sonne schien aber so heiß auf ihn, dass sie ihm alle Federn seines Rocks versengte und außerdem noch ein großes Loch hineinbrannte.  Als er nun darauf erwachte und seinen Schaden besah, wurde er sehr zornig und schwor bei allen Raubvögeln und Raubfischen, sich an der unverschämten Sonne zu rächen, und wenn sie noch einmal so hoch am Himmel hinge.  Grimmig eilte er darauf nach Hause, aß nicht und trank nicht und beantwortete die tröstenden Zusprüche seiner Schwester mit den racheschnaubendsten Blicken. Zehn Tage lang legte er sich regungslos mit der linken Seite auf die Erde, und dann drehte er sich um und legte sich noch weitere zehn Tage auf die rechte Seite. Danach stand er auf und sagte seiner Schwester, sie möge ihm eine Schlinge machen, damit er die Sonne damit fangen könne. Sie verfertigte ihm auch, so gut sie konnte, eine aus starken Schlingpflanzen, aber der Kleine war damit nicht zufrieden. Da schnitt sie ihre langen Zöpfe ab und gab sie ihm. Dies gefiel ihm schon besser; er nahm sie, zog sie, um sie etwas anzufeuchten, durch seine Lippen, wodurch sie ganz rot wurden und sich allmählich ein langes rnetallenes Seil daraus bildete, das er um seinen Körper wickelte.  Um Mitternacht begab er sich auf die Reise, damit er die Sonne noch vor ihrem Aufgang erwische. Und richtig - er hatte Glück! Er fing sie und hielt sie so fest, dass sie sich weder regen noch bewegen und also auch nicht aufgehen konnte.
Nun war große Not im Tierreich. Die Vögel sahen die Bäume und die Felsen nicht vor sich und zerschlugen sich die Köpfe daran, und die übrigen Tiere liefen bei dieser Finsternis größtenteils in den nahen See und ertranken. Es wurde also eine große Versammlung aller Vierfüßer abgehalten und beschlossen, das verhängnisvolle Seil abzuschneiden.  Aber das war keine Kleinigkeit, denn jeder, der sich in die Nähe der Sonne wagte, wurde von ihrer Glut beinahe völlig geröstet. Zuletzt übernahm denn der Hamster diese lebensgefährliche Aufgabe. Er war zu jener Zeit das stärkste und größte Tier der Welt und sah, wenn er sich aufrichtete, wie ein hoher Berg aus. Er kam auch wirklich an die betreffende Stelle und befreite die Sonne, wurde aber dabei zu jener unbedeutenden Figur zusammengebrannt, in der wir ihn heute noch sehen.

 
Der Wolfstock
Einst hatten die Menschen ihr Lager in der Nähe eines großen Flusses aufgeschlagen. Bei ihnen lebte ein Jüngling in seinem Zelthaus. Er wohnte mit seinem Großvater, seinem Vater, seiner Mutter und seinen vier Schwestern zusammen. Für sein Alter war er einer der Kleinsten unter den jungen Männern des Lagers. All die anderen jungen Männer konnten schneller laufen, weiter werfen und besser ringen als er. Seine Schwestern waren sehr schön. Bald begannen die jungen Männer des großen Lagers um die Gunst der Mädchen zu wetteifern. Es kam zu einer unschönen Situation, denn die jungen Männer fingen an, untereinander zu streiten, und wurden schließlich gewalttätig. Bald teilten sich die Zelthäuser in kleinere Lager auf. Sie waren auf diese und jene Art gebaut, und manche von ihnen standen allein. Dann schließlich entschlossen sich einige der Männer, den Streit dadurch zu beenden, dass sie während der Nacht kommen und alle Mädchen stehlen würden. Zwei verschiedene Lager, die nichts voneinander wussten, hatten sich zu der gleichen Handlung in der gleichen Nacht entschlossen. Und als sie zusammentrafen, gab es zuerst einen Streit und dann einen schrecklichen Krieg. Das Ergebnis dieser Auseinandersetzung war der Tod des Vaters und die Verwundung des Großvaters aus diesem Kreis. Am nächsten Morgen ließen alle Menschen vor Scham ihre Köpfe hängen und konnten einander nicht ansehen. Dann bemerkten sie plötzlich, dass die Lagerhunde knurrten und bellten und sich um etwas in der Mitte des Lagers versammelten. Keiner hatte bemerkt, dass jemand in dieser Nacht in die Lager eingedrungen war und jetzt, nicht allzu weit entfernt, am Fluss saß. Die Hunde griffen die Gestalt mit lautem Knurren und Gebell an, aber sie saß dort alleine und ohne sich zu bewegen. Sie trug einen Contrarybogen und war mit roten und weißen Hagelzeichen bemalt. Ihre Arme und ihre Beine waren schwarz bemalt, und sie trug eine Eule als Kopfschmuck. Die jungen Männer bildeten einen Kreis um die Gestalt und zielten mit Pfeilen auf sie. Und sie schossen auf sie, aber ihre Pfeile erreichten sie nicht und zerbrachen vor ihr auf der Erde. Nun bekamen sie Angst, denn sie erkannten, dass sie ein Medizinwesen war. Dann kamen die Häuptlinge der Menschen an und bildeten einen formlosen Kreis um die Gestalt. "Was willst du?" fragten sie. Die Häuptlinge konnten das Gesicht der Gestalt nicht deutlich erkennen. Selbst ihre Augen waren wie ihr Körper und ihr Gesicht bemalt. "Ich komme, um meine Enkelinnen zu holen", sagte sie zu ihnen, "und wegen meines Enkels." Und die Menschen übergaben dem Fremden den Enkel, die Enkelinnen und sogar den Vater, der getötet worden war. Der Fremde half der Familie und malte ihnen ein neues Zelthaus. Täglich arbeitete er bei ihnen. Er brachte ihnen Feuerholz und jagte Büffel für sie. Wenn er ihnen Büffel brachte, machten die Schwestern etwas Brauchbares aus der Haut. Und sie hoben alle Sehnen auf und bereiteten den Büffel zum Essen vor. Langsam heilten die Wunden des alten Mannes. Am ersten Tag, an dem der Fremde anwesend war, machte er ihnen eine Pfeife. Er setzte die Pfeife außerhalb des Zelthauses auf einen gegabelten Stock, und er sagte dem Jüngling, er sollte darauf aufpassen. Am zweiten Tag machte der Fremde einen Donnerbogen und legte ihn außerhalb des Zelthauses neben der Pfeife hin und bat den Jüngling, auf ihn aufzupassen. Am dritten Tag machte der Fremde einen Kopfschmuck, der aus Adler - und Falkenfedern bestand, die alle in einer geraden Reihe standen. Er legte ihn zu den anderen Dingen und gab dem Jungen die gleichen Anweisungen wie zuvor. Am vierten Tag machte der Fremde eine Lanze, die eine stumpfe Spitze hatte, und legte sie zu den anderen Dingen außerhalb des Zelthauses.

Danach ließ der Fremde den Jungen und die Familie zu sich kommen. Weil der Mann sehr gut zu ihnen gewesen war und ihnen gezeigt hatte, wie man Büffel jagt und wie man sie verarbeitet, indem man die Häute gerbt und die Sehnen verwendet, liebten sie ihn und glaubten ihm. "Setzt euch zu mir in einem Kreis", sagte er ihnen, "um diese Dinge herum." Er setzte eine der Schwestern in den Süden, eine in den Norden, eine in den Osten und eine in den Westen. Danach bat er den alten Mann um seinen Mantel. Der alte Mann gab dem Fremden seinen Mantel. Er breitete den Mantel auf der Erde aus und bedeckte damit die Dinge, die er gemacht hatte. "Du musst gehen und unser Volk finden", sagte er dem Jüngling, "denn es hat sich über die Prärie verstreut und hat Hunger. Finde die Menschen und führe sie hier zusammen. Nimm dieses Bündel voll Sachen mit und mache jedem Lager ein Geschenk. Ich werde auf deine Rückkehr warten. Ich werde auf dem anderen Ufer des Flusses lagern. Bringe die Menschen zu diesem Ort und sage ihnen, dass sie nicht mehr hungrig sein werden, denn hier wird es eine Menge Büffel geben." Der Jüngling wollte diese Dinge tun, denn er liebte den Fremden. Am nächsten Morgen zog er aus, um die Menschen zu suchen.

