Das Medizinrad

Vorwort von Sun Bear
Schaff dir deine eigene Welt
Das Medizinrad hat bereits eine lebhafte Entwicklung hinter sich. In den späten siebziger Jahren gab mir der Geist eine machtvolle Vision. In dieser Vision sah ich einen kahlen Hügel ohne Bäume. Eine weiche Brise strich übers Land und bewegte sanft das Präriegras. Ich sah einen Steinzirkel, der wie die Speichen eines Rades angeordnet war. In diesem Kreis befand sich ein weiterer Steinzirkel, näher am Zentrum. Als ich diese Vision sah, wusste ich, dass dies der heilige Zirkel war, das Rad meines Volkes. Im inneren Kreis des Zirkels lag der Büffelschädel, der Schädel der Großmutter. Ich schaute mich um und sah, wie aus allen vier Himmelsrichtungen durch die Schluchten am Berg etwas auf mich zukam, das wie Tiere aussah. Als sie näher kamen, sah ich jedoch, dass es keine richtigen Tiere waren, sondern Menschen, die Tiertmasken und -kostüme trugen, um das Tierreich zu ehren. Sie bewegten sich in den Zirkel, traten in Sonnenrichtung hinein und gingen einmal vollständig um den Zirkel herum, bevor sich jeder an seinen Platz auf dem Rad begab. Die ersten ließen sich im Norden nieder, am Platz des Winters, der Zeit, in der wir und Mutter Erde ruhen können. Der Norden stellt die Zeit dar, in der wir schneeweiße Haare auf dem Kopf tragen. Es ist die Zeit, in der wir uns darauf vorbereiten, die Welten zu wechseln und eine andere Form anzunehmen. Andere gingen auf die östliche Seite, den Platz des Erwachens, der Morgendämmerung und des Frühlings. Der Osten ist der Ort,. der stellvertretend für die Geburt und die Anfänge der Menschheit steht. Als nächstes ließen sich die Menschen im Süden nieder, Der Süden ist die Zeit des Sommers, der fruchtbaren Jahre unseres Lebens und unseres schnellsten Wachstums. Die anderen gingen weiter, bis sie zum Westen kamen. Der Westen ist die Zeit des Herbstes, in der wir unsere Ernte einbringen, wenn wir das

Wissen haben, das wir brauchen, um unsere Mitte zu finden. Der Westen ist die Heimat des Westwindes, des Vaters aller Winde. Die Menschen, die ich sah, sangen ihre Jahreszeitenlieder, die Lieder ihrer Steine, ihrer Pflanzen, ihrer Totem-Tiere. Zuallererst sangen sie jedoch Lieder zur Heilung ihrer Mutter Erde. Der Anführer sagte: »Lasst die Medizin des heiligen Zirkels herrschen. Lasst viele Menschen über das Land zu diesem Zirkel kommen und für die Heilung von Mutter Erde beten. Lasst die Zirkel des Medizinpfades wiederkommen.« Ich sah in dieser Vision Menschen aus allen Klans, aus allen Richtungen. Ich sah Vertreter aller Totems. Ich sah, dass sie Frieden in ihrem Herzen trugen. Dies ist meine Vision. Ich weiß, dass sie erfüllt werden muss. Ich teilte Wabun und den anderen Mitgliedern des Bear Tribe mit, was ich gesehen hatte. Ich wusste, dass dies eine Vision war, die auf materieller Ebene Wirklichkeit werden sollte. So, wie die Dinge heute liegen, brauchte ich das gedruckte Wort, um die Vision zu den Menschen zu bringen. Als erstes schrieben Wabun und ich die Worte für die Medizinrad-Scheibe auf. Das Wesentliche meiner Vision war bereits darin enthalten. Wir ließen sie drucken und verteilten sie an Interessierte. Einer im Tribe schickte ein Exemplar des Medizinrades an Oscar Collier, Wabuns Lektor, der zu der Zeit für Prentice Hall arbeitete. Die Scheibe kam genau an seinem Geburtstag an. Er spürte, dass die Informationen, die das Medizinrad enthielt, ihm ein völlig neues Verständnis seines Lebens ermöglichten und einem breiteren Leserkreis zugänglich gemacht werden sollten. Er kam auf uns zu und fragte, ob wir ein Buch verfassen würden, das die Vision des Medizinrades zur Grundlage hat. Wir stimmten zu. 1980 wurde das Buch erstmals veröffentlicht. Nun ist es 1990, und wahrscheinlich haben mittlerweile schon annähernd eine Million Menschen mit dem Medizinrad meiner ursprünglichen Vision getanzt. Die Macht der Vision, die mir damals gegeben wurde, wächst immer weiter. Menschen überall auf der Welt bauen Medizinräder. Viele Tausende Medizinräder existieren nun auf Grund dieser Vision. Das Buch Das Medizinrad ist in vielen Sprachen erschienen: Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch, Holländisch, Griechisch, Hebräisch, Dänisch, Japanisch und Türkisch. Menschen in Europa tanzen um das Medizinrad.