Am ersten Tag seiner Suche kam der Junge in ein Gebiet mit zahlreichen Bäumen. Es waren Tannen, und sein Weg wurde steil und mühsam. Er setzte sich hin, um auszuruhen, denn sein Bündel war sehr schwer für einen kleinen Jungen. Als er so dasaß, erkannte er, dass er sich vollständig verirrt hatte. Er wusste nicht, in welcher Richtung Süden war oder Osten oder Norden oder der Westen. Er wusste nicht einmal, aus welcher Richtung er gekommen war. In seiner Einsamkeit weinte er, und er war sehr hungrig. Ein Coyote hörte ihn und besuchte ihn dort. "Hallo, kleiner Bruder", sagte der Coyote. "Hallo", antwortete der Jüngling. Coyote sagte:" Was ist los?" "Ich habe mich vollkommen verirrt", sagte der Junge. "Ich werde dir helfen", sagte der Coyote, "aber du musst mit uns jagen. Und du musst mir auch eines der Dinge schenken, die du in deinem Bündel hast." Der Jüngling war einverstanden, und Coyote führte ihn aus den Bäumen heraus. Er brachte ihn zu einem hohen Plateau in den Bergen. Dort jagte er gemeinsam mit den Coyoten, und sie brachten ihm vier Harmonien oder Lieder bei. Als der Jüngling die Lieder gelernt hatte, sagten ihm die Coyoten, dass es Zeit wäre für ihn zu gehen. "Einer von uns wird mit dir gehen", sagte Coyote.

Der Jüngling war sehr froh. Er wählte den ältesten unter ihnen aus, um ihn zu begleiten, denn dieser Coyote war sein Vater gewesen. "Nun ist es Zeit", sagte Coyote, "dass wir unser Geschenk erhalten." "Welches dieser Dinge in meinem Bündel wünscht ihr euch?" sagte der Jüngling. "Gib uns die Pfeife!" antwortete Coyote. Der Jüngling war sehr betrübt, denn nun würde er einem der Lager kein Geschenk mehr machen können. "Aber welches Geschenk könnte ich denn dem ersten Lager der Menschen geben?" fragte der Junge. "Ihr habt nun, was für sie bestimmt war, die Pfeife." Sein Vater antwortete "Du kannst ihnen dich selbst geben, und ich gebe ihnen meinen Mantel." Der Jüngling war glücklich, und er und der älteste Coyote setzten ihren Weg fort. Während sie auf der Suche nach den Menschen waren, jagte der Coyote Nahrung für ihn. Aber er war alt und die Jagd schwierig, und so bekam der Junge nicht viel zu essen. Coyotes Augen waren schwach geworden, und er konnte nicht sehr gut sehen, also musste der Jüngling sich alleine nach den Zelthäusern umsehen.

Bald befanden sie sich auf einer sehr großen Prärie und legten einen weiten Weg zurück. Es dauerte nicht lange, bis offensichtlich war, dass sie sich verirrt hatten. Es war der zweite Tag. "Alter Vater", sagte der Junge zum Coyoten, "aus welcher Richtung sind wir gekommen? Aus dem Osten, Westen, Norden oder Süden?" Coyote lief in einem großen Kreis herum und suchte ihre Spuren, um herauszubekommen, aus welcher Richtung sie gekommen waren, aber seine Nase war alt, und er konnte nichts mehr riechen. "Ich kann die Richtung, aus der wir gekommen sind, weder sehen noch riechen", sagte Alter Coyote, "aber ich werde für dich jagen." Der Jüngling setzte sich erschöpft hin und wusste nicht, was er tun sollte. "Lass mich gehen und unsere Brüder suchen", sagte Alter Coyote und stellte die Ohren. "Sie werden uns helfen." Und er ging. Der Jüngling war bald einsam und traurig. Er weinte. Ein Wolf hörte ihn weinen und kam zu ihm und setzte sich so wie der Junge, nicht weit von ihm entfernt. Der Wolf war sehr mächtig und stark. "Warum weinst du", fragte Wolf. Der Jüngling blickte hoch und sah ihn. "Ich habe geweint, weil ich traurig bin und mich verirrt habe", antwortete der Jüngling. "Ich weiß nicht einmal, aus welcher Richtung ich gekommen bin." "Ich werde dir helfen", sagte der Wolf, "aber du musst mitkommen und mit uns leben und mit uns jagen, und ich bekomme eines der Dinge aus deinem Bündel." Der Jüngling war einverstanden, und er ging mit Weißer Wolf. Weißer Wolf führte ihn zu einem kleinen Bach, an dem die Wölfe auf der Prärie lebten. Sie brachten dem Jüngling bei, Rehe und Elche zu jagen, und sie lehrten ihn vier Harmonien oder Lieder.

"Nun ist es Zeit, dass du gehst", sagten die Wölfe. "Und du darfst einen von uns mitnehmen." Der Jüngling betrachtete seine Brüder und dachte nach. "Ich nehme den Jüngsten mit", antwortete der Jüngling. "Gut", antworteten die Wölfe. "Jetzt möchten wir unser Geschenk haben." "Was möchtet ihr?" fragte der Jüngling. "Schenke ihnen deinen Großvater", antwortete der Weiße Wolf. "Und wir werden ihnen diesen Wolfsmantel geben." Der Jüngling war glücklich, denn nun hatte er ein Geschenk für das zweite Lager, und er ging mit seinem jungen Bruder fort. Sein kleiner Bruder jagte für ihn , aber beide waren noch sehr jung, und so konnten die beiden nur die kleinen Tiere als Nahrungsgabe finden. Sie hatten viel Spaß zusammen, und sie spielten. Eines Tages, während sie beim Spielen waren, fielen sie beide in ein sehr tiefes Loch. "Was machen wir jetzt?" fragte der Jüngling seinen Bruder. "Hebe mich aus dem Loch", antwortete der Wolfswelpe, "und ich werde laufen und unsere Brüder zu Hilfe holen." Der Jüngling hob den jungen Wolf aus dem Loch, aber er wusste, dass er lange warten musste. "Warum, warum nur bin ich in dieses Loch hineingefallen?" klagte der Jüngling.

Ein Otter besuchte ihn und blickte in das Loch. "Warum klagst du?" sagte der Otter zu dem Jüngling. "Weil ich nicht aus diesem Loch herauskann", antwortete der Jüngling. "Ich kann dir helfen, aus diesem Loch zu kommen", sagte der Otter. "Aber du musst mit uns leben, und ich bekomme eines der Dinge in diesem Bündel." Otter fing an, dem Jüngling trockenes Holz hinunterzureichen, damit dieser es so aufstapele, dass er sich daraufstellen konnte, und bald war er aus dem Loch heraus. Er ging, um mit den Ottern zu leben. Er schwamm mit ihnen und planschte im großen Fluss, an dem sie wohnten, und sie brachten ihm vier Lieder bei. "Es ist nun Zeit, dass du uns verlässt", sagte der Otter zum Jüngling. "Du darfst einen von uns mitnehmen. Wer soll es sein?" "Ich glaube, ich nehme einen mit, der weder zu alt noch zu jung ist", antwortete der Jüngling. "Gut", sagte der Otter. "Nun ist es Zeit, dass du uns unser Geschenk aus dem Bündel gibst." "Was möchtet ihr?" fragte der Jüngling. "Gib uns die Reihe von Kopfschmuckfedern", sagten sie ihm. "Aber was schenke ich dem dritten Lager der Menschen?" fragte der Jüngling. "Gib ihnen deine Schwestern", antwortete der Otter. "Und wir werden ihnen einen Ottermantel geben." Der Jüngling war glücklich und setzte seinen Weg fort mit dem Otter, der weder zu jung noch zu alt war. Sie schwammen und spielten im großen Fluss, und ab und zu schauten sie nach den Zelthäusern der Menschen. Sie folgten dem Fluss, und während sie dahinschwammen, wurde der Fluss noch schneller. Dies war der dritte Tag. Am Ende wurde die Strömung so stark, dass sie flussabwärts getrieben wurden. Nach kurzer Zeit klammerte sich der Jüngling an einen Felsen und kletterte hinauf, um nicht zu ertrinken. Aber nun war er in einer sehr tiefen Schlucht. Es gab keine Möglichkeit, am Flussufer entlangzugehen, und wenn er versuchen würde zu schwimmen, würde er ertrinken.

"Was machen wir jetzt?" fragte der Jüngling. "Ich werde schwimmen und Hilfe holen", antwortete der Otter. "Unsere Brüder werden uns helfen." Und der Otter schwamm fort. "Zahuah!" rief der Junge. "Was mache ich nun?" Im gleichen Augenblick tauchte am Rande der Schlucht ein Adler auf und sprach zu ihm. "Ich kann dir helfen", sagte der Adler, "aber du musst mit uns leben. Und ich bekomme eines der Dinge in deinem Bündel." Der Jüngling war einverstanden, und der Adler flog herab und trug ihn hoch über die Bäume und die Prärie hinweg zu den Bergen. Der Adler und die anderen jungen Adler brachten ihm vier Lieder bei. "Nun", sagte der Adler, "da gibt es etwas, das du sehen solltest. Das dort ist der Osten. In dieser Richtung ist der Westen, und dort ist der Norden. Und in dieser Richtung ist der Süden." Der Adler zeigte ihm auch den Nachthimmel und den Tageshimmel. Und er erzählte ihm vom Halbmond und vom Vollmond. Schließlich sagte ihm auch der Adler, dass es Zeit wäre für ihn zu gehen. Und dass er ihn zur Prärie zurückfliegen würde. Der Jüngling konnte jetzt ohne Mühe die verstreuten Zelthäuser der Menschen sehen.

"Jetzt ist es Zeit, dass ich mein Geschenk aus deinem Bündel bekomme", sagte ihm der Adler. "Aber was soll ich dann den Menschen schenken?" fragte der Jüngling. "Dort", der Adler deutete hin, "wartet der Fremde auf dich. Das ist dein Geschenk an die Menschen." Und der Adler flog ihn zurück zu seinem Zelthaus, wo sein Großvater und seine Schwestern auf ihn warteten. Seine Schwestern kamen aus ihrem Zelthaus heraus und umarmten ihn. Es war der vierte Tag. "Kommt", sagte der Jüngling, "lasst uns über den Fluss gehen, dorthin, wo uns der Fremde gesagt hat, dass wir ihn treffen sollen." Sie folgten ihm über den Fluss. Als sie den Fluss überquerten, sahen sie eine große Büffelherde. Es war genauso, wie es der Fremde versprochen hatte. Die Prärie war mit Büffeln bedeckt, soweit der Blick reichte. Sie suchten überall nach dem Fremden, aber sie konnten ihn nicht finden. In dieser Nacht, als sie sich zur Ruhe legten, sahen sie plötzlich ein großes Zelthaus. Der Jüngling stand von seinen Schlafdecken auf und ging auf das Zelthaus zu. Er blickte in das Zelthaus hinein und sah ein grelles Licht. Das Licht kam aus der Mitte des Zelthauses. Es war so grell, dass es fast die Augen blendete. In dem großen Zelthaus waren vier wunderschöne junge Frauen. Jede der vier Frauen hatte eine andere Haarfarbe. Das Haar einer der jungen Frauen war grün wie das Gras im Frühling, eine andere hatte Haare in der Farbe des weißesten Schnees. Eine hatte Haare in der Farbe der hellen Morgensonne, und die andere hatte Haare schwarz wie die Nacht.

Jede der jungen Frauen trug einen Medizingürtel. Die Frau mit den Haaren so grün wie Gras trug einen Medizingürtel, der rot und weiß war, mit den Zeichen des Südens. Die junge Frau mit dem schneeweißen Haar trug einen Medizingürtel, der grün und weiß war, mit den Zeichen dieser Wege. Die junge Frau mit den Haaren so hell und golden wie die Morgensonne trug einen schwarzweißen Medizingürtel, der mit den Zeichen des Ostens bedeckt war. Und die, die eine Haarfarbe wie die Nacht hatte, trug einen Gürtel mit all den Farben der untergehenden Sonne mit Gold, und sie hatte die Zeichen des Westens.

Als der Jüngling in das Zelthaus eintrat, grüßten sie ihn alle, und er aß mit ihnen. Sie umarmten ihn, denn sie alle liebten den Jüngling. Der Jüngling blieb vier Tage lang in diesem Zelthaus. In der Nacht des ersten Tages schlief der Jüngling mit dem Mädchen des Nordens. Und die dritte Nacht verbrachte er im Bett des Mädchens aus dem Osten. Die letzte und vierte Nacht wurde mit dem Mädchen aus dem Westen verbracht. Am vierten Morgen war das Zelthaus verschwunden, und er lag alleine auf der Prärie. An der Stelle, wo seine Frauen gewesen waren, lagen nun vier Mäntel. Im Süden lag der Mantel, den ihm der Otter gegeben hatte. Im Norden lag der Mantel, den ihm Weißer Wolf gegeben hatte, und im Osten lag das große Bündel, mit dem er ursprünglich begonnen hatte. Und in der Mitte dieser Dinge saß der Fremde mit dem Eulenkopfschmuck. Aber jetzt war er vollständig mit Blau bemalt. Er sprach zum Jüngling und sagte:" In jedem der Mäntel ist das Geschenk für die vier Lager der Menschen. Rufe sie hierher zusammen und gib sie ihnen, denn nun können sie dich hören. Sie sind sehr hungrig. Das ist der Grund, warum sie jetzt hören können."

Der Jüngling rief alle Menschen, und sie kamen zusammen und bildeten einen großen Kreis. "Stellt hier ein Zelthaus auf", sagte er den Menschen. "Baut es um die Dinge herum auf, die ihr hier seht." Sie bauten das große Zelthaus auf, und gemeinsam mit dem Jüngling gingen sie nacheinander hinein. Der Eingang des Zelthauses stand der aufgehenden Sonne offen. "Diejenigen unter euch, die im Osten lagerten, werden nun im Westen lagern", sagte er ihnen. "Und diejenigen unter euch, die im Süden lagerten, gehen nach Norden. Diejenigen von euch, die im Westen waren, gehen zum Osten, und diejenigen von euch, die im Norden waren, lagern nun im Süden." Der Jüngling nahm das große Bündel und holte die Dinge, die darin waren, vor allen Menschen heraus. Das erste Ding, das aus dem Bündel genommen wurde, war eine Kriegsaxt. Das zweite Ding war ein Contrary - Kriegsbogen. Das dritte Ding aus dem Bündel war eine Kriegslanze. Das vierte Ding war eine Kriegshaube, deren Federn in einer geraden Reihe hingen. Der Jüngling bat seine vier Schwestern, in das Zelthaus einzutreten. Sie trugen den Coyotenmantel bei sich. Der Jüngling öffnete den Mantel und zog vier Pfeile aus ihm heraus. Er gab einen davon an jede seiner Schwestern. Seine Schwestern suchten sich dann einen Platz zum Sitzen. Eine ging zum Norden und setzte sich zu den Menschen dort. Eine setzte sich zu denen im Süden, die nächste zu denen im Westen und eine zu den Menschen des Ostens.

"Dies, meine Schwestern, sind meine Gaben", sagte er, "und diese Pfeile sind auch eure Gaben." Dann bedeckte der Jüngling jene Kriegssachen, die in der Mitte des Zelthauses waren, mit dem Coyotenmantel. Unter den Coyotenmantel legte er auch den Mantel, den ihm Weißer Wolf gegeben hatte, und den von Otter. "Unter dem Coyotenmantel ist ein Geschenk für jeden von euch", sprach er zu den Menschen. "Sie sind für euch, die ihr im Norden sitzt, im Süden, im Westen und im Osten. Unter der Coyotenhaut liegen die Dinge, die euch Büffel geben werden. Ihr werdet weder hungern noch alleine sein, noch euch verirren." Dann sagte der Jüngling jenen, die in den vier Richtungen saßen, dass sie sich ihre Gaben unter dem Mantel hervorholen sollten. "Ich nehme die Axt", sagte einer. "Und ich die Lanze", sagte ein anderer. "Ich bekomme den Kriegsbogen", sagte wieder ein anderer. "Ich nehme, was übrigbleibt, die Kriegshaube", sagte der Letzte. Dann bat der Jüngling den Großvater, den Mantel von Coyote hochzuheben und jedem sein Geschenk zu geben. Der alte Mann nahm daraufhin den Mantel von Coyote weg. Die Kriegsaxt war nun ein zerbrechlicher Pfeifenstein, der die Form einer Friedenspfeife hatte. Die Lanze war nun mit der Wolfshaut und der des Otters bedeckt, ihre Spitze war abgebrochen, und man konnte sie nicht mehr werfen. Das letzte Ding bestand vorher aus zweien. Es war der Contrarybogen, der nun mit der geraden Reihe von Federn bespannt war. Die Adlerfedern waren jetzt die einzelnen Federn der Bruderschaft, die im Haar getragen werden und der Bogen war einer des Friedens. Er war der Donnerbogen.