Ist es nicht erstaunlich, dass sich die Vision eines einzelnen Indianers über das Große Wasser ausgebreitet hat, um dort die Nachkommen derjenigen so stark zu beeinflussen, die einst ebenfalls dieses Wasser überquert haben, um Turtle Island (die »Schildkröteninsel«, so nennen die nordamerikanischen Indianer ihren Kontinent) den Bewahrern der Erde wegzunehmen? Sagt diese Tatsache allein nicht schon etwas über die Macht dieses großen Rades aus? Das Medizinrad ist ein machtvolles Sprungbrett, mit dessen Hilfe wir uns mit den Energien des Universums verbinden können. Es ist der Ort, an dem die großen Lehrer menschlicher Weisheit sich versammeln werden, um ihr Wissen untereinander und mit den Menschen zu teilen. Das Medizinrad ist ein Ort, an dem wir von der Medizin sprechen können, um unsere Kranken zu heilen, von Möglichkeiten, Nahrung für die Hungrigen zu erzeugen, von Methoden, die Obdachlosen zu beherbergen, und von Wegen, die Menschen zu lehren, eine Balance in ihrem Leben und Harmonie mit der Erde zu finden. Das Medizinrad ist die geheime Achse der Völker der Welt. Damit die Welt wieder ins Gleichgewicht kommt, müssen die Nationen geheilt werden. Damit diese Heilung stattfinden kann, darf es keinen Krieg mehr zwischen Nationen geben, weil eine Nation den Reichtum oder das Territorium der anderen begehrt. Es darf nicht mehr länger Hass zwischen den Menschen wegen ihrer Religion oder ihrer Rasse geben. Wenn wir eine bessere Welt wollen, müssen wir den Menschen helfen, selbst ihr inneres Gleichgewicht und ihre Harmonie zu finden. Die Welt besteht aus Menschen, die mit dem Rest der Schöpfung zusammenleben müssen. Es sind die Erdenmenschen, die ihr Gleichgewicht verloren haben und die ihr Verhältnis zum Rest der Schöpfung in Ordnung bringen müssen. Das heilige Medizinrad kann die richtige Balance lehren. In diesem Buch vermitteln wir ein tieferes Verständnis dafür, wie man Zugang zu den Energien der Schöpfung bekommen kann. Das Medizinrad war schon immer eine Lehre von der Erde. Sie führt dich nicht hinauf zu den Sternen, sondern bringt dich vielmehr hinunter auf die Erde. In der Lehre der Indianer erkennen wir an, dass alle Teile der Schöpfung mit uns verwandt sind, denn wir alle leben auf derselben Mutter Erde und bekommen Wasser, Luft, Nahrung, Brennstoff und Schutz von ihr.

Wir hängen alle voneinander ab. Wir Indianer sehen, dass alle Mineralien, Pflanzen und Tiere bestimmte Kräfte haben. Wir bezeichnen sie als unsere Verwandten und als unsere Totems. Wir wissen, dass jede Art ihren Schutzgeist hat. Wenn wir Hilfe brauchen, beten wir zu diesem Schutzgeist, damit er uns hilft. Wir sehen, dass das Universum eine sichtbare und eine unsichtbare Seite hat. Die sichtbare Welt ist alles, was wir um uns herum sehen, und die unsichtbare Welt ist die Welt der Geistwesen, die hier ihren Platz haben, um über alles auf diesem Planeten zu wachen. Diese Geistwesen arbeiten mit dem Schöpfer zusammen und stehen der Menschheit zur Verfügung. In Zeremonien - wie denen, die mit dem Medizinrad zu tun haben - kommen wir in Berührung mit den Geistern. Eine Zeremonie ist eine Möglichkeit für den Menschen, seine Energie zu sammeln und mit den Geistmächten in Kontakt zu treten, die sowohl der Menschheit wie der ganzen Erde helfen können. Viele bewegende Dinge sind geschehen, die mir gezeigt haben, dass die Geister auf uns zugehen und uns sagen, dass jetzt die Zeit gekommen ist, um zum Medizinrad zurückzukehren. In Europa und England sind viele »geheimnisvolle« Kreise erschienen, mitten in Kornfeldern. Jetzt erscheinen sie auch in den Vereinigten Staaten. Dies sind Kreise, die aus der Welt der (Natur-)Geister kommen, geschaffen von Kräften, die jenseits unseres Begriffsvermögens stehen, um uns wissen zu lassen, dass jetzt die Zeit gekommen ist, um zu den Medizinrädern zurückzukehren. Sehr viele Menschen haben mit dem Medizinrad getanzt. Für einige war es nur ein kurzes Zwischenspiel, für andere bedeutete es einen tiefgreifenden Einschnitt in ihr Leben. Wie bei jedem Tanz sind die Schritte für jeden Tänzer etwas anders. Der Tanz einiger Menschen war so wirbelnd, dass ihre Schritte für die ursprüngliche Vision eine Bereicherung und Abwechslung darstellten. All das ist gut so. Aber die Zeiten wandeln sich. Die Veränderungen auf der Erde werden immer tiefgreifender. Die Erde braucht mehr von ihren Kindern, die sie bewahren. Dazu müssen wir uns unserer Erde gegenüber immer stärker verpflichtet fühlen und ihre Bedürfnisse immer besser verstehen. So, wie sich die Erde verändert, müssen auch wir uns verändern. Das Medizinrad ist ein wichtiges Werkzeug für unsere Zeit. Indem wir mehr über das Medizinrad lernen, lernen wir mehr über das Universum. Mit dem Medizinrad führen wir in unser eigenes Leben und in unsere Welt lebensspendende Veränderungen ein. Das Medizinrad-Praxisbuch soll mehr sein als eine Aktualisierung der ursprünglichen Vision. In diesem Buch finden sich wichtige neue Informationen, die dir helfen werden, das Medizinrad als lebendiges Werkzeug zu gebrauchen, gleich, ob du bereits ein erfahrener Erdtänzer bist oder gerade erst begonnen hast, das Lied der Erde zu hören. Oft, wenn ich auf Reisen war und das Medizinrad gelehrt habe, sind Menschen auf mich zugekommen und haben gefragt, wie sie das Medizinrad besser in ihr Leben integrieren können. Das vorliegende Buch gibt Antwort auf diese Fragen. Ich hoffe, dass dieses Buch ein besseres Verständnis für das Medizinrad und das heilige Gesetz der Verwandtschaft ermöglicht. Während jeder von uns lernt, auf diese heilige Weise und in Einklang mit der Schöpfung zu leben, lenken wir unsere Schritte auf den Pfad der Liebe und Harmonie. Wenn genügend Menschen auf diesem Planeten diesen Pfad beschreiten, werden wir eine bessere Welt haben. So habe ich gesprochen.