"Wer von euch möchte nun diese Gaben, die ihr vor euch seht in diesem Zelthaus der Bruderschaft, für sich behalten?" fragte der Jüngling. Sie ließen alle die Köpfe hängen, denn sie hatten diese Dinge wiedererkannt. Jeder von ihnen bat der Reihe nach diejenige Schwester, die ihm gegeben worden war, ihren Pfeil als eine Gabe zu den anderen Sachen aus dem Coyotenmantel zu legen. "Nun gibt es hier vier Dinge", sagte der Jüngling. "Es sind der Wolfsstab, der Donnerbogen, die Friedenspfeife und die Pfeile der Bruderschaft. Jetzt kann eine Erneuerung stattfinden." Und sie tanzten zusammen im Zelthaus der Bruderschaft. Und viele Büffel wurden ihnen gegeben. Der Name dieses Jünglings war Süße Medizin.

Der kleine Mäuserich
Es war einmal ein vielbeschäftigter Mäuserich, der überall herumsuchte, das Gras mit seinen Barthaaren betastete und alles betrachtete. Er war vielbeschäftigt wie alle Mäuse, beschäftigt mit Mäusesachen. Doch dann und wann hörte er ein merkwürdiges Geräusch. Dann hob er seinen Kopf, kniff die Augen fest zusammen, sträubte seine Barthaare und wunderte sich. Eines Tages eilte er zu einem benachbarten Mäuserich und fragte ihn:" Hörst du ein Rauschen in deinem Ohr, mein Bruder?" "Nein, nein", antwortete der andere Mäuserich, ohne seine vielbeschäftigte Nase vom Boden zu heben. "Ich höre nichts. Ich bin jetzt beschäftigt. Sprich später mit mir." Er stellte einem anderen Mäuserich die gleiche Frage, doch dieser sah ihn ganz seltsam an. "Bist du nicht richtig im Kopf? Was für ein Geräusch?" fragte er und schlüpfte in ein Loch im Stamm eines umgestürzten Baumes.

Der kleine Mäuserich zuckte mit seinen Barthaaren und beschäftigte sich wieder, fest entschlossen, die ganze Sache zu vergessen. Aber da war schon wieder dieses Rauschen. Es war undeutlich, sehr undeutlich, aber es war da! Eines Tages entschloss er sich, dieses Geräusch ein wenig zu erforschen. Er verließ die anderen vielbeschäftigten Mäuse, lief ein kurzes Stück und horchte wieder. Da war es! Er war eifrig am Horchen, als ihn plötzlich jemand grüßte.

"Hallo, kleiner Bruder", sagte die Stimme, und der Mäuserich sprang vor Schreck fast aus seiner Haut. Er krümmte Rücken und Schwanz und wollte davonlaufen. "Hallo", sagte die Stimme wieder. "Ich bin es, Bruder Waschbär." Und tatsächlich, er war es! "Was machst du denn hier ganz alleine, kleiner Bruder?" fragte der Waschbär. Der Mäuserich errötete und senkte seine Nase fast bis zum Boden. " Ich höre ein Rauschen in meinen Ohren und bin dabei, es zu erforschen", antwortete er verschüchtert. "Ein Rauschen in deinen Ohren?" erwiderte der Waschbär, während er sich neben ihn setzte. "Was du hörst, kleiner Bruder, ist der Fluss." "Der Fluss?" fragte Mäuserich neugierig. "Was ist ein Fluss?" "Komm mit, und ich zeige dir den Fluss", sagte Waschbär. Kleiner Mäuserich hatte furchtbare Angst, aber er war entschlossen, sich ein für allemal über das Rauschen Klarheit zu verschaffen. "Ich kann zu meiner Arbeit zurückkehren", dachte er, "nachdem diese Sache erledigt ist, und möglicherweise kann dieses Ding mir in all meinen geschäftigen Untersuchungen und beim Sammeln behilflich sein. Und meine Brüder sagten alle, es wäre nichts. Ich werde es ihnen zeigen. Ich werde Waschbär bitten, mit mir zurückzukehren, dann habe ich einen Beweis." "Also gut, Waschbär, mein Bruder", sagte Mäuserich. "Führe mich zum Fluss. Ich werde mit dir gehen."

Kleiner Mäuserich ging mit Waschbär. Sein kleines Herz hämmerte in der Brust. Der Waschbär führte ihn auf fremde Pfade, und Kleiner Mäuserich roch den Duft von vielen Dingen, die an diesem Weg vorbeigegangen waren. Viele Male fürchtete er sich so sehr, dass er beinahe umgekehrt wäre. Endlich kamen sie zum Fluss! Er war ungeheuer groß und atemberaubend, tief und klar an manchen Stellen und trübe an anderen. Kleiner Mäuserich war außerstande, über den Fluss zu sehen, weil er so groß war. Er brüllte, sang, schrie und donnerte auf seinem Weg. Kleiner Mäuserich sah große und kleine Stücke der Welt, die auf seiner Oberfläche fortgetragen wurden. "Er ist mächtig!" sagte der kleine Mäuserich, nach Worten suchend. "Er ist eine große Sache", antwortete der Waschbär, "aber hier, lass mich dich einem Freund vorstellen." An einer ruhigeren und seichteren Stelle war ein Seerosenpolster, leuchtend und grün. Darauf saß ein Frosch, fast so grün wie das Polster, auf dem er saß. Der weiße Bauch des Frosches stand deutlich hervor. "Hallo, kleiner Bruder", sagte der Frosch. "Willkommen am Fluss." "Ich muss dich jetzt verlassen", unterbrach Waschbär, "aber hab keine Angst, kleiner Bruder, der Frosch wird nun für dich sorgen." Und Waschbär ging weg, am Flussufer entlang, wo er Nahrung suchte, die er waschen und essen konnte.

Kleiner Mäuserich näherte sich dem Fluss und blickte hinein. Er sah eine verängstigte Maus dort widergespiegelt. "Wer bist du?" fragte kleiner Mäuserich das Spiegelbild. "Hast du keine Angst so weit draußen im großen Fluss?" "Nein", antwortete der Frosch. "Ich habe keine Angst. Mir wurde bei meiner Geburt die Gabe gegeben, sowohl auf dem Fluss als auch in ihm zu leben. Wenn Wintermann kommt und diese Medizin einfriert, kann ich nicht gesehen werden. Aber während der ganzen Zeit, in der der Donnervogel fliegt, bin ich hier. Um mich zu besuchen, muss man kommen, wenn die Welt grün ist. Ich, mein Bruder, bin der Hüter des Wassers." "Erstaunlich!" sagte endlich Kleiner Mäuserich, wieder nach Worten suchend. "Möchtest du etwas Medizinmacht haben?" fragte Frosch. "Medizinmacht? Ich?" fragte Kleiner Mäuserich. "Ja, ja! Wenn es möglich ist." "Dann duck dich, so tief du kannst, und spring so hoch wie du dazu imstande bist! Du wirst deine Medizin bekommen!" sagte Frosch.

Kleiner Mäuserich tat, was man ihn geheißen hatte. Er duckte sich, so tief er konnte, und sprang. Als er es tat, sahen seine Augen die Heiligen Berge. Kleiner Mäuserich konnte kaum seinen Augen trauen. Aber da waren sie! Dann aber fiel er zur Erde zurück und landete im Fluss! Kleiner Mäuserich bekam Angst und krabbelte zum Ufer zurück. Er war nass und fast zu Tode erschrocken. "Du hast mich getäuscht!" schrie Kleiner Mäuserich den Frosch an. "Warte", sagte der Frosch. "Du bist nicht verletzt. Lass dich durch deine Angst und deine Wut nicht blenden. Was hast du gesehen?" "Ich", stotterte Mäuserich, "ich, ich sah die Heiligen Berge!" "Und du hast einen neuen Namen!" sagte Frosch. "Er ist Springende Maus." "Ich danke dir. Ich danke dir", sagte Springende Maus und dankte ihm abermals. "Ich möchte zu meinem Volk zurückkehren und ihm über das, was geschehen ist, berichten." "Geh. Geh also", sagte Frosch, "kehre zu deinem Volk zurück. Es ist leicht, es zu finden. Behalte das Geräusch des Medizinflusses in deinem Rücken. Geh in entgegengesetzter Richtung zu dem Geräusch, und du wirst deine Mäusebrüder finden."

Springende Maus kehrte zur Welt der Mäuse zurück. Aber er fand Enttäuschung. Keiner hörte ihm zu. Und weil er nass war und er keinen Weg wusste, dies zu erklären - denn es hatte nicht geregnet - , hatten viele der anderen Mäuse Angst vor ihm. Sie glaubten, er sei aus dem Munde eines anderen Tieres ausgespuckt worden, das versucht hatte, ihn zu fressen. Und sie wussten alle, dass, wenn er für das Tier, das ihn begehrt hatte, keine Nahrung gewesen war, er auch für sie Gift sein musste. Springende Maus lebte wieder unter seinem Volk, aber er konnte seine Vision von den Heiligen Bergen nicht vergessen. Die Erinnerung brannte im Geist und im Herzen von Springende Maus, und eines Tages ging er zum Rande des Flussortes. Springende Maus ging bis zum Rande des Ortes der Mäuse und blickte auf die Prärie. Er blickte hoch, um nach Adlern zu sehen. Der Himmel war voll von vielen Flecken, jeder einzelne ein Adler. Aber er war entschlossen, zu den Heiligen Bergen zu gehen. Er sammelte all seinen Mut und lief so schnell er konnte auf die Prärie. Sein kleines Herz hämmerte vor Aufregung und Angst. Er lief, bis er zu einer mit Salbei bewachsenen Stelle kam. Er rastete und versuchte, wieder Luft zu schöpfen, als er eine alte Maus sah. Der Flecken Salbei, auf dem Alte Maus lebte, war ein Zufluchtsplatz für Mäuse. Samen waren reichlich vorhanden, und es gab Nestmaterial und auch sonst viele Dinge, um sich zu beschäftigen. "Hallo", sagte Alte Maus. "Willkommen." Springende Maus war erstaunt. So ein Platz und so eine Maus.

"Du bist wahrhaftig eine große Maus", sagte Springende Maus mit all dem Respekt, den er aufbringen konnte. "Dies ist wahrhaftig ein wunderbarer Platz. Und die Adler können dich hier auch nicht sehen", sagte Springende Maus. "Ja", sagte Alte Maus, "und man kann von hier auf alle Wesen der Prärie sehen : den Büffel, die Antilope, den Hasen und den Coyoten. Man kann sie alle von hier aus sehen und ihre Namen kennen lernen." "Das ist wunderbar", sagte Springende Maus. "Kannst du auch den Fluss und die großen Berge sehen?" "Ja und nein", sagte Alte Maus mit Überzeugung. "Ich weiß, dass es den großen Fluss gibt. Aber ich befürchte, dass die großen Berge nur eine Sage sind. Vergiss deine Sehnsucht danach, sie zu sehen, und bleib hier bei mir. Hier gibt es alles, was du möchtest, und es ist ein guter Platz zum Leben." "Wie kann er so etwas sagen?" dachte Springende Maus. "Die Medizin der Heiligen Berge ist nicht etwas, das man vergessen kann." "Ich danke dir sehr für das Mahl, das du mit mir teiltest, Alte Maus, und auch dafür, dass du dein großes Heim mit mir geteilt hast", sagte Springende Maus. "Aber ich muss die Heiligen Berge suchen." "Du bist ein dummer Mäuserich, wenn du von hier fortgehst. Es ist gefährlich auf der Prärie! Sie nur dort oben!" sagte Alte Maus, mit noch mehr Überzeugung. "Sie all diese Flecken! Es sind Adler, und sie werden dich erwischen!"

Es war schwer für Springende Maus fortzugehen, aber er sammelte seinen ganzen Willen und lief schnell weiter. Das Gelände war rau. Aber er krümmte seinen Schwanz und lief mit aller Kraft. Er konnte die Schatten der Flecken auf seinem Rücken fühlen, während er rannte. All diese Flecken! Endlich lief er in eine Gruppe von Wildbeerensträuchern hinein. Springende Maus konnte kaum seinen Augen trauen. Hier war es kühl und sehr geräumig. Es gab Wasser, Beeren und Samen zu fressen, Gräser zu sammeln für Nester, Löcher zu erforschen und viele, viele andere Beschäftigungen. Und da gab es auch eine große Menge von Dingen zum Sammeln.

Er war dabei, seine neue Domäne zu erforschen, als er ein sehr schweres Atmen hörte. Er forschte rasch nach dem Geräusch und entdeckte seinen Ursprung. Es war ein großer Hügel aus Haaren mit schwarzen Hörnern. Es war ein großer Büffel. Springende Maus konnte kaum die Größe des Wesens glauben, das er dort vor sich sah. Es war so groß, dass Springende Maus in eines seiner Hörner hätte hineinkriechen können. "So ein prachtvolles Wesen", dachte Springende Maus und schlich sich näher heran. "Hallo, mein Bruder", sagte der Büffel. "Ich danke dir für deinen Besuch." "Hallo, großes Wesen", sagte Springende Maus. "Warum liegst du hier?" "Ich bin krank und sterbe", sagte der Büffel, "und meine Medizin sagt mir, dass nur das Auge einer Maus mich heilen kann. Aber kleiner Bruder, so etwas wie eine Maus gibt es nicht." Springende Maus war erschüttert. "Eines meiner Augen!" dachte er. "Eines meiner winzigen Augen." Er huschte zu den Wildbeerensträuchern zurück. Aber das Atmen wurde schwerer und langsamer. "Er wird sterben", dachte Springende Maus, "wenn ich ihm nicht mein Auge gebe. Er ist ein zu großes Geschöpf, um ihn sterben zu lassen." Er ging dorthin zurück, wo der Büffel lag, und sprach :"Ich bin eine Maus", sagte er mit zitternder Stimme. "Und du, mein Bruder, bist ein großes Wesen. Ich kann dich nicht sterben lassen. Ich habe zwei Augen, also kannst du eines davon haben." Im gleichen Augenblick, als er es sagte, flog Springende Maus` Auge aus seinem Kopf heraus, und der Büffel war geheilt. Der Büffel sprang auf und erschütterte die ganze Welt von Springende Maus. "Ich danke dir, mein kleiner Bruder", sagte der Büffel. "Ich weiß von deiner Suche nach den Heiligen Bergen und von deinem Besuch am Fluss. Du hast mir das Leben geschenkt, so dass ich den Menschen Gaben machen kann. Ich werde für immer dein Bruder sein. Lauf unter meinem Bauch, und ich werde dich bis zum Fuß der Heiligen Berge bringen, und du brauchst dich nicht vor den Flecken zu fürchten. Die Adler können dich nicht sehen, während du unter mir läufst. Alles, was sie sehen werden, ist der Rücken eines Büffels. Ich stamme aus der Prärie und würde auf dich fallen, wenn ich versuchen würde, auf die Berge hinaufzugehen."

Kleiner Mäuserich lief unter dem Büffel, geschützt und verstecht vor den Flecken, aber mit nur einem Auge war es erschreckend. Die großen Hufe des Büffels erschütterten die ganze Welt jedes Mal, wenn er einen Schritt machte. Endlich kamen sie zu einem Platz und Büffel blieb stehen. "Hier muss ich dich verlassen, kleiner Bruder", sagte der Büffel. "Ich danke dir sehr", sagte Springende Maus. "Aber weißt du, es war sehr beängstigend, unter dir mit nur einem Auge zu laufen. Ich war ständig in Furcht vor deinen erderschütternden Hufen." "Deine Angst war umsonst", sagte Büffel. "Denn meine Art des Gehens ist der Sonnentanzweg, und ich weiß immer, worauf meine Hufe fallen werden. Ich muss nun in die Prärie zurückkehren, mein Bruder. Du kannst mich dort immer finden."