Sun Bear 1990

Das Medizinrad ist Jahrtausende alt. Dieses Legesystem wurde schon von den Inkas und Mayas benützt. Weitergetragen haben es die 0 (Zero) Häuptlinge - bis in unserer Zeit.

Die Philosophie die dahinter liegt ist die Philosophie der Verbundenheit. Alles und Jedes befindet sich innerhalb der großen Null. Die Schöpfung hat Alles geschaffen und Alles bewegt sich innerhalb der Schöpfung.

DIE ENTSTEHUNGSGESCHICHTE
Dies bedeutet: Alles hat seinen Platz, seinen Wert, seine Ordnung.
"Lehrt eure Kinder, was wir unseren Kindern lehrten. Die Erde ist unsere Mutter. Was die Erde befällt, befällt auch die Söhne und Töchter der Erde Denn das wissen wir: die Erde gehört nicht den Menschen - der Mensch zur Erde. Alles ist miteinander verbunden wie, das Blut das eine Familie vereint"
(Worte des Häuptlings Seattle)

Der Innere Kreis

  1. Da der Große Geist am Anfang war, wird sein Symbol auch als erstes gelegt.
    Das Zentrum des Energierades, es steht für sich alleine. Es steht für die Kraft der Schöpfung. Die Schöpfung ist in allem und doch ist sie keines von diesen allein. Sie ist der Anfang und das Ende des Lebens, das große Mysterium in allen Dingen und um alle Dinge herum, die universelle Energie. Sie steht für die Bewegung, die Aktivität und ist der Puls dieser heiligen, niemals endenden Kraft.
  2. Der Zweite Stein symbolisiert die Mutter Erde.
    Dieser Stein steht für die Liebe und den Neuanfang, weichen Mutter Erde ihren Kindern immer wieder gewährt. Das Tiertotem, das mit Mutter Erde assoziiert wird, ist die Schildkröte. Dieser Ort im Medizinrad lehrt Dich, die nährende weibliche Energie in Dir und auf der Erde insgesamt zu finden.
  3. Der Dritte Stein symbolisiert die Vater Sonne.
    Dieser Stein steht für das Wachstum und die Klarheit, die die Sonne der Erde bringt. Das Tiertotem, welches mit Vater Sonne assoziiert wird, ist die Eidechse. Dieser Stein lehrt Dich, den Kein der männlichen Energie und das aktive Prinzip des Universums zu finden. Grenzen zu setzen und Nein zu sagen.
  4. Der Vierte Stein symbolisiert Großmutter Mond.
    Dieser Stein würdigt das Vertrauen, weiches aus den inneren Energien des Mondes kommt. Der Mond ist die führende Kraft des weiblichen Lebens. Es ist ein Aspekt des Weiblichen, das stark genug ist, um empfänglich zu sein und sich dem Leben hinzugeben. Er ist das, was wild genug ist, um die aktiven Kräfte zu verfuhren und visionär genug, um sich das neue Leben vorzustellen, das aus dem alten erwächst. Das sanfte, weiche Licht von Großmutter Mond beleuchtet die Schattenseiten Deines Wesens, Teile von Dir, die Du niemals gewagt hast bei Licht zu betrachten. Hier findest Du den Seetaucher.

Die Elementeclans

  1. Der Fünfte Stein symbolisiert den Clan der Erde (Schildkrötenclan).
    Er steht für solide, schöpferische und stärkende Kraft, allerdings auch für die langsamste Kraft. Hier kannst Du solides Wachstum und Sinn für Erdverbundenheit erlernen. Es ist der Ort, an dem Du wahre Bedeutung einer tiefen Beziehung zur Erde kennen lernen kannst und bemerkst, auf welche vielfältige Weise Du mit ihr verbunden bist. Hier ist wirkliches Mitgefühl für die Menschen und die Gabe, die Liebe zur Erde anderen zu schenken und sie weiterzuvermitteln, erfahrbar.
  2. Der sechste Stein symbolisiert den Clan des Wassers (Froschclan).
    Der Froschclan steht in Verbindung mit allen Wassern. Hier findest Du Beweglichkeit auf allen Ebenen Deines Wesens. Hier kannst Du die transformativen, erfrischenden und regenerierenden Kräfte dieses flüssigsten aller Elemente kennen lernen. Wasser erscheint nur als etwas Formloses, bringt jedoch zahlreiche Formen hervor. Es ist der wahre Lebensquell. Ohne Wasser gibt es kein Leben, nicht so wie wir es kennen. Der Froschclan steht für deine Tränen.
  3. Der siebte Stein symbolisiert den Clan des Feuers (Donnervogelclan).
    Der Donnervogelclan ist der Klan von Vitalität und innerer Wandlung. Das Feuer kann den Menschen helfen, aber es kann sie auch zerstören. Feuer verwandelt alles, was es berührt und reduziert es auf seine Grundbestandteile. Dieser Stein macht die Dualitäten des eigenen Lebens bewusst und hilft, die Realitäten auf allen Ebenen des Wesens zu erkennen.
  4. Der achte Stein symbolisiert den Clan der Luft (Schmetterlingsclan).
    Der Clan des plötzlichen Wandels, hier ist alles stetig und ständig in Bewegung. Der Ort des Windes. Die Energie der Luft ist aktiv und transformierend, sei es als sanfte Brise oder als Orkan. Luft enthält den Lebensodem. Der Wind scheint frei zu sein und weckt die Sehnsucht nach Freiheit. Der Wind geht wohin er will, tut was er will und wirkt auf alles, was er berührt.

Der äußere Kreis
Die Vier Winde oder die Hüter des Geistes

  1. Waboose, Hüter des Geistes im Norden
    Element: Luft; Symbol: Der Weiße Büffel; Jahreszeit: Winter; Tageszeit: Mitternacht;. Der Lebensabschnitt, in dem wir älter geworden sind, in dem unser Haupt schneeweiß wird, wo wir als Neugeborene wieder zur Welt kommen. Der Norden ist die widersprüchlichste Zeit auf dem Medizinrad. Es ist die Zeit in der die Dinge zu schlafen scheinen. Dennoch findet in diesem scheinbaren Winterschlaf ein tiefgreifendes Wachstum statt. Die Zeit der Bestandsaufnahme, der Reflexion, der Ziele und Absichten. Vorbereitung auf TOD und GEBURT.
  2. Wabun, Hüter des Geistes im Osten
    Element: Feuer; Symbol: Der Goldene Adler; Jahreszeit: Frühling; Tageszeit: Morgengrauen;. Die Pflanze von Wabun ist der Tabak. Der Lebensabschnitt ist das Säuglingsalter sowie die frühe Kindheit. Wabun steht für den Neuanfang, neues Wachstum, Frische, die Neuigkeit sowie für Begeisterung und Kreativität. Der Durchbruch des Lichts, das auf jede Dunkelheit folgt. Die Zeit der Unschuld und des Erwachens. Der Augenblick ist ein Neuanfang. Es ist eine Magische Zeit, nichts ist mehr unmöglich. Lasse den Schöpfer frei durch Dich hindurch fließen.
  3. Shawnodese, Hüter des Geistes im Süden
    Element: Wasser; Symbol: Der Kojote; Jahreszeit: Sommer; Tageszeit: Mittag;. Der Lebensabschnitt ist das Ende der Kindheit das Jugendalter und das junge Erwachsenenalter. Shawnodese wirkt sehr widersprüchlich. Eine Zeit des schnellen Wachstums, in der alle Wesen so schnell nach Erfüllung des Wachstumsprozesses streben müssen, dass sie nicht einmal Zeit haben, den Pfad des Schöpfers in Frage zu allen. Vertraue dem Schöpfer, der Kojote unterstützt trickreich, dass wir in dieser Zeit auch innerlich wachsen. Es wird Dir das genommen, wonach Du Dich sehnst, dann wird es Dir gegeben, um zu sehen wie Du damit umgehst.
  4. 12. Mudjekeewis, Hüter des Geistes im Westen
    Element: Erde; Symbol: Der Grizzlybär; Jahreszeit: Herbst; Tageszeit: Abenddämmerung,. Der Vater aller Winde. Der Lebensabschnitt ist das Erreichen des Erwachsenenalters und der Reife. Die wichtigste Lektion von Mudjekeewis ist, die Verantwortung für Mutter Erde und für alle unsere Verwandten auf ihr zu fühlen. Der Westen ist eine Zeit der Stärke im menschlichen Leben und eine Zeit des Ausgleichs. Werde erwachsen wie der Bär, habe keine Angst davor, wage den Schritt in Dein Leben. Diene mit Stärke, Mut, Grazie und Kompetenz.