Springende Maus begann sofort, seine neue Umgebung zu untersuchen. Da waren sogar noch mehr Dinge als an den anderen Plätzen, mehr Beschäftigungen und eine Vielfalt von Samen und anderen Sachen, die Mäuse mögen. Bei der Untersuchung dieser Sachen stieß er plötzlich auf einen grauen Wolf, der da saß und absolut nichts tat. "Hallo, Bruder Wolf", sagte Springende Maus. Die Ohren des Wolfes wurden aufmerksam, und seine Augen leuchteten. "Wolf! Wolf! Ja, das ist es, was ich bin, ich bin ein Wolf!" Aber dann erblasste sein Gesicht wieder, und es dauerte nicht lange, bis er wieder still da saß, ohne sich zu erinnern, wer er war. Jedes mal, wenn Springende Maus ihn daran erinnerte, wer er war, wurde er durch die Mitteilung angeregt, vergaß es aber bald wieder. "So ein großes Wesen", dachte Springende Maus, "aber er hat kein Gedächtnis."

Springende Maus ging zum Mittelpunkt dieses neuen Ortes und war still. Er lauschte sehr lange dem Pochen seines Herzens. Dann war er plötzlich entschlossen. Er huschte dorthin zurück, wo der Wolf saß, und sprach.

"Bruder Wolf", sagte Springende Maus.... "Wolf! Wolf!" sagte der Wolf... "Bitte, Bruder Wolf", sagte Springende Maus, "bitte hör mich an. Ich weiß, was dich heilen wird. Es ist eines meiner Augen. Und ich möchte es dir geben. Du bist ein größeres Wesen als ich. Ich bin nur eine Maus. Bitte nimm es an." Als Springende Maus aufhörte zu sprechen, flog sein Auge aus seinem Kopf, und der Wolf war geheilt. Tränen flossen die Backen des Wolfes herab, aber sein kleiner Bruder konnte sie nicht sehen, denn er war jetzt blind. "Du bist ein großer Bruder", sagte der Wolf, "denn jetzt habe ich mein Gedächtnis. Aber nun bist du blind. Ich bin der Führer zu den Heiligen Bergen. Ich werde dich hinbringen. Dort ist ein großer Medizinsee. Der schönste See der Welt. Die gesamte Welt spiegelt sich darin. Die Menschen, die Zelthäuser der Menschen und all die Wesen der Prärie und des Himmels "Bitte bring mich hin", sagte Springende Maus.

Der Wolf führte ihn durch die Tannen zum Medizinsee. Springende Maus trank das Wasser aus dem See. Der Wolf beschrieb ihm die Schönheit. "Ich muss dich hier verlassen", sagte der Wolf, "denn ich muss zurückkehren, damit ich andere führen kann, aber ich werde so lange bei dir bleiben, wie du es wünscht." "Ich danke dir, mein Bruder", sagte Springende Maus, "aber obwohl ich Angst davor habe, allein zu sein, weiß ich, dass du gehen musst, um anderen den Weg zu diesem Platz zu zeigen." Springende Maus saß da und zitterte vor Angst. Es war sinnlos zu laufen, denn er war blind, aber er wusste, dass ihn hier ein Adler finden würde. Er fühlte einen Schatten auf seinem Rücken und hörte das Geräusch, das Adler machen. Er spannte sich an für den Schlag. Und der Adler traf! Springende Maus schlief ein. Dann wachte er auf. Die Überraschung, noch am Leben zu sein, war groß, aber jetzt konnte er sehen! Alles war verschwommen, aber die Farben waren wunderschön. "Ich kann sehen ! Ich kann sehen!" sagte Springende Maus immer wieder. Eine verschwommene Form kam auf Springende Maus zu. Springende Maus kniff die Augen fest zusammen, aber die Form blieb verschwommen. "Hallo, Bruder", sagte eine Stimme. "Willst du etwas Medizin?" "Etwas Medizin für mich?" fragte Springende Maus. "Ja! Ja!" "Dann duck dich so tief du kannst" sagte die Stimme, "und spring so hoch du kannst." Springende Maus tat, wie man ihn geheißen hatte. Er duckte sich so tief er konnte und sprang! Der Wind fing ihn auf und trug ihn höher. "Hab keine Angst", rief ihm die Stimme zu. "Klammere dich an den Wind und hab Vertrauen!"

Springende Maus tat es. Er schloss seine Augen und klammerte sich an den Wind, und der trug ihn höher und höher. Springende Maus öffnete seine Augen, und sie waren klar, und je höher er kam, desto klarer wurden sie. Springende Maus sah seinen alten Freund auf einem Seerosenpolster auf dem wunderschönen Medizinsee. Es war der Frosch.

"Du hast einen neuen Namen", rief der Frosch. "Du bist Adler!"

Wölfe und Hirsche
Einst trafen sich am Ufer des Flusses Nass die Wölfe der ganzen Gegend, um sich mit Spiel und anderer Kurzweil die Zeit zu vertreiben. Sie kamen in ganzen Rudeln, junge und ältere, ja, nicht einmal der Graue Wolf, der alte Griesgram, war zu Hause geblieben. Anfangs sangen sie ihre langgedehnten Wolfslieder in Ruhe und Ordnung, aber nach und nach wurde eine solche Katzenmusik daraus, dass sich die anderen Tiere des Waldes die Ohren zuhielten und wie von Sinnen über Stock und Stein liefen, um nichts mehr davon zu hören. Die meisten Fische verkrochen sich unter Sand und Steinen, aber die Lachse, die sich lieber unter dem Wasserspiegel tummelten, übersprangen Stromschnellen und Wasserfälle und flüchteten stromaufwärts, um dem ohrenbetäubenden Geschrei am Ufer zu entgehen. Wie es heißt, hat der Lachs damals erst gelernt, über Stromschnellen zu springen und auch jedes andere Hindernis spielend zu überwinden. Nicht einmal der Sonne wollte das Geheule der Wölfe gefallen. Sie legte sich an jenem Tag besonders früh schlafen und mummelte sich bis zum Kinn hinauf in rosige Abendwolken ein, denn auch sie wollte Ruhe haben. Aber dafür ließ sich der neugierige Mond von dem Wolfsgesang bis zu den Wipfeln der Tannen locken. Die Wölfe verdoppelten ihre Anstrengungen endlich hatten sie einen dankbaren Zuhörer gefunden! Freilich dauerte es nicht allzu lange, und die Meute war so heiser geworden, dass sie sich nach einem anderen Vergnügen umsehen musste. Und wie das bei derartigen Zusammenkünften so üblich ist, fingen sie schließlich an, längst vergessene Heldengeschichten zu erzählen. Manch alter Krieger zeigte den jungen Wölflein seine Narben, Erinnerungen an Wunden, die er in ruhmreichen Kämpfen davongetragen hatte. So saßen sie lange und erzählten, bis der Nebel über dem Fluss aufstieg. Um diese Zeit kamen die Hirsche ans andere Ufer. Der Wind trug die Worte der Wolfsgeschichten an ihre Ohren, und sie konnten sich nicht helfen, sie mussten laut herauslachen, denn die Tiere glauben nur Geschichten, die ihnen ihre eigenen Stammesgenossen erzählen. Gerade als das Gelächter seinen Höhepunkt erreicht hatte, rief eine Stimme über den Fluss: „Wer wagt es, die tapferen Wölfe zu verhöhnen?" Da mussten sich die Hirsche den Bauch halten vor Lachen, und die Wölfe warteten vergebens auf Antwort. Da der Nebel sehr dicht war, hatten die Hirsche vor den Wölfen nicht die mindeste Angst, aber da kam plötzlich die Sonne, rieb sich die Augen, und mit dem Nebel war es vorbei. „Hirsche! Hallo, Hirsche!“ riefen die Wölfe. Und spotteten: „Ihr könnt ja nicht einmal richtig lachen! Guckt euch das an! Ha ha ha!“ Dabei fletschten sie die Zähne, dass sich die Sonnenstrahlen darin spiegelten und das Echo durch den Urwald hallte. „Jetzt wir!“ schrieen die Hirsche: „Hmhm, hmhm, hm... “ Dieses unterdrückte Lachen bei geschlossenen Kiefern reizte die Wölfe noch mehr zum Spott: „Ha-ha-ha! Wenn ihr lachen wollt, wie sich's gehört, müßt ihr die Mäuler aufreißen!" „Hmhm, hmhm, hm...“ machten die Hirsche wieder, und erst jetzt sahen die Wölfe, dass das Gebiss ihrer Widersacher sehr dürftig war. Aha, also deshalb können sie nicht anständig lachen! Bei dem Gedanken an die sichere Beute lief ihnen das Wasser im Munde zusammen. Sie sprangen in den Fluss und schwammen ans andere Ufer. Die Hirsche ergriffen die Flucht. Sie stoben nach allen Richtungen auseinander, aber die Wolfsmeute blieb ihnen auf den Fersen und verfolgt sie bis heute. Denn seit jener Zeit wissen die Wölfe, dass ihnen die Hirsche mit ihrem unvollkommenen Gebiss nicht gewachsen sind und daher spielend von ihnen erjagt werden können.
 