Die zwölf Monde

  1. Schneegans, Mond der Erderneuerung
    Dieser Mond beginnt zur Zeit der Wintersonnenwende, wenn Vater Sonne von seiner Reise nach Süden zurückkehrt und die Wärme bringt, die das Leben in Mutter Erde und all ihren Kindern stimuliert. Sei Du als Sender und Empfänger kosmischer Energie so klar wie Kristall, als Vermittler alten Wissens so bedeutend wie der Birkenbaum und Traditionen und Ritualen gegenüber so respektvoll wie die Schneegans.
  2. Otter, Der Mond der Rast und Reinigung
    Die Otter-Position hilft Dir, Mitmenschen, aber auch Dich selbst wirklich zu mögen und menschenfreundlichere Ansichten zu entwickeln. Der Otter lehrt Dich, zu kommunizieren und Deinen Intellekt ebenso wie Deine romantischen Gefühle zu wecken. Er sagt Dir: spiele!
  3. Puma Der Mond der großen Winde
    Der Puma kann die Menschen in dieser Position die wahre Bedeutung von Werten und deren Bewahrung lehren. Hierbei hilft Dir der Türkis, der mit der Energie des Pumas verbunden ist. Der Wegerich, die Pflanze des Pumas, kann Dich mit deinen heiligen Fähigkeiten vertraut machen und der Puma kann Dich in die hierzu erforderlichen Geheimnisse und in die Notwendigkeit, einen sicheren Bereich abzustecken, einführen. Mitteilen Deiner wahren Gefühle und Deines Bedürfnisses, mit beiden Beinen auf der Erde zu stehen.
  4. Roter Habicht Der Mond der knospenden Bäume
    Hier findest Du den als Mittler zur Energie des Roten Habichts den Feueropal, der
    Dich lehrt, Wie wichtig das Wasser (die Emotion) für Dich ist, um die Energie des Feuers nicht überhand nehmen zu lassen. Der Löwenzahn, die Pflanze des Roten Habichts, zeigt Dir, wie vorteilhaft es ist, sowohl Wurzeln zu schlagen als auch zu fliegen. Wie schön es ist, frei zu sein, weit und scharf zu sehen.
  5. Biber, Der Mond der wiederkehrenden Frösche
    Hier lehrt Dich der Biber, Erde und Himmel in Balance zu bringen, für Dich selbst und für andere zu sorgen. Hier hängt das Lot für Stabilität, für den Wert harter Arbeit für das Glück und die Fähigkeit eine geordnete und schöne Umwelt zu gestalten.
  6. Hirsch, Der Mond der Maisaussaat
    Der Moosachat als Mittler zur Energie des Hirsches lehrt Dich, deutlich Deine Verbindung mit dem Mineral- und Pflanzenreich zu sehen. Die Scharfgabe gibt Dir als Pflanze des Hirsches Reinlichkeit und Kraft. Der Hirsch demonstriert die Schönheit graziler und schneller Bewegungen. Hier stecken Ecken und Kanten Deiner Persönlichkeit, hier ist die Bereitschaft, tiefe Gefühle zu zeigen.
  7. Specht Der Mond der kraftvollen Sonne
    Vom Karneol, der mit der Energie des Spechts verbunden ist, kannst Du Deine starke Verbindung zum Herzen spüren lernen. Vom Specht erfährst Du, die Notwendigkeit, Dich selbst auszudrücken. Der Mond der kraftvollen Sonne betont die Wichtigkeit von Gefühlen und das Bedürfnis nach einem sicheren Zuhause. Der Specht klopft für den eigenen Standpunkt ohne Gefühlsduselei.
  8. Stör, Der Mond der reifenden Beeren
    Hier findest Du Deine eigene Kraft und erfährst, dass Dein Herz die Quelle dieser Kraft ist. Hier sind Deine Süße, aber auch die Dornen der Himbeere, die Du abspreizt, um Dich zu schützen. Der Stör vermittelt Deinen Tiefgang und das Bedürfnis, zu lehren, aus der Mitte Deines Herzens zu leben, Mitgefühl zu zeigen und Dich Deinen Ängsten zu stellen.
  9. Braunbär, Der Mond der Ernte
    Der Braunbär lehrt die Fähigkeit zu kreativer Neugier, ein gutes Urteilsvermögen, den Sinn für Gerechtigkeit und verborgene Bereiche von Herz und Seele zu erobern. Dieser Ort steht dafür, wirklich zu verstehen, was Arbeit und Pflicht bedeuten. Der Bär zeigt Dir den Weg, fort von übergroßer Kritik und Zynismus.
  10. Rabe, Der Mond der fliegenden Enten
    Der Rabe zeigt Dir die Fähigkeit, Dich im Gleit- oder Sturzflug zu bewegen, die Fähigkeit, Dich anzunehmen, sowohl zu besänftigen als auch zu irritieren. Die Energie von Erde und Sonne in Dein Wesen aufzunehmen und Botschaften des Herzens zu verstehen. Dich sowohl auf der Erde als auch in der Luft wohl zu fühlen. Unentschlossenheit und Wankelmut sind die Botschaften des Raben.
  11. Schlange, Der Mond der ersten Fröste
    Die Schlange lehrt Dich Deine Energie zu Konzentrieren und sensibel für alle Energien zu sein. Die Schlange zeigt Anpassungsfähigkeit und die Möglichkeit, sich in alle Stille an Orte zu begeben, vor denen sich andere fürchten. Sie zeigt Dir, wie Du den Kontakt zur Erde nicht zu verlierst.
  12. Elch der Mond des langen Schnees
    Der Elch lehrt Dich, die Gedanken und Gefühle anderer widerzuspiegeln, sanft und stark zugleich zu sein und er führt die Kraft der Schönheit, der Majestät und die Kunst des Zusammenspiels vor, und lehrt Dich mit der Widersprüchlichkeit von Natur und Leben umgehen zu können

Die Seelenpfade
Der Pfad der Seele im Norden

  1. Reinigung
    Hier spielt der Waschbär, er hilft bei der physischen Heilung. Er steht für die Entgiftung des Körpers, um alle Unreinheiten zu beseitigen. Auf der geistigen Ebene hilft er übernommene Vorstellungen abzuschütteln und sich aus alten Denkschemata zu lösen und Emotionen freizusetzen. Auf der geistig seelischen Ebene verhilft er zur Erkenntnis, was wirklich heilig ist.
  2. Erneuerung
    Der Regenwurm. Er sagt Dir, wie Du eine gesündere Einstellung zu Deiner Umwelt und zu Deinem Platz in ihr finden kannst. Und er zeigt, wie Du besser mit Dir selbst umzugehen und auf Deine Gefühle zu achten lernst. Diese Position kann Dir helfen, Deinen Glauben an den Schöpfer und an das Gute im Leben zu erneuern.
  3. Reinheit
    Hier springt der Delphin durch die Lüfte. Er steht für die Unverdorbenheit Frische, Unbefangenheit die Fähigkeit, die Welt mit den Augen eines Kindes zu sehen. Wenn Du zu einer Haltung der Unschuld, zu echter Begeisterung zurückkehren möchtest, dann höre was der Delphin zu sagen hat.

Der Pfad der Seele im Osten

  1. Klarheit
    Der farbenprächtige Kolibri steht hier. Er weiß um das Geheimnis, dass die Klarheit zwei Seiten hat. Diese kann dir einerseits die Weite öffnen, aber sie kann auch zum Gefängnis werden, in das Du Dich selbst sperrst. Er zeigt Dir, "wacher" zu sein und Dich verständlicher zu machen.
  2. Weisheit
    Die Eule spricht über die Weisheit zu Dir, wenn Du wissen musst, wo Deine körperlichen Grenzen sind. Körperliche Weisheit ist umfassendes Verständnis der Funktionen Deines Körpers sowie des Lebens als Ganzes. Rufe die Eule wenn Du bereit bist innerlich zu reifen.
  3. Erleuchtung
    Hier funkelt das Glühwürmchen. Die Erleuchtung ist auf der körperlichen Ebene die Fähigkeit, die heilige Energie in Gestalt des Schöpfers frei und ungehemmt durch Dich hindurch fließen zu lassen, auch wenn es nur für eine Sekunde ist.

Der Pfad der Seele im Süden

  1. Wachstum
    Das Kaninchen spricht über Wachstum, Wandel, Entwicklung, Entfaltung, Erweiterung und Reife. Wenn Du Dein Wissen und Deine Persönlichkeit erweitern und vertiefen möchtest, sprich mit dem Hasen, er hat eine Menge zu erzählen. Seelisch steht das Kaninchen für die Ernte, für Evolution. Fühle mit dem Kaninchen, wenn Du bereit bist, für Dein eigenes Leben die Verantwortung in die Pfoten zu nehmen.
  2. Vertrauen
    Hier schwimmt der Lachs. Er hat eine Geschichte parat über Vertrauen, Zuversicht und Selbstsicherheit. Du akzeptierst was ist und bist folglich bereit, Dich ganz dem Leben hinzugeben. Hier kannst Du Dein Misstrauen überwinden, endlich Zuhause anzukommen.
  3. Liebe
    Hier schleicht der Wolf. Wenn Du wissen willst, was Sinnlichkeit bedeutet, Vereinigung, Berührung, wenn Du in Deiner Beziehung nach Außen und zu Deinem eigenen Körper mehr Freude erfahren willst, dann solltest Du den Wolf aufsuchen.

Der Pfad der Seele im Westen

  1. Erfahrung
    Hier bläst der Wal. Er sagt: "Erfahrung ist handeln und lernen durch handeln." Geistige Erfahrung ist, durch Versuche und Irrtümer zu lernen, und zu behalten, was man gelernt hat. Hier findest Du emotional mehr Stabilität, Zuversicht und innere Beteiligung. Der Wal kennt Geschichten, welche Dir helfen, Dir Deiner Gefühle bewusst zu werden und Dich mit ihnen wohl zu fühlen.
  2. Einsicht
    Hier pfeift die Maus. Einsicht ist die Fähigkeit, nach innen zu schauen. Lasse alles, was Du von Dir gibst, von Deiner inneren Stimme leiten. Bei-Dir-Selbst- Sein. Trete in die Verbindung mit dem heiligen Schöpfer. Schaue Dich selbst ganz an.
  3. Stärke
    Hier begegnest du der Ameise. Sie kennt Märchen über den ständigen Energiefluss und über die Macht. Um Stärke zu gewinnen, musst du Deine Grenzen kennen und unerschütterlich an Deinem Vorhaben festhalten. Es ist der Ort der geistigen Disziplin. Was willst Du wirklich?

 

Indianische Medizin
Alte Heilmittel - heute in aller Munde

Medizin-Tipi Für die Indianer Nordamerikas stand die Harmonie schom immer im Mittelpunkt des Lebens.
Sie ist die Quelle des Wohlbefindens, der Hort der Gesundheit. Lebt ein Mensch nicht mehr im Einklang mit seiner natürlichen oder sozialen Umwelt, dann stört er die Harmonie und wird krank.
Jede Krankheit, jeder Schmerz hat seinen Ursprung. Das ist der Preis, den man zahlen muß, für eine Tat in der Vergangenheit oder aber in der Zukunft. Doch was sich im Körper ausdrückt, ist nicht das Wesentliche. Die Fähigkeit zu heilen verlangt mehr als das bloße Wissen um den Körper. Sie umfaßt alle Lebensbereiche.

Indianische Medizin ist also mehr als die Behandlung von Krankheiten. Sie ist vor allem Religion: Sie stiftet Identität durch Rituale, schafft Zusammenhalt durch Gemeinschaftserlebnisse. Sie befriedigt seelische und emotionale Bedürfnisse durch ihre Spiritualität. Indianische Medizin ist aber auch Kräuterheilkunde, Psychoanalyse und Philosophie.
Die indianischen Medizinmänner sind häufig Menschen, die sogenannte Nah-Tod-Erlebnisse hatten - zum Beispiel nach einer erlittenen Krankheit. Sie verschafften ihnen eine Sonderrolle in der Gesellschaft. Eine alte indianische Erkenntnis sagt über den weiten Weg zum Schamanentum: "Wenn du jeden Schmerz gespürt und alle Tränen geweint hast, wenn sie Tropfen für Tropfen auf dein Herz gefallen sind, dann kommt die Weisheit."
Die Behandlungsmethoden und die Ausrüstung des Schamanen variieren von Stamm zu Stamm. Zum medizinischen Handgepäck gehören Trommel, Rassel, Schalen und Mörser, kleine Holzfetische, Adlerfedern, Bergkristalle, Pfeilspitzen und Steinbeil. Das wichtigste medizinische Amulett aber ist der Lederbeutel. Er besteht aus der Haut eines heiligen Tieres und enthält zum Beispiel Hirschschwänze, getrocknete Finger und oft den Magenstein eines Büffels. Diesem Bündel werden starke magische Kräfte zugeschrieben. Seit Urzeiten geht es vom Vater auf den Sohn oder den neu initiierten Schamanen über.
Ebenfalls uralt und immer noch gebräuchlich ist das indianische Schwitzhütten-Ritual.
Die Schwitzhütte, eine Art Sauna, wird kurz vor Wintereinbruch zur Reinigung von Körper und Geist gebaut. In ihrem stockfinsteren Innern dienen rotglühende Steine als Ofen, die von Zeit zu Zeit mit Wasser und Heilkräuterauszügen begossen werden. Aromatischer Dampf durchwabert die Hütte, in der drei oder vier Stammesangehörige liegen. Im Dunkeln sind sie den Göttern nahe und kehren symbolisch in den Schoß von Mutter Erde zurück.
Solche Rituale und Zeremonien sollen die gestörte Harmonie wiederherstellen. Schamanen sind dabei die Mittler zwischen Jenseits und irdischer Wirklichkeit. Sie sprechen mit den Göttern und versöhnen die Geister. Oft sind sie aber auch politische Führer (Sitting Bull, Joseph, Geronimo und andere berühmte Indianerhäuptlinge Nordamerikas waren zugleich Schamanen).
Wie die westliche Medizin kennt auch die indianische Heilkunst Spezialisierungen. Es gibt die reinen Diagnostiker und die "Mashki-kike-winini". Diese Kräuterspezialisten sind oft Frauen. Sie kurieren mit Blättern, Beeren und Wurzeln. In einer Art indianischer Homöopathie, die Gleiches mit Gleichem behandelt, setzen sie ihre Heilmittel gegen die krankheitsverursachenden Geister ein. Bittere Tränke sollen die Dämonen aus Magen und Darm vertreiben, gelbe Blütenpflanzen die Geister der Gelbsucht, rote die von Blutkrankheiten und feuchte Moose jene, die Lungenleiden verursachen.
Solche Therapien klingen eher nach Aberglaube als nach wissenschaftlichen Erkenntnissen. Doch die Ergebnisse der indianischen Medizin sind überraschend. Schon vor Jahrhunderten heilten die "Mashki-kike-winini" mit dem Saft von Feigenkakteen Skorbut, rückten mit Schimmelpilzen der Diphterie zu Leibe und lösten schmerzende "Verhexungen" mit Kokablättern.
Wenn die Pflanzen versagen und die Geister nicht weichen wollen, nimmt der Schamane direkten Kontakt mit den Dämonen der Krankheit auf. In oft tagelangen Zeremonien kämpft er mit dem Bösen und versöhnt die Götter.