 
DAS EWIGE LIED

Es war Abend geworden, und auf das Indianerland senkte sich eine so finstere Nacht, dass sich niemand aus seiner Behausung wagte. Nur der Wind heulte in den fernen Bergen. Und dennoch war auf dem Pfad längs des Schlangenbaches etwas in Bewegung. Behutsame, lautlose Schritte: Die Dakota waren unterwegs. Die kleine Schar der Krieger hatte es eilig, denn sie wollte noch vor Tagesanbruch den Feind überraschen... Die Männer schwiegen. An der Spitze und an den Flügeln wurde der Trupp von Wachkommandos behütet. Endlich verlässt der Schlangenbach die unwirtliche Gegend und führt in ein Wäldchen. „Hier wollen wir Rast machen“, sagte der Häuptling, ohne wie bisher seine Stimme zu dämpfen. „Macht ein Feuer an, hier sind wir in Sicherheit“. Im Nu war ein Haufen Holz und trockenes Gras herbeigeschafft und ein Feuer angezündet. Die Krieger setzten sich ringsherum und machten es sich bequem. Einige flickten an ihren zerrissenen Mokassins, andere prüften ihre Bogen, Pfeile und Tomahawks, und wieder andere machten das Abendessen zurecht. Unterdessen erzählten die Ältesten von vergangenen Schlachten und unvorstellbaren Heldentaten: Wie ein wunderkräftiger Talisman manch einem das Leben gerettet hatte, wie ein Pfeil von einem Zaubersäcklein in das Herz dessen zurückgelenkt wurde, der ihn abgeschossen hatte, wie schöne Mädchen aus dem Reich der Schatten kamen, um die tapfersten der Krieger in eine Welt zu führen, aus der es kein Zurück mehr gibt.

Auch das Feuer hörte diesen Geschichten selbstvergessen zu, während es eine geruhsame Rauchsäule in das grüne Astwerk hinaufschickte. Aber plötzlich - ein silberhaariger Indianer hatte sich eben zu einem feierlichen Gebet erhoben, sprühte die Flamme zischend auf, und auf die im Kreise Sitzenden schoss ein Funkenregen nieder. Und in diesem Augenblick klang unweit von ihnen ein Lied auf, das von den Bäumen zu kommen schien. Die Stimme wurde nach und nach stärker, erfüllte dann mit einer langgezogenen Melodie den ganzen Wald, ebbte wieder ab und verschmolz schließlich mit dem in den Zweigen klagenden Singen des Windes. „Sofort das Feuer löschen!“ gebot der Häuptling mit gedämpfter Stimme und schritt, den Bogen schussbereit, in die Finsternis. Da lugte, wie gerufen, der Mond hinter den Wolken hervor. Sein fahler Schein ließ die weißen Stämme der Bäume deutlich hervortreten. Die Männer schlichen geräuschlos durch das weiche, feuchte Gras und spähten in die Schatten der krummen, im Winde schaukelnden Äste. Der geheimnisvolle Gesang riss nicht ab. Es dauerte nicht lange, und die Männer wussten, dass er von einer großen, buschigen Ulme am Ende des Wäldchens kam. Enger und enger schloss sich der Kreis der Krieger. Das wundersame Lied schwang sich noch einmal bis zu den höchsten Tönen empor, dann brach es ab und verstummte ebenso plötzlich, wie es begonnen hatte. Die Indianer traten ganz nahe an den alten Baum heran. Ihre Blicke glitten über den rissigen Stamm und blieben dann an den verworrenen Wurzeln haften. Dort lag ein Häuflein gebleichter Knochen, die von einem unbekannten Krieger stammen mochten. Neben dem Schädel moderte ein zerbrochener Bogen, und unweit davon lagen zwei Pfeile. „Hier ist ein Krieger gefallen, der sein Leben für andere geopfert hat“, sprach der Häuptling.

 

Die Geschichte der „Roten Indianer“

Beschäftigt man sich mit den amerikanischen Ureinwohnern, so „stolpert“ man unweigerlich über die Farbe Rot. „Rotes Volk“, „Roter Mann“ oder – weniger fein – „Rothaut“ sind gängige Bezeichnungen für die Indianer, um sie als solche zu kennzeichnen. Betrachtet man sich allerdings Fotos mit amerikanischen Ureinwohnern, so sieht man allenfalls Braun in vielen Schattierungen. Woher kommt also der Hinweis auf die rote Hautfarbe?

Körper- und Gesichtsbemalung war bei den meisten Indianern aus verschiedenen Gründen gängig. Auch wurde dabei sehr oft rote Farbe verwendet. Doch kein anderer Stamm verwendete sie so intensiv wie die heute ausgestorbenen Beothuk auf der kanadischen Insel Neufundland. Buchstäblich alles wurde mit einer Mischung aus pulverisiertem Ocker und Fischöl bzw. Tierfett bedeckt. Angefangen beim Körper, über die Gesichter, das Haar, die Kleidung, bis hin zu Werkzeugen und Dingen des persönlichen Bedarfs. Alles an ihnen war rot. Die Bedeutung dieses intensiven Gebrauchs liegt im Dunkeln, Erklärungen reichen vom Schutz vor Insekten bis hin zur Religion. Der Gebrauch der roten Bemalung war jedoch so intensiv, daß sogar die indianischen Nachbarn der Beothuk, die Micmac, jene als „Rote Indianer“ bezeichneten. Diese Bezeichnung übernahmen später wahrscheinlich auch die Europäer, die aus Roten Indianern „Rothäute“ machten, und damit alle Indianer meinten.

Den ersten Kontakt mit Europäern hatten die Beothuk bereits im 10. Jahrhundert, als sich die Wikinger, mit denen man Handel betrieb, auf der Insel niederließen. Doch diese Begegnung dauerte nur ca. 100 Jahre, dann verließen die Nordmänner das Land wieder und die Beothuk lebten friedlich an den Küsten ihrer Heimat. Sie ernährten sich von dem, was das Meer ihnen bot (Fische, Robben und anderes Meeresgetier). Die nächsten Europäer, die gegen Ende des 15. Jahrhunderts an den Küsten Neufundlands auftauchten, waren John Cabot und seine Männer, die die Nachricht vom sagenhaften Fischreichtum um die Insel herum mit nach Hause nahmen. Sofort machten sich Sommer für Sommer europäische Fischerboote auf den Weg zu den reichen Fischgründen vor Neufundland. Manche fingen allerdings nicht nur die Meerestiere, sondern jagten auch die Indianer, die sie als Sklaven nach Europa verschleppten.

Mitte des 16. Jahrhunderts, also lange bevor der restliche Osten Nordamerikas besiedelt wurde, waren es schon mehr als 400 Fischerboote, die jährlich nach Neufundland kamen. An den Küsten bauten sie ihre Häuser, die sie den Sommer über bewohnten. Im Herbst kamen die Beothuk in die verlassenen weißen Siedlungen und stahlen alles, was nicht niet- und nagelfest war. Ansonsten vermieden sie es aber, aufgrund schlechter Erfahrungen, näher mit den Weißen in Kontakt zu treten. So wurden sie 1612 von einem englischen Schiff, mit dem sie Handel treiben wollten, mit Kanonen beschossen und 1613 endete ein Aufstand, ausgelöst durch die Ermordung eines stehlenden Beothuk, mit dem Tod von 37 französischen Fischern. Die Franzosen ermutigten in der Folge ihre Verbündeten, die Micmac, sich ständig im Süden Neufundlands anzusiedeln und statteten diese mit Feuerwaffen aus. Die Beothuk waren somit vom Zugang zum Meer abgeschnitten und zogen sich ins Landesinnere zurück.

In den folgenden 150 Jahren tobte der Kampf um die Vorherrschaft in Kanada zwischen den Engländern und Franzosen, der 1763 mit einem britischen Sieg endete. Auch Neufundland fiel nun endgültig in ihre Hände. Unverzüglich begannen die Briten mit der Intensivierung der Besiedlung. Den zurückgezogen lebenden restlichen 400 Beothuk wurden nun auch die letzten Zugänge zur See versperrt und der Hunger wurde ihr größter Feind. Da sie weiterhin in den weißen Siedlungen stahlen, wurden sie für die neuen Siedler zum Freiwild, das man abschießen konnte. Im Jahre 1810 veröffentlichte die britische Regierung eine Proklamation zum Schutz der Beothuk, doch die Feindseeligkeiten gingen auch in den folgenden Jahren weiter. Eine Expedition ins Landesinnere fand 1827 keinen Beothuk mehr. Wahrscheinlich wechselten die letzten Überlebenden aufs Festland nach Labrador und gingen dort in den Montagnais oder Naskapi auf. Die letzte bekannte Beothuk, Nancy Shanawhdit, starb 1829 an Tuberkulose.

Die Himmelsfrau
Eine Legende der Irokesen erzählt, dass die Himmelsfrau aus ihrem angestammten Bereich verstoßen wurde.....


Legende des Dreamcatcher (1)
.... „Aber”, sagte Iktomi, während er fortfuhr, sein Netz zu spinnen, „in jeder Zeit des Lebens begegnen uns Kräfte - einige gute und einige schlechte. Wenn Du den guten Kräften zuhörst, werden sie Dich in die richtige Richtung lenken. Hörst Du aber auf die schlechten Kräfte, werden sie Dich verletzen und fehlleiten.”.....
(Ein Bild vom Dreamcatcher/Traumfänger ist auf der "Interessantes"-Seite zu sehen)
Legende des Dreamcatcher (2)
.... kleine Tochter nachts von bösen Albträumen heimgesucht werde und deshalb sehr schlecht schlafen könne. In ihrer Verzweiflung bat die Mutter die weise Spinnenfrau um Rat und ihre Hilfe.
Die Spinnenfrau antwortete ihr: ....
Legende des Dreamcatcher (2)
.... "Ich bin es, die Dich angerufen hat. Ich habe eine Antwort auf Deine Gebete. Ich will Dich meine Medizin lehren. Die Verwirrungen aus Deinem Leben kommen nicht aus Dir selbst, denn Du führst ein gutes, im Geistigen begründetes Leben. Jene Geister um Dich herum, die nicht in Harmonie leben, möchten, dass Du zugrunde gehst. Es sind böse Geister, dem Chaos entstammend, die Dich während Deines Schlafes heimsuchen." ....
Der verliebte Stern (Chipewyans)
.... Er wanderte von einem Indianerstamm zum anderen und verweilte oft an den Lagerfeuern, bevor die Leute schlafen gingen. Überall, wohin der Stern kam, betrachteten ihn die Menschen mit Staunen und Furcht. Oft beschien er die Köpfe kleiner Kinder, als wolle er mit ihnen spielen. Doch die Kinder schraken nur und vertrieben ihn durch ihr Geschrei. ....
Warum der Büffel einen Höcker hat (Chippewas)
....Als eines Tages der Büffel wieder einmal über die Prärie jagte, stürmte er auf eine Stelle zu, wo kleine Vögel auf der Erde lebten. Sie riefen ihm und den Füchsen zu: "Pass auf! Unsere Nester!" Aber weder der Büffel noch die Füchse kümmerten sich darum. Der Büffel jagte weiter und....
Wie der Narwal entstanden ist (Polar-Eskimo)
....Da hörte er mit einem Male ein sausendes Geräusch wie von einem großen Vogel. Gleich darauf redete ihn das Tier mit menschlichen Stimme an: »Setze Dich auf meinen Rücken und halte Dich an meinem Hals fest. Drück aber nicht zu sehr, damit Du mich nicht erwürgst. Wenn Du loslässt, bist Du verloren.«....
Gut und Böse
... Kaum hatten sich die Brüder zurechtgefunden, da begannen sie bereits zu streiten, denn Guter Geist versuchte immer wieder seinen Bruder Böser Geist von seinen Untaten zurückzuhalten. Guter Geist beschieß, die dunkle Welt müsse Licht haben, damit die Ungeheuer, vor allem die Gehörnte Schlange, vertrieben würden. Böser Geist aber wollte davon nichts wissen, sondern behauptete, daß die Welt ohne Licht viel besser sei. ...
Das alte braune Pferd
... Die Männer ritten ihre besten Pferde, und als sie den alten Klepper bemerkten, riefen sie: "Seht! Dort ist das Pferd, das das weiße Fell heimtragen wird!" Dabei lachten sie aus vollem Halse. Der Junge aber blieb zurück, um das Gespött nicht hören zu müssen. Schließlich hatte er die übrigen Männer aus den Augen verloren und ritt allein der Herde zu. Da begann das braune Pferd plötzlich zu reden und sprach: "Reite mich an jenen Bach dort und bedecke mich mit Lehm, bis auch nicht ein Haar mehr zu sehen ist." ...
Der Zauberer vom Huronsee
... Tagelang verbargen sich die drei Indianer in den zahlreichen Buchten und Schilfständen der Inseln. Nachts zogen sie ihr Rindenkanu ans Ufer, versteckten es in einem dichten Gebüsch und achteten darauf, keine Spuren zu hinterlassen. Eines Morgens erwachte der Zauberer sehr früh, ließ die schlafenden Begleiter zurück und begab sich auf die Jagd. Vorsichtig hielt er sich innerhalb des Waldrandes, aber nach einer Weile mußte er eine Lichtung überqueren. ...
Schingebis und Kabibonoka
... Es war Nacht geworden. Schingebis saß mit gekreuzten Beinen am Feuer, legte Scheit um Scheit zu und betrachtete stillvergnügt den Fisch, der in einem Tongefäß siedete. "Sie haben mich vor Kabibonoka gewarnt und ihn einen bösen Geist genannt", sagte er zu sich selber, und seine Gedanken kehrten zu den Freunden zurück. "Und sie haben sogar behauptet, er sei stärker als alle Indianer zusammen. Gewiss, so eine strenge Kälte wie er vertrage ich nicht, aber ihm wird wieder die Wärme nicht gut tun." ...
Die Wolfsbraut
... Schon beim Eintreten redete er die drei an: "Mein Sohn ist todkrank, daher komme ich, eure Tochter zu holen. Eile tut not, daher lasst uns nicht viel Worte machen. Vielleicht ist er inzwischen schon tot oder liegt gar im Sterben, während ich hier rede." Die Eltern jedoch waren zu alt, um sich bei solchem Wetter auf die Reise zu begeben, und erst nach vielem Zureden willigte der Vater ein, daß die Tochter den Fremden begleiten solle. Auch hatte der Besucher versprechen müssen, sie nicht zu lange durch den Schnee stapfen zu lassen. Darauf nahm er das Mädchen bei der Hand und wanderte mit ihr landeinwärts in die Nacht hinaus. ...
Das Abenteuer mit dem Walfisch
... Wie finster es hier ist, dachte dar Rabe verdutzt und tastete und tappte in den Eingeweiden das Walfisches hin und her wie in einem Labyrinth. "Ich muss ein Feuer anmachen", sagte er und sah sich suchend um. Es war ihm, als sei er in einer schwarzen Höhle, deren Wände sich abwechselnd einander näherten und wieder entfernten, während sich in der Mitte ein riesiger Felsblock hob und senkte, hob und senkte... Was mag das sein? Der Rabe hüpfte näher und hackte auf den seltsamen Block mit seinem Schnabel ein. ...

Die Büffelfrau
... Bei Sonnenaufgang machten sich die beiden auf die Reise. Doch wie erstaunt war der Mann, als seine Frau ihm plötzlich auftrug, sich im Grase zu wälzen, ganz so, wie er es bei den Büffeln oft beobachtet hatte. Zögernd tat er ihr den Gefallen und stand mit einem Male als Büffel da! Auch seine Frau hatte sich in eine Bisonkuh verwandelt. ...

Die Maismutter
... Lange wanderte er im Lande umher, durchwatete Flüsse, stieg über Bergketten und durchzog Wälder und Sümpfe. Aber in keinem Lager, an das er kam, wusste man etwas von der alten Frau. Als er eines Abends entmutigt und niedergeschlagen ganz allein am Feuer saß, übermannte ihn der Schlaf. Als er aufwachte, stand vor ihm eine alte Frau mit weißem Haar, das ihr bis über den Rücken herabhing. ...

 

 



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