Die visionäre Kraft des Schamanen ist in vielen indianischen Kulturen untrennbar mit der Einnahme von Psychodrogen verbunden. Bewusstseinsverändernde Pilze und Kakteen wie "Teonanacatl" oder "Peyote" öffnen den Weg ins Schattenreich. Der Schamane wendet sich hin zu inneren Bildern, sein Bewusstsein reist durch die Unterwelt, und er identifiziert die Dämonen der Krankheit.
An den Heilritualen sind immer die Familie und die Freunde, häufig sogar der gesamte Stamm des Kranken beteiligt. Wichtigster Heilmechanismus ist die Zugehörigkeit zur grossen medizinischen Gesellschaft, zur Gemeinschaft des Stammes. Noch heute sind die "Sonnentänze", durch die ein ganzes Volk von krankmachenden Einflüssen befreit wird, Höhepunkte im Leben der nordamerikanischen Indianer.
Von den Weißen wurden die Schamanen von Anfang an als Betrüger geächtet. Christliche Missionare verdammten ihre Riten, vernichteten ihre "gottlosen" Amulette und Fetische. Der Grund: Die Medizinmänner widersetzten sich entschieden der neuen christlichen Heilslehre. Sie waren Gegner und Konkurrenten der Priester.
Ihr schlimmstes Vergehen aber war ihr Erfolg. Sie kurierten nicht nur Indianer - auch hinfällige Weiße konnten dank indianischer Hilfe das Krankenlager verlassen. Mehr als 200 ursprünglich indianische Medizinpflanzen übernahmen die weißen Siedler nach und nach in ihre Volksapotheke. Vor allem im Nordwesten der USA war der indianische Einfluß stark, und viele weiße Kräuterkundige bezeichneten sich stolz als "Indian Doctors".
Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde den Schamanen das Leben besonders schwer gemacht. In zahlreichen US-Bundesstaaten traten Verbote von Heilritualen in Kraft. 1887 setzte Washington schließlich die gesamte indianische Kultur auf den Index und untersagte den Ureinwohnern jegliche Ausübung religiöser und medizinischer Riten. (Erst 1934 wurde das Verdikt aufgehoben.)
Erst in unserem Jahrhundert befaßte sich auch die westliche Wissenschaft intensiver mit indianischer Medizin. Aber vieles ist unwiederbringlich verloren. Zwar haben in den Indianerreservaten manche Heilmethoden überlebt. Doch es gibt nicht mehr viele Schamanen. Ihre Ausbildung dauert Jahre, manchmal Jahrzehnte, und es fehlt an Nachwuchs. Da es keine indianische Schriftsprache gibt, müssen die Jungschamanen alle Gebete und Gesänge auswendig lernen. Manche der Zeremonien aber umfassen eine halbe Million Worte. Und die Götter und Geister unterstützen den Schamanen nur, wenn die Rituale bis ins kleinste Detail Stimmen.

Peyote Der am weitesten verbreitete indianische Kult ist heute die Peyote-Religion. Peyote ist ein stachelloser Kaktus, dessen Spitzen in Scheiben geschnitten und zerkaut werden. Er enthält 44 unterschiedliche Giftstoffe (Alkaloide). Meskalin, der wichtigste, hat eine stark bewusstseinsverändernde Wirkung: Farbenprächtige Visionen, der Blick in die Zukunft, mystische Erfahrungen werden beschrieben.
Peyote kam erst um 1870 nach Nordamerika. Für die Indianer wurde der Kaktus zur heilenden und heiligen Pflanze: zum Mittel gegen körperliche und seelische Gebrechen, vor allem aber zur einigenden Kraft, die unterschiedliche Stammeskulturen verband. Und Peyote wurde zur Kraftprobe: Die christlichen Missionare hatten die Droge verdammt und ihren Gebrauch als Teufelswerk streng untersagt. 1918 versuchte die US-Regierung, ein offizielles Verbot durchzusetzen. Die Indianer wehrten sich, mehrere Stämme organisierten sich unter dem Cheyenne Alfred Wilson in der "Native American Church" (NAC). Spätestens mit dieser Auseinandersetzung entwickelte sich Peyote zum indentitätsstiftenden Symbol, zur Leitsubstanz indianischer Kutlur. Heute ist die NAC eine Bewegung mit mehreren hunderttausend Mitgliedern. Peyote-Rituale und der Genuss der Droge sind wieder erlaubt.

»Alte indianische Weisheiten« werden heute auch im Westen gelehrt, in Workshops, Seminaren oder Abenteuercamps. Dahinter verbergen sich in der Regel dubiose Psycho-Sekten mit einem nebulösen Mystizismus oder einfach Geschäftemacher, die auf der Ethno-Welle mitschwimmen wollen. In ihren Prospekten zeigen sie entrückt dreinblickende Rothäute und versprechen Verheißungsvolles: "schamanische Reisen zu Kraft und Heilung", Feuerproben und Initiationsriten, Schwitzhüttenzeremonien und Trommel-Sessions, um "Schamanen in uns" zu erfahren.
Harmloser, aber ebenso unsinnig ist die Verklärung der indianischen Medizin als Wunderheilkunst. Machen Sie´s "wie die alten Indianer, so leben Sie gesund", empfahl eine Münchner Zeitung und berichtete, daß "100jährige Indianer keine Seltenheit waren". Die Rothäute, so erfuhren die Leser, kannten weder Rheuma noch Bluthochdruck, weder Gicht noch Diabetes.
Die Wahrheit sah anders aus. Schon vor der Invasion der Weißen litten die Ureinwohner Nordamerikas häufig an Rheumatismus und Lungenentzündung. Auch Durchfälle und Fehl-Ernährung waren weit verbreitet. Das große Sterben begann mit der Ankuft der europäischen Siedler. Gegen Feuerwaffen konnten sich die Stämme noch zur Wehr setzen. Gegen eingeschleppte Seuchen und gegen die fremde Droge Alkohol waren sie jedoch machtlos.
Unter den Bella-Coola-Indianern wütete eine Kuhpocken-Epidemie derart, daß nicht genug Überlebende übrigblieben, um die zahllosen Toten zu beerdigen. "Die infizierten Männer und Frauen", berichtete ein US-Leutnant 1862, "wurden in den Wäldern ausgesetzt, wo sie verlassen starben und verwesten."

Die Indianer sind viele Tode gestorben. Nur wenige Stämme bewahrten ihr kulturelles Erbe - doch ihre Mythen haben überlebt. Daß die indianische Medizin nicht dem wissenschaftlichen Geist des Westens folgt, ist für den französischen Ethnologen Claude Lévi-Strauss nur vorteilhaft: Vieles von dem, was die Wissenschaft verkünde, sei "dermaßen phantastisch und widerspricht jedem gesunden Menschenverstand, daß man es nur in Mythen verständlich machen kann". Wie die Indianer.

Handwerkszeug
Das "Handwerkszeug" eines Medizinmannes: Lederbeutel, Federn, Steine in einer Muschel. Jedes Teil hat seine eigene Geschichte und eine bestimmte Bedeutung.

Indianische Heilpflanzen
Pflanzensud und heiße Steine, Schimmelpilze, Kakteensaft und Grizzlybären-Wurzel: Die Apotheke Manitous war reichhaltig. Hunderte von Heilpflanzen waren ihre wichtigste Stütze. So half zum Beispiel die Rinde des Fenchelholz-Baumes bei Koliken, Blähungen, Leber- und Nierenschmerzen. Der Sud aus Blättern und Beeren sollte rheumatische Beschwerden und Geschlechtskrankheiten lindern. Frisch zerriebene Blätter dienten als Wundpflaster, das ausgekochte Wurzelmark als Narkotikum.
Die Indianer kannten sogar Penicillin.
Zur Behandlung von Wundinfektionen und gegen Diphtherie kratzten sie Schimmelpilzkulturen von Baumstämmen ab und strichen sie auf die Wunde.
Die bekannteste indianische Kulturpflanze ist der Tabak. Sein Saft half gegen Zecken und desinfizierte Wunden. Sein Rauch begleitete nicht nur Rituale und Kulte, er linderte auch Kopf- und Zahnschmerzen. In der Regel rauchten die Indianer den Tabak vermischt mit anderen Heilpflanzen.
Krätze und Wurmbefall wurden mit Lilienwurzeln behandelt. Offenbar hatten die Indianer die Wurmkur beim Grizzlybären abgeschaut. Während der Lachs-Saison nehmen die Bären mit dem Fisch reichlich Würmer zu sich. Um sie wieder loszuwerden, fressen die Tiere dann die stark abführenden Lilienwurzeln.
Als Medizin für alle Fälle war die Schafgarbe beliebt. Schafgarbentee wurde gegen fast alle
Beschwerden eingesetzt, von Erkältung bis hin zu Fieber, Verstopfung und Hämorrhoiden. Zu den spektakulärsten Erfolgen der indianischen Medizin zählt die Behandlung von Skorbut, zum Beispiel mit Elsbeeren und Feigenkakteen. Davon profitierten drei französische Schiffsbesatzungen, die im bitterkalten Winter von 1535/36 am St.-Lorenz-Strom im Eis festsaßen. 25 der 110 Männer waren bereits an Vitaminmangel gestorben, als ihnen die Indianer zu Hilfe kamen und die Männer kurierten.
Bewährtes Verhütungsmittel vieler indianischen Stämme war die Yamswurzel. Sie enthält das Hormon Progesteron, wichtigster Bestandteil der "Antibabypille".
Der Sonnenhut Echinacea angustifolia, heute in ganz Europa von der Pharmaindustrie angebaut, ist ein altes indianisches Heilmittel. Bei Verletzungen wurde das Wurzelpulver auf die Wunde gestreut, die Blätter als Wundpflaster aufgelegt. Die Dakota tranken Echinacea-Sud gegen Blutvergiftung. In unseren Apotheken wird die Substanz oft verlangt; sie stärkt die körperlichen Abwehrkräfte.
Zur Zahnpflege und Atemerfrischung wurde aus dem Stamm einer großen Blattpflanze eine harzartige Substanz gewonnen. An Sonne und Luft getrocknet, duften die zähen Pflanzentränen erfrischend und angenehm. Die Creek kauten die gummiartigen Stücke stundenlang: Der Kaugummi war erfunden.


